Hochwasser: Keine Entwarnung

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Wohnhäuser von Görlitz stehen am Sonntag (08.08.2010) im Neiße-Hochwasser.

Dresden - Das verheerende Hochwasser bahnt sich seinen Weg von Sachsen in Richtung Brandenburg. In Bad Muskau müssen die Menschen weiter vor dem Höhepunkt der Welle zittern, anderswo gehen die Pegelstände langsam zurück.

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Bad Muskau wartet weiter auf den Scheitelpunkt des Neiße-Hochwassers. Die Welle habe sich deutlich langsamer bewegt als gedacht, sagte Gerlind Walter vom Katastrophenschutzstab des Kreises Görlitz. Erst irgendwann in der Nacht zum Montag sollte das Wasser den Höchststand erreichen, der anfangs schon für den späten Sonntagnachmittag erwartet worden war. In den anderen vom Hochwasser betroffenen Regionen Sachsens konnten die Menschen dagegen wieder vorsichtig aufatmen. Nach Angaben des Landeshochwasserzentrums gingen die Pegelstände in den schwer getroffenen Städten wie Görlitz oder Zittau in der Nacht weiter langsam zurück. Schon am Abend hatte Bad Muskau stellenweise “Land unter“ gemeldet. Der Versuch, eine Bundesstraße mit Sandsäcken zu schützen, wurde abgebrochen. Dass die befürchtete Welle sich verzögert habe, sei nicht als Entwarnung zu sehen, stellte Walter klar. “Das Wasser ist ja immer noch da.“ Auf etwa 6,50 Meter könne die Neiße in der Stadt anschwellen. Normal sei etwa ein Meter. Man hoffe aber, den Marktplatz und das Schloss weitgehend schützen zu können.

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“Alles, was möglich war, wurde gemacht“, sagte sie. Nun könnten die Helfer nur noch abwarten. Das Unesco-Welterbe Fürst-Pückler-Park werde wohl trotz allem überflutet werden. Die Neiße war in der Nacht zum Sonntag nach einem Dammbruch in Polen rasend schnell angestiegen, der Pegel in Görlitz binnen drei Stunden um vier Meter geklettert. In der Sächsischen Schweiz waren kleinere Flüsse aus den Bergen über die Ufer getreten, es gab massive Überschwemmungen in einzelnen Orten. Der daraufhin ausgelöste Katastrophenalarm wurde inzwischen nach und nach wieder aufgehoben, bestand in einigen Regionen aber auch in der Nacht zum Montag noch.

Die reißenden Fluten hinterließen erhebliche Zerstörungen, das Ausmaß der Schäden ist noch unbekannt. Teilweise fielen Strom und Wasser aus, der Schulunterricht in den betroffenen Gegenden wurde abgesagt. Bahnstrecken wurden unterbrochen, sollten teilweise am Montagmorgen aber wieder befahren werden. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) kündigte für Montag einen Besuch in Bautzen an, wo er sich ein Bild von der Lage machen will. Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich, Innenminister Markus Ulbig und Umweltminister Frank Kupfer (alle CDU) waren schon am Sonntag in die betroffenen Regionen gefahren, um sich persönlich zu informieren. Der Freistaat Sachsen und das Rote Kreuz richteten Spendenkonten ein. Brandenburg bereitet sich derweil auf die Ankunft der Welle aus Sachsen vor, die Behörden rechneten aber noch mit einer ruhigen Nacht. Das Landesumweltamt schloss nicht aus, dass für die Spree oberhalb der Talsperre Spremberg schon im Tagesverlauