Experten sprechen Klartext

Helfen Aprikosenkernen wirklich gegen Krebs? Experten haben einen klaren Standpunkt

Die Aprikose: lecker süß und richtig gesund. Im Internet bieten Händler die Kerne als Mittel gegen Krebs an. Doch ist an diesem Versprechen etwas dran?
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Die Aprikose: lecker süß und richtig gesund. Im Internet bieten Händler die Kerne als Mittel gegen Krebs an. Doch ist an diesem Versprechen etwas dran?

Im Internet bieten zahlreiche Händler Aprikosenkerne zum Verkauf an. Der Grund: Sie sollen gegen Krebs helfen. Experten sprechen nun deutliche Worte.

  • Aprikosenkerne sollen angeblich gegen Krebs helfen.
  • Im Internet bieten viele Händler Aprikosenkerne als vermeintliches Wundermittel an.
  • Experten äußern sich zu dem Mythos.

Kassel – Sie ist sonnengelb bis orange, ihre Haut ist weich und samtig und im besten Fall schmeckt sie richtig sommerlich-fruchtig: die Aprikose. Aber sie schmeckt nicht nur lecker, durch den hohen Gehalt von Vitamin C ist die Frucht auch sehr gesund.

Zudem sind Aprikosen reich an Beta-Carotin, das die Sehkraft stärken und für eine weiche Haut sorgen soll. Beta-Carotin schützt die Haut zusätzlich vor UV-Strahlen.

Aprikosenkerne helfen gegen Krebs? Ein gefährlicher Mythos

Im Internet bieten unzählige Shops und Webseiten zudem die Samen der Steinfrucht, die Aprikosenkerne, an. Die Kerne werden dort nicht nur als Snack angeboten, sondern auch als Mittel gegen die Volkskrankheit Krebs verkauft. Ist an diesem Versprechen etwas dran oder handelt es sich nur um einen Mythos?

Aprikosenkerne enthalten Amygdalin. Amygdalin ist ein Glykosid, aus dem sich durch Spaltung Blausäure bilden kann. Dies geschieht zum Beispiel während der Verdauung. Es kommt in natürlicher Form auch in den Kernen des Pfirsichs oder der Pflaumen vor. Zudem weisen rohe Bittermandeln eine hohe Konzentration auf. Hinter dem Glauben, dass Aprikosenkerne Krebs heilen können, steckt die Annahme, dass die entstehende Blausäure Krebszellen bevorzugt schädige.

Aprikosenkerne als Wundermittel gegen Krebs? Experten raten vom Verzehr ab

Wissenschaftler raten jedoch von dem Verzehr ab. Bis heute gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Aprikosenkerne tatsächlich eine krebsheilende oder -vorbeugende Wirkung haben. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt zu den Krebs-Versprechen einiger Anbieter: „Diese Aussage ist irreführend, weil die Wirkung wissenschaftlich nicht nachgewiesen ist. Mittel, die zur Behandlung von Krebs eingesetzt werden, müssen ein Zulassungsverfahren als Arzneimittel durchlaufen.“

Vor drei Jahren hat die EU einen Höchstgehalt für Blausäure in Aprikosenkernen, die an Endverbraucher verkauft werden, festgelegt. Trotz dieser Richtlinie werden weiterhin viele Kerne mit deutlich höherem Blausäuregehalt in Umlauf gebracht. Allein im Jahr 2019 wurden elf solcher Fälle über das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF) gemeldet.

Krebs-Mythos Aprikosenkerne: Händler arbeiten mit Tricks

„Besonders brisant ist hierbei, dass einige Händler die für den menschlichen Verzehr nicht geeigneten Aprikosenkerne im Onlinehandel als Saatgut deklarieren und damit versuchen, die lebensmittelrechtlichen Vorschriften zu umgehen. In einem konkreten Fall wurde dabei eine bis zu 90-fache Überschreitung des zulässigen Blausäurehöchstgehaltes festgestellt“, heißt es vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Viele Händler im Internet sind sich diesem Umstand bewusst und weisen im Kleingedruckten auf die Situation hin. So heißt es zum Beispiel im unteren Bereich der Webseite eines Anbieters: „Aus rechtlichen Gründen weisen wir Sie daraufhin, dass die bitteren Aprikosenkerne ein Weiterverarbeitungsprodukt und keinesfalls für den rohen Verzehr bestimmt sind.“ Und weiter: „Aus diesem Grund sind sie für den direkten menschlichen Konsum nicht geeignet, sondern dienen ausschließlich der industriellen Lebensmittelverarbeitung.“

Krebs: Durch Blausäure der Aprikosenkerne drohen schweren Vergiftungen

Aprikosenkerne sind jedoch nicht nur unwirksam gegen Krebserkrankungen, der Verzehr kann für Menschen auch gravierende Folgen haben. So kann die im Körper entstehende Blausäure zu schweren akuten Vergiftungen mit Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Atemnot führen. In hohen Dosen kann sogar der Tod durch eine Atemlähmung eintreten.

„Schon beim Verzehr weniger bitterer Aprikosen- oder Mandelkerne kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen“, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung ausdrücklich. Erwachsene sollten nicht mehr als zwei bittere Aprikosenkerne pro Tag zu sich nehmen – vorsorglich ist ein gänzlicher Verzicht aber am besten.

Wer seine Haare häufig färbt, soll schneller an Krebs erkranken. Studien warnten immer wieder vor der erhöhten Gefahr. Forscher haben neue Erkenntnisse gesammelt. (Tim Vincent Dicke)

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