Unterschiedliche Regelungen

Hundeführerschein und Sachkundenachweis: Was in welchem Bundesland gilt

Hundeführerschein und Sachkundenachweis sind wichtige Kriterien für die Haltung von Hunden. In jedem Bundesland gelten allerdings andere Regeln.

Baden-Württemberg will einen sogenannten Hundeführerschein für Hundebesitzer zur Pflicht machen. In einem anderen Bundesland gilt er schon, wieder andere haben Vorgaben zu einem Sachkundenachweis. Für Hundebesitzer oder solche, die es werden wollen, ist es gar nicht so einfach, nachzuvollziehen, was sie nun mit ihrem Vierbeiner beachten müssen. echo24.de* gibt einen Überblick über die Regeln.

Grundsätzlich gibt es keine bundeseinheitlichen Regeln zur Haltung eines Hundes. Die Vorgaben sind in den jeweiligen „Hundegesetzen“ der einzelnen Länder festgehalten. Hundeführerschein und Sachkundenachweis werden oft gleichgesetzt. Eine klare Abgrenzung ist tatsächlich nicht einfach - es handelt sich dennoch nicht um dieselben Dinge.

Hundeführerschein und Sachkundenachweis: Was in den Bundesländern gilt

Der Hundeführerschein, der beispielsweise von PETA auch wegen Beißattacken schon länger gefordert* wird, wird von Vereinen oder Verbänden abgenommen. Er besteht in aller Regel aus eine theoretischen und einer praktischen Prüfung. Ein Sachkundenachweis, der in einigen Bundesländern gefordert wird, ist in der Regel eine behördliche Prüfung. Allerdings gibt es teilweise Absprachen, dass der Hundeführerschein von Behörden anerkannt wird.

Wer einen Hund besitzt oder vor allem über die Anschaffung eines Vierbeiners nachdenkt, sollte sich in jedem Fall gründlich über die Regelungen im jeweiligen Bundesland informieren. Davon hängt ab, ob überhaupt ein Nachweis und wenn ja welcher erforderlich ist.

Hundeführerschein: Prüfung besteht beim VDH aus drei Teilen

„Hundehalter sind für ihr Tier und sein Verhalten verantwortlich. Deshalb ist es wichtig, dass sie für diese Rolle ausreichend ausgebildet sind. Das wichtigste Ziel des VDH-Hundeführerscheins ist das rücksichtsvolle Auftreten von Hund und Halter in der Öffentlichkeit“, erläutert beispielsweise der Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) auf seiner Homepage.

Die Prüfung zum Hundeführerschein des VDH beinhaltet deshalb drei Teile:

  • Sachkunde des Hundehalters
  • Gehorsam des Hundes
  • Sozialverträglichkeit des Hundes

Hundeführerschein und Sachkundenachweis: Rechtzeitig über Regelungen informieren

Auch wenn die Prüfung im Umgang mit dem Hund* sicherlich immer sinnvoll ist - nicht automatisch wird sie auch in jedem Bundesland als ausreichend anerkannt. Wer sich frühzeitig informiert, spart also in jedem Fall Geld und Nerven.

Weil man angesichts der unterschiedlichen Vorgaben allerdings schnell den Überblick verlieren kann, gibt es hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Regeln in Sachen Hundeführerschein und Sachkundenachweis:

