Gedenkveranstaltung am Dienstag

Ein Jahr nach NSU-Aus: Proteste gegen Rechts

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Mit einem Marsch gedachten etwa 1000 Menschen den Opfern der NSU-Terrorzelle.

Leipzig/Jena - Ein Jahr nach Bekanntwerden der Mordserie des NSU haben tausende Menschen in Deutschland an die Opfer erinnert und eine lückenlose Aufklärung der Ermittlungspannen bei den Sicherheitsbehörden gefordert.

Allein in Berlin versammelten sich nach Veranstalterangaben rund 2.000 Teilnehmer zu einem Demonstrationszug. Kundgebungen gab es auch in weiteren Städten, wie in Magdeburg, Leipzig, Jena, Bochum und Nürnberg.

Mit dem bundesweiten Aktionstag sollte an die Opfer der Anschläge der Zwickauer Terrorzelle NSU erinnert werden. Das Trio soll in Deutschland neun türkisch- und griechischstämmige Kleinunternehmer und eine Polizistin getötet haben. Die Zelle war vor einem Jahr nach einem Banküberfall im thüringischen Eisenach aufgeflogen.

Unter dem Motto „Ein Jahr nach Bekanntwerden der NSU-Morde - Schluss mit der Vertuschung“ zogen in Berlin am Sonntag rund 2.000 Menschen friedlich durch die Innenstadt. Ein Berliner Bündnis gegen Rassismus hatte zu dem Protestzug aufgerufen, der vom Kreuzberger Oranienplatz über das Schlesische Tor zum Berliner Sitz des Bundeskriminalamtes am Treptower Park führte.

„Der Verfassungsschutz hat jahrelang verhindert, dass die Morde lückenlos aufgeklärt werden“, sagte Deniz Yilmaz vom Bündnis gegen Rassismus, das zu der Demonstration in der Hauptstadt aufgerufen hatte, auf einer Kundgebung.

„Es ist der Rassismus, der ständig neue Täter erzeugt.“

Neben dem Protest gegen den Verfassungsschutz stand der Aufruf zu mehr Toleranz im Mittelpunkt der Berliner Demonstration. Das dringende Problem sei nicht nur der Rechtsextremismus, sondern auch der Rassismus in der Mitte der Gesellschaft, sagte Yilmaz. „Es ist der Rassismus, der ständig neue Täter erzeugt“, betonte er.

In Magdeburg demonstrierten rund 120 Menschen gegen Rechtsextremismus und Gewalt. Aufgerufen zu der Aktion hatten linke Bündnisse und Parteien. Auf Transparenten hieß es unter anderem: „Augen auf gegen rechte Gewalt“ und „Nazibande - Deutschlands Schande“. Teilnehmer legten Zettel mit den Namen der Opfer auf die Straße.

Über 1.000 Menschen hatten laut Polizei bereits am Samstag in der Hamburger Innenstadt an die Mordopfer der NSU erinnert. Zuvor hatten Hamburgs Innenbehörde und Polizei versucht, den Demonstranten das Vorbeiziehen am Sitz der Innenbehörde am Johanniswall zu verbieten. Die Beamten fürchteten Ausschreitungen aus dem linksextremistischen Umfeld. Doch das Hamburgische Oberverwaltungsgericht erlaubte die Route in einem Eilverfahren am Samstag nach einer Klage des „Hamburger Bündnisses gegen Rechts“.

Bereits am Freitag hatten mehrere Migrantenorganisationen dem Hamburger NSU-Mordopfer Süleyman Tasköprü gedacht. Sie legten am Tatort im Stadtteil Bahrenfeld Blumen nieder. Tasköprü war Gemüsehändler. Vertreter der Organisationen kritisierten dabei, dass das Vertrauen in die deutschen Sicherheitsbehörden auch ein Jahr nach Auffliegen des Terror-Trios weiter tief erschüttert sei.

dapd

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