Libyer rufen um Hilfe für Misurata

Bengasi - Die Menschen in Libyen fliehen vor den Kämpfen. Doch eine humanitäre Katastrophe trifft vor allem eingeschlossene Städte wie Misurata. Aufständische, die Nato und Hilfsorganisationen haben noch keinen Weg gefunden, den Opfern dort ausreichend zu helfen.

Mit dramatischen Hilferufen fordern die Aufständischen in Libyen eine Befreiung der Menschen aus der belagerten und heftig umkämpften Stadt Misurata. Seit mehr als 40 Tagen seien die Einwohner von Truppen Muammar al-Gaddafis eingeschlossen, ohne medizinische Versorgung oder Wasser und Strom, sagt der Militärchef der Rebellen und frühere Innenminister Abdulfattah Junis. Zu ihrer Verteidigung haben sie nur leichte Waffen.

Ein von den Rebellen auf den Weg nach Misurata gebrachtes Boot wurde von der türkischen Marine, die das Waffenembargo vor der Küste überwacht, abgefangen und zurückgeschickt. “Misurata droht die Vernichtung“, warnt Junis. Iman Bugaighis, eine Sprecherin des Übergangsrates des Aufständischen, sagt: “Was in Misurata passiert, ist eine Katastrophe.“

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Eine Kampfpause soll den Menschen die Gelegenheit zur Flucht geben. Bisher ist eine Rettung Verletzter nur auf dem Seeweg möglich. Ein türkisches Schiff hatte vor einigen Tagen den Hafen angelaufen und etwa 230 Schwerverletzte aus der Enklave herausgeholt. Verstümmelte und traumatisierte Opfer des Krieges lagen auf den im Bauch des Schiffes provisorisch errichteten Krankenbetten.

Die Rebellen sprechen von mehr als 400 Toten und mehr als 1000 Verletzten in Misurata. Die Stadt wird immer wieder aus Panzern beschossen. Heckenschützen seien unterwegs. Die Aufständischen fordern, dass die Nato Helfern den Zugang zur Stadt freibombt und den Zugang auf dem Seeweg freigibt. Offiziere aus den Reihen der Aufständischen räumen aber ein, dass Luftangriffe auf die in bewohnten Gebieten untergeschlüpften Gaddafi-Truppen risikoreich sind.

Libyen: Kämpfe zwischen Rebellen und Gaddafi-Truppen

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Wo immer sich die Gelegenheit gibt, flüchtet die Zivilbevölkerung aus umkämpften Gebieten. Viele Familien sind in den vergangenen Wochen mehrfach zwischen ihren Heimatorten und den von den Aufständischen kontrollierten Städten im Osten hin und her gefahren. Ein Wechselbad aus Furcht und Hoffnung, immer verbunden mit der Angst, das eigene Haus oder Geschäfte könnten geplündert werden.

Doch die Zerstörungen sind bisher punktuell. Am Rande von nun weitgehend menschenleeren Städte wie Adschdabija sind Häuser von Granaten getroffen, Dächer eingestürzt und die Wände von Schüssen übersät. Die Straßen wirken wie in einer Geisterstadt. Doch die meisten Gebäude sind weitgehend unversehrt und können sofort wieder bewohnt werden. Libyen braucht bisher kein großen Aufbauprogramm mit ausländischem Geld und Helfern. Nötig scheint aber eine schnelle und militärisch durchgesetzte Nothilfe an Krisenherden wie Misurata.

Militärschlag gegen Libyen: Die Bilder

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In Bengasi hat der Übergangsrat in Schulen und Wohnanlagen einige Flüchtlingsunterkünfte eingerichtet, in denen aber - gemessen an der Gesamtzahl - nur wenige Familien leben. Das Flüchtlingsschicksal trifft Afrikaner und Araber, die in Libyen als Arbeiter waren. Doch die meisten geflüchteten Libyer sind bei Familien untergeschlüpft. Oder sie wohnen bei Freiwilligen, die sich am Ortseingang von Bengasi mit Schildern als Gastgeber anbieten. Eine Vermittlungsstelle in einem Zelt leitet Flüchtlinge weiter. Die Libyer können sich bisher ganz gut selber helfen.

Abeid al-Suwei (70) ist mit seiner 12-köpfigen Familie von Adschdabija erst in die östlich gelegene Stadt al-Baida geflüchtet. Nach den Siegesmeldungen der Rebellen kehrt er zurück, nur um dann in einer Nacht vor einigen Tagen in Panik und mit wenig mehr als der Kleidung am Leib nach Bengasi zu fahren. Nur drei Familien sind in der Flüchtlingsunterkunft im Westen von Bengasi. In einem Zimmer sind Decken ausgelegt. “Wir haben noch alles abgeschlossen. Hoffentlich wird nichts zerstört.“, sagt er. “Nun bleibe ich hier, bis es vorbei ist.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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