Prozess gegen Pius-Bischof Williamson droht zu platzen

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Pius-Bruder Richard Williamson.

Regensburg - Paukenschlag im Fall des umstrittenen Piusbruder-Bischofs Richard Williamson: Keine zwei Wochen vor dem Berufungsprozess in Regensburg hat sein Anwalt das Mandat niedergelegt.

Der Berufungsprozess gegen den britischen Holocaust-Leugner Richard Williamson droht zu platzen. Wenige Tage vor der geplanten Verhandlung hat der Anwalt des Bischofs der umstrittenen Piusbruderschaft überraschend das Mandat niedergelegt. Dem zuständigen Regensburger Landgericht liegt deswegen nun ein Antrag auf Verschiebung des für 29. November geplanten Prozesses vor. Über den Antrag wird nach Justizangaben vom Mittwoch voraussichtlich in der kommenden Woche entschieden. Zuvor muss dazu noch die Staatsanwaltschaft gehört werden. Williamson hatte in einem Fernsehinterview den Massenmord an den Juden in den Nazi-Gaskammern bestritten.

Da das Interview im deutschen Priesterseminar der ultrakonservativen Piusbrüder in Zaitzkofen (Landkreis Regensburg) aufgezeichnet wurde, ist die Regensburger Justiz zuständig. Das dortige Amtsgericht hatte den 70- Jährigen im April wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 10 000 Euro verurteilt. Williamsons bisheriger Verteidiger, der Coburger Rechtsanwalt Matthias Loßmann, sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass die Zusammenarbeit “einvernehmlich beendet“ worden sei. Dies hängt offensichtlich damit zusammen, dass Williamson einen neuen Rechtsanwalt beauftragt hat. Den Namen wollte Loßmann allerdings nicht nennen. Der neue Verteidiger werde sicher bald bekanntwerden, meinte Loßmann. “Sie werden dann sehen, warum ich mich nicht mehr berufen fühle.“ Auch dem Regensburger Landgericht wurde der Name des neuen Anwalts bisher nicht mitgeteilt.

Der Fall Williamson hatte die gesamte katholische Kirche in eine schwere Krise gestürzt, weil der Papst Anfang 2009 Williamsons Exkommunikation aufgehoben hat. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch der Inhalt des Interviews mit dem schwedischen Fernsehen bekannt. Williamson hatte in dem TV-Beitrag gesagt, dass höchstens 300 000 Menschen in Konzentrationslagern gestorben seien, aber niemand in Gaskammern. Im ersten Prozess war der in London lebende Bischof trotz Vorladung nicht erschienen. Laut Loßmann hatten ihm die Piusbrüder die Teilnahme an der Verhandlung untersagt. Auch drei als Zeugen geladene Fernsehjournalisten aus Schweden kamen nicht nach Regensburg. Loßmann hatte im ersten Prozess einen Freispruch für Williamson verlangt. Der Bischof habe die Reporter darauf hingewiesen, dass wegen der hiesigen Rechtslage das Interview nicht in Deutschland gezeigt werden dürfe, argumentierte der Verteidiger. In anderen Staaten ist die Holocaust-Leugnung teilweise nicht strafbar.

dpa

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