Partielle Kernschmelze und Plutonium im Boden von Fukushima

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Das havarierte AKW Fukushima.

Tokio - Eine partielle Kernschmelze und hochgiftiges Plutonium im Boden des Atomkraftwerksgeländes Fukushima-Daiichi: Die alarmierenden Nachrichten aus dem japanischen Unglücks-Kraftwerk sind am Montag nicht abgerissen.

Regierung und Betreiber Tepco versuchten zu beruhigen: Die erhöhte Strahlung aus dem Block 2 sei offenbar auf diesen Gebäudekomplex begrenzt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Das hoch radioaktive Wasser in Block 2 sei wohl eine Folge einer partiellen Kernschmelze in dem Reaktor, erklärte er.

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Tepco-Sprecher Jun Tsuruoka teilte mit, nur zwei der fünf am Montag entnommenen Plutonium-Proben stammten aus beschädigten Reaktoren. Die anderen drei seien auf frühere Atomtests zurückzuführen. Jahrelange Waffentests in der Atmosphäre hätten an vielen Stellen auf der ganzen Welt Plutonium-Spuren zurückgelassen, sagte er. Die festgestellte Menge sei gering und keine Gefahr für die öffentliche Gesundheit.

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Das Schwermetall befindet sich in hoher Menge in den Brennstäben des Reaktors 3 in Fukushima-Daiichi und in niedrigerer Konzentration in den abgebrannten Brennelementen in den Abklingbecken aller sechs Reaktoren. Experten hatten mit dem Nachweis von Plutonium gerechnet, sobald danach gesucht wird. Die Suche begann an diesem Montag.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) will im Lichte der Atomkatastrophe die internationalen Sicherheitsvorkehrungen auf einer ranghoch besetzten Konferenz überprüfen. IAEA-Direktor Yukiya Amano sagte in Wien, ein möglicher Termin dafür könnte Ende Juni sein. Es gehe darum, Lehren aus dem Desaster in Fukushima-Daiichi zu ziehen und die internationalen Vorkehrungen für solche Unfälle zu verbessern.

Wasser in Block 2 massiv kontaminiert

Arbeiter bemühten sich weiter darum, hunderte Tonnen radioaktives Wasser aus dem Atomkraftwerk abzupumpen. Das Wasser muss laut der Atomsicherheitsbehörde NISA entfernt und sicher gelagert werden, bevor die Arbeiten am Kühlsystem fortgesetzt werden können. Bis zu 600 Menschen sind zurzeit in Schichten in Fukushima im Einsatz.

Der Kraftwerksbetreiber Tepco teilte mit, im Wasser in Block 2 seien Strahlenwerte gemessen worden, die rund 100.000 Mal höher seien als normal. Als Quellen wurden beschädigte Brennstäbe vermutet. Der Druck in den Reaktoren sei aber stabil, was auf eine nur partielle Schmelze des Reaktorkerns hinweise, sagte Sprecher Kaoru Yoshida.

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Neue Messwerte legen nach Behördenangaben nahe, dass in Fukushima ausgetretenes hoch radioaktives Jod 131 viel weiter nach Norden ins Meer gelangt ist als zunächst angenommen. Die Kontamination erstreckt sich demnach etwa 1,6 Kilometer weiter nach Norden als zuvor. An der Küste vor den AKW-Blöcken 5 und 6 seien Werte von Jod 131 gemessen worden, die 1.150 Mal höher als normal liegen, sagte Hidehiko Nishiyama von der NISA am Montag. Nach Angaben der Atomsicherheitsbehörde stammt das radioaktive Wasser vermutlich aus der Sicherheitshülle des Reaktors.

Warnung vor Radioaktivität im Erdboden

Die Behörden warnten auch vor einem Einsickern von Radioaktivität in den Erdboden. Arbeiter hätten radioaktives Wasser in den tiefen Gräben vor drei Blöcken entdeckt. Die Strahlung in der Luft vor Block 2 übersteige 1.000 Millisievert pro Stunde - mehr als das Vierfache dessen, was die Regierung für die Einsatzkräfte für sicher hält, erklärte Tepco. Die Gräben dienen als Wege für Arbeiter, die dort Entwässerungsrohre oder Elektrokabel verlegen. Die fünf Arbeiter, die im Einsatz waren, wurden laut Tepco nicht verletzt.

Die Regierung kritisierte am Montag scharf falsche Angaben von Tepco zu den Strahlenwerten des kontaminierten Wassers in Fukushima. Das Unternehmen hatte zunächst von millionenfach erhöhten Messwerten gesprochen, diese Angaben aber wenige Stunden später zurückgezogen und einen Messfehler eingeräumt. “Ein solcher Fehler ist etwas, das nicht verziehen werden kann“, sagte Regierungssprecher Edano. Zugleich warnte er Bewohner vor einer Rückkehr in die evakuierte 20-Kilometer-Sicherheitszone um das Kraftwerk. Die Radioaktivität dort stelle eine große Gefahr dar. Er regierte auf Berichte, wonach Anwohner heimlich zurückgekehrt seien.

Tsunami-Alarm wieder aufgehoben

Am frühen Morgen wurde die Region erneut von einem schweren Erdbeben erschüttert. Die Behörden gaben vorübergehend eine Tsunami-Warnung heraus. Der Erdstoß der Stärke 6,5 ereignete sich nach Angaben der US-Erdbebenwarte nahe der Ostküste der Insel Honshu in knapp sechs Kilometern Tiefe. Berichte über Verletzte oder Schäden gab es nicht.

Am 11. März wurde der Nordosten Japans von einem Beben der Stärke 9,0 und einem anschließenden Tsunami getroffen. Die Katastrophe kostete vermutlich 18.000 Menschen das Leben und führte zu den Schäden am AKW Fukushima.

Von Shino Yuasa

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