Polizei verhindert offenbar Terroranschlag in Berlin

Berlin - Die Berliner Polizei hat möglicherweise einen Terroranschlag verhindert. Zwei Männer arabischer Herkunft sollen für den Bau einer Bombe Chemikalien bestellt haben. Der Staatsschutz ermittelt.

Kurz vor dem zehnten Jahrestag der Anschläge vom 11. September hat die Berliner Polizei zwei mutmaßliche Terroristen festgenommen. Die beiden Männer arabischer Herkunft sollen einen Bombenanschlag geplant und dafür Chemikalien besorgt haben. Vermutlich wollten sie einen Sprengsatz aus Kühlelementen und einer Säure herstellen. Es gebe aber keine Erkenntnisse, dass ein Zusammenhang mit dem Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington bestehe, so die Polizei am Donnerstag.

Zwei Betrieben in Berlin und Baden-Württemberg waren die Bestellungen in verdächtiger Menge aufgefallen. “Damit hätten sie einen Sprengsatz von erheblicher Sprengwirkung herstellen können“, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. In einer Wohnung in Neukölln wurde eine flüssige Chemikalie sichergestellt. Die Männer gehören nach bisherigen Erkenntnissen vermutlich keiner internationalen Terrorgruppe an. Was die Verdächtigen genau planten oder wem ein Anschlag gelten sollte, war zunächst nicht bekannt.

“Wir haben keinen Hinweis darauf, dass hier am 11. September eine Bombe hochgehen sollte“, sagte der Sprecher. Was die Verdächtigen genau planten oder wem ein möglicher Anschlag gelten sollte, war zunächst nicht bekannt. Die Tatsache, dass der Generalbundesanwalt die Ermittlungen nicht übernahm, spricht gegen eine größere Dimension. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt nur bei schwerwiegenden staatsgefährdenden Straftaten von besonderer Bedeutung. “Dafür gibt es in diesem Fall keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte“, sagte ein Behördensprecher. Bei der Berliner Polizei hieß es, die Fahnder hätten “weit im Vorfeld“ reagiert.

220 Beamte waren am Donnerstag im Einsatz. Sie durchsuchten Räume eines islamischen Kulturvereins und einer Moschee in Berlin-Wedding sowie die Wohnungen der beiden Männer in Kreuzberg und Neukölln. Bei den Festgenommenen handelt es sich um einen 24-jährigen deutschen Medizinstudenten libanesischer Abstammung und um einen 28-jährigen Mann aus dem Gaza-Streifen

Polizisten führen eine Person aus einem Haus in Berlin-Kreuzberg, dem mutmaßlichen Wohnort eines Terrorverdaechtigen

Die Ermittlungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft liefen schon länger.

Die Männer wurden seit Wochen observiert. Sie stehen unter dem Verdacht der Vorbereitung einer schweren Straftat. Laut Medienberichten wurde für die Ermittlungen eine Gruppe namens “Regenschauer“ gegründet.

Der Berliner Oberstaatsanwalt Ralph Knispel sagte, bislang wisse man nichts von einem konkret geplanten Anschlag oder einem konkreten Ziel. Der Berliner Verfassungsschutz äußerte sich nicht.

Die beiden Männer sollen sich laut Polizei häufig in einer Moschee in der Tromsöer Straße im Stadtteil Wedding aufgehalten und dort auch zeitweise gewohnt haben. Die Ermittlungen richteten sich aber ausdrücklich nicht gegen die Moschee, den islamischen Verein oder dessen Vorsitzenden, so die Polizei. “Sie stehen nicht im Fadenkreuz der Ermittler.“

Die schlimmsten Terroranschläge seit dem 11. September

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte die Festnahme der Terrorverdächtigen als “guten Fahndungserfolg“. “Er zeigt, dass die Sicherheitsbehörden wachsam sind“, sagte Wowereit. “Falls sich der Verdacht bestätigt: Herzlichen Glückwunsch an die Polizei.“ Auch der CDU-Spitzenkandidat für die bevorstehende Wahl zum Abgeordnetenhaus, Frank Henkel, würdigte die gute Arbeit der Polizei.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht in dem Fall einen deutlichen Hinweis, dass die Terrorgefahr in Deutschland nach wie vor auf hohem Niveau sei. “Wer glaubt, dass sich zehn Jahre nach dem furchtbaren Anschlägen in den USA und nach dem Tode Osama bin Ladens die Lage normalisiert habe, ist erneut eines Besseren belehrt worden“, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut.

Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach forderte erneut die Vorratsdatenspeicherung. “Gerade in diesem Fall, im jüngsten Fall, ist es ja ganz wichtig zu wissen: Mit wem haben die mutmaßlichen Terroristen in Kontakt gestanden? Mit wem haben sie kommuniziert?“, so Bosbach im N24-Interview. Diese Aufklärungsarbeit werde oft erleichtert durch die Auswertung von Telekommunikationsdaten.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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