Kannibale Jan O.: Kontakt zur rechten Szene

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Ein Justizbeamter nimmt am dem Angeklagte Jan O. beim Prozessauftakt im Landgericht in Göttingen die Handschellen ab

Göttingen - Der mutmaßliche Doppelmörder von Bodenfelde hatte offenbar Kontakt zur rechten Szene und einen Hang zu Horrorfilmen. Ein Sozialarbeiter berichtet vor Gericht über gruselige Details.

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Das sagte Eberhard Ruß, der Leiter der Therapieeinrichtung, in der Jan O. etwa ein Jahr untergebracht war, am Mittwoch vor dem Landgericht Göttingen. Ruß beschrieb den 26-Jährigen zudem als “aggressiv“. Gewalttätig sei er nie geworden, aber er habe eine starke “verbalaggressive Tendenz“ gezeigt. Immer wieder sei er ausgerastet. “Oft auch, weil er sich gekränkt gefühlt hat“, so Ruß. Jan O. soll im November vergangenen Jahres im niedersächsischen Bodenfelde die 14-jährige Nina erstochen und den 13-jährigen Tobias erwürgt haben. Vor Gericht war bereits das 19 Seiten umfassende schriftliche Geständnis verlesen worden. Darin schildert der Angeklagte grausame Details seiner Verbrechen und räumt kannibalistische Handlungen ein.

Ruß hatte den Angeklagten am Tag nach der zweiten Tat zufällig getroffen. Er habe dabei den Eindruck gehabt, dass Jan O. Not habe und Hilfe suche. “Ich habe ihn erlebt, als jemanden der unter Druck stand“, sagte Ruß. Erst einen Tag später habe er selber einen Zusammenhang zwischen Jan O. und den Taten hergestellt. “Da hatte ich so ein komisches Bauchgefühl.“

Jan O. verstieß mehrfach gegen seine Bewährungsauflagen

Auch zwischen den beiden Taten hatte Ruß den 26-Jährigen auf der Straße getroffen. Nach Angaben des Sozialarbeiters habe Jan O. ihm dabei kurz zugerufen: “Bin noch frei. Bis jetzt haben sie mich noch nicht.“ Zu dem Zeitpunkt lagen die Leichen der Jugendlichen noch unentdeckt in einem Waldstück.

Jan O. soll außerdem über mehrere Monate hinweg gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen haben. Immer wieder habe er seit Mai 2010 medizinische Termine oder Treffen versäumt, sagte seine Bewährungshelferin am Mittwoch vor dem Landgericht Göttingen. Kurz vor den Taten im November drohte ihm deswegen die Haft. Ein Anhörungstermin sollte aber erst am 25. November, fünf Tage nach der zweiten Tat, stattfinden.

Unter Bewährung stand er wegen mehrerer Diebstähle. Dabei wurde ihm auch auferlegt, keinen Alkohol zu trinken. Dagegen verstieß Jan O. jedoch mehrfach. Nachdem der 26-Jährige schließlich Anfang November erneut straffällig geworden war, regte seine Bewährungshelferin ein härteres Vorgehen an. “Ich hatte die Befürchtung, dass weitere Straftaten passieren könnten“, sagte sie. Die Staatsanwaltschaft lehnte die Inhaftierung von Jan O. aber zunächst ab.

Das Urteil wird in dem Prozess voraussichtlich am 25. Mai gesprochen.

dapd

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