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Mehrheit für Schließung der Weihnachtsmärkte

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Von: Michael Hirz

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Weihnachtsmarkt in Frankfurt am 23. November
Eine Mehrheit der Deutschen ist angesichts der aktuellen Corona-Lage gegen Weihnachtsmärkte wie hier in Frankfurt. © Marcel Lorenz / Imago

Die Corona-Maßnahmen werden von weiten Teilen der Gesellschaft getragen – sogar für die Schließung der Weihnachtsmärkte gibt es eine Mehrheit, berichtet unser Gastautor Michael Hirz

Köln – Zur Lebenskunst gehört seit eh und je, unterscheiden zu lernen. Zwischen gut und böse, richtig und falsch, oben und unten. Hier hat der Kölner einen Erfahrungsvorsprung, weil er seit 2000 Jahren gelernt hat, zwischen linksrheinisch und rechtsrheinisch sauber zu trennen. Anders gesagt: Die Menschen in Köln* haben damit ein feines Gespür für Risse in der Gesellschaft. Womit wir bei Prof. Manfred Güllner wären, der nicht nur als Meinungsforscher (Forsa) ein anerkannter Experte für den Zustand einer Gesellschaft ist, sondern als gebürtiger Rheinländer und (Wahl-)Kölner auch die offensichtlich genetisch notwendigen Voraussetzungen mitbringt.

Corona spaltet die Gesellschaft nicht – es ist die radikale Minderheit

Er überrascht jetzt mit der Erkenntnis, dass Corona die Gesellschaft keineswegs spalte. Das sei „eine Mär“. Vielmehr habe es „während des gesamten Verlaufs der Corona-Pandemie einen großen Zusammenhalt der übergroßen Mehrheit der Menschen“ gegeben. Allerdings diagnostiziert er „eine tiefe Kluft zwischen dieser großen Mehrheit, die die zur Bekämpfung der Pandemie getroffenen Maßnahmen immer für richtig oder sogar nicht weitgehend genug bewertete, und einer sich immer lautstärker artikulierenden radikalen Minorität.“ Auf diese Minderheit werde („Wie bei den Anfängen der AfD oder von Pegida“) zu viel Rücksicht genommen – weil sie offensichtlich überschätzt wird.

Das ist Manfred Güllner

End der Epidemische Notlage: 40 % der FDP-Anhänger sind dafür, mehr Befürworter gibt es nur bei der AfD

Güllner wäre nicht Güllner, wenn er das Ganze nicht mit Zahlen untermauerte. 74 Prozent der Anhänger demokratischer Parteien sind danach überzeugt, dass die von der Ampel-Koalition beschlossenen Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung nicht ausreichen. 86 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe halten eine flächendeckende 2-G-Regel für richtig, 73 Prozent befürworten eine Schließung der Weihnachtsmärkte*.

Spannend ist der Blick auf die Anhänger der Ampel-Parteien: Während nur rund 25 Prozent der Anhänger von SPD und Grünen (übrigens auch der Union) das beschlossene Ende epidemischen Notlage gutheißen, sind es bei der FDP knapp 40 Prozent. Nur bei den AfD-Anhängern (55 Prozent) sind es mehr. Was diese Diskrepanz für die Zusammenarbeit der drei Ampelparteien bei ihrer ersten wirklich großen Herausforderung, der Pandemie-Bekämpfung, heißt, wird man sehen. Gemeinsamer Aufbruch, das ist klar, braucht Konsens in der Lageeinschätzung. (mh/IDZRW) *24RHEIN ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

IPPEN.MEDIA-Gastautor Michael Hirz

Der Publizist Michael Hirz war bis vor kurzem Programm-Geschäftsführer des Politik-Senders Phoenix und hat u. a. den „Internationalen Frühschoppen“ moderiert. Jetzt ist Michael Hirz freier Journalist, Kommunikationsberater und sitzt im Vorstand des Kölner Presseclub. Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter des Kölner Presseclub.

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