  • Baden-Württemberg
  • Hundeführerschein: Baden-Württemberg plant die Einführung eines Hundeführerscheins*. Noch ist allerdings nicht klar, wie genau dieser aussehen soll.
  • Wesenstest: Bei sogenannten „Listenhunden“ ist in Baden-Württemberg nur dann ein Wesenstest erforderlich, wenn sie von der generellen Anlein - beziehungsweise der Maulkorbpflicht befreit werden sollen.
  • Bayern
  • Hundeführerschein: Auch in Bayern ist bislang niemand gesetzlich dazu verpflichtet, einen Hundeführerschein zu besitzen. Es kann allerdings Vorteile haben. Wer einen Hund, der nicht zu einer aggressiven Rasse gehört besitzt, und den Führerschein freiwillig ablegt und besteht, dem wird die Hundesteuer für ein ganzes Jahr erlassen.
  • Wesenstest: Auch hier gibt es aber eine Auflage für Hunde, die zu einer aggressiven Rasse zählen. Trotz bestandenem Test wird die Leinenpflicht aber nicht aufgehoben.
  • Berlin
  • Hundeführerschein: In Berlin ist ein Hundeführerschein nicht Pflicht. Allerdings befreit ein erfolgreiches Bestehen der Prüfung von der Leinenpflicht im Stadtgebiet.
  • Wesenstest/Sachkundenachweis: Anders sieht das bei „gefährlichen Hunden“ aus. Für deren Haltung ist ein Wesenstest oder Sachkundenachweis zwingend erforderlich. Selbst dann gilt die Leinenpflicht aber uneingeschränkt.
  • Brandenburg
  • Hundeführerschein: Brandenburg hat keine grundsätzliche Hundeführerschein-Pflicht. Allerdings haben manche Gemeinden gewisse Lockangebote. So gibt es zum Beispiel Steuererleichterungen, wenn man die Prüfung erfolgreich absolviert.
  • Sachkundenachweis: Für das Halten von sogenannten „Listenhunden“ ist wie in Berlin auch der Sachkundenachweis obligatorisch.
  • Bremen
  • Hundeführerschein: Auch in Bremen ist das Ablegen eines Hundeführerscheins freiwillig. Es gibt darüber hinaus keine allgemeine Leinenpflicht. Allerdings: Werden Hund oder Halter auffällig, muss die Prüfung doch absolviert werden. Bei Nichteinhaltung der Fristen wird erst zur Kasse gebeten, danach drohen Halter, ihren Vierbeiner sogar zu verlieren.
  • Hamburg
  • Hundeführerschein: Mit dem Erwerb eines Hundeführerscheins kann man in Hamburg die gesetzliche Anleinpflicht umgehen - verpflichtend ist das aber nicht.
  • Sachkundenachweis: Wie in anderen Bundesländern auch, brauchen Halter und Listenhund einen Sachkundenachweis.
  • Hessen
  • Hundeführerschein: Auch in Hessen ist die Prüfung freiwillig.
  • Sachkundenachweis. Einzige Ausnahme: Personen, die einen Listenhund haben oder deren Vierbeiner bereits auffällig geworden ist, brauchen einen Sachkundenachweis. Das kann ein Hundeführerschein sein - manchmal reicht auch ein Wesenstest.
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Hundeführerschein: Wie in Bremen auch gibt es in Mecklenburg-Vorpommern keine allgemeine Leinenpflicht. Der Hundeführerschein ist darüber hinaus freiwillig.
  • Sachkundenachweis: Allerdings benötigt man zur Haltung gefährlicher Hunde eine behördliche Erlaubnis. Außerdem muss man in einer Prüfung beweisen, dass man seinen Hund unter Kontrolle hat.
  • Niedersachsen
  • Hundeführerschein: Niedersachsen hat strenge Regelungen für Hundefreunde. Noch vor Anschaffung eines Hundes ist der Hundeführerschein für alle verpflichtend. Dabei wird zunächst der theoretische Teil abgelegt. Der praktische muss innerhalb eines Jahres nach Erhalt des Vierbeiners folgen. Nur wer mindestens 15 Jahre Erfahrung im Umgang mit Hunden vorweisen kann, ist von dieser Vorgabe ausgenommen.
  • Nordrhein-Westfalen
  • Hundeführerschein: Nordrhein-Westfalen hat bislang keine Führerschein-Pflicht für Hundebesitzer.
  • Sachkundenachweis: Listenhunde, Hunde schwerer als 20 Kilogramm oder größer als 40 Zentimeter Schulterhöhe brauchen einen Sachkundenachweis. Teilweise reicht auch ein Fachgespräch mit dem Amtstierarzt.
  • Rheinland-Pfalz
  • Hundeführerschein: Auch in Rheinland-Pfalz gibt es bisher keine Pflicht zum Ablegen eines Hundeführerscheins.
  • Sachkundenachweis: Auch hier benötigen Halter eines Listenhundes aber einen Sachkundenachweis.
  • Saarland
  • Hundeführerschein: Im Saarland brauchen Hundebesitzer nicht zwingend einen Hundeführerschein. Er kann allerdings für Listenhunde notwendig werden.
  • Sachkundenachweis: Für deren Haltung benötigt man in jedem Fall einen Sachkundenachweis. Allerdings ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich, wie dieser aussehen darf. Teilweise genügt ein Wesenstest.
  • Sachsen
  • Hundeführerschein: Es muss kein Hundeführerschein abgelegt werden. Auch eine allgemeine Leinenpflicht gibt es nicht.
  • Sachkundenachweis: Halter von Listenhunden benötigen aber wie in den meisten Bundesländern einen Nachweis der Sachkunde. Hierfür ist auch der abgelegte Hundeführerschein gültig.
  • Sachsen-Anhalt
  • Hundeführerschein: Normalerweise braucht man als Hundehalter auch in Sachsen-Anhalt keinen Hundeführerschein. Es gibt aber eine Ausnahme - dann kann er als Sachkundenachweis dienen.
  • Sachkundenachweis: Wer einen gefährlichen Hund hält, legt möglicherweise einen Hundeführerschein ab, um mit ihm die Sachkunde nachzuweisen. Zusätzlich ist ein Wesenstest nötig.
  • Schleswig-Holstein
  • Hundeführerschein: Es gibt in Schleswig-Holstein keine Pflicht zum Besitz eines Hundeführerscheins.
  • Sachkundenachweis: Wie auch in Sachsen-Anhalt benötigen Besitzer eines Listenhundes einen Sachkundenachweis, der auch durch den Hundeführerschein erbracht werden kann.
  • Thüringen
  • Hundeführerschein: Auch in Thüringen gilt bislang keine Hundeführerschein-Pflicht.
  • Sachkundenachweis: Besitzer, deren Hunde auffällig geworden sind, müssen sich mit ihrem Vierbeiner einem Test unterziehen. Auch hier kann der Hundeführerschein dazu dienen.

Hundeführerschein: Nichtbestehen zieht keine harten Konsequenzen nach sich

Wichtig ist in jedem Fall zu prüfen, wo der Hundeführerschein abgelegt werden darf, damit er als Nachweis gilt. Denn nicht jeder Verein ist auch behördlich anerkannt.

Übrigens: Sorgen machen, dass ein Nichtbestehen des Hundeführerscheins* negative Konsequenzen hat, muss man sich erst einmal nicht. Die Regeln in Niedersachsen, dem Bundesland das als Vorreiter gilt, sind da eher locker ausgelegt. Die Prüfung darf beliebig oft wiederholt werden. Nur die Kosten dafür trägt der Prüfling jedes Mal selbst. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Robert Günther/dpa

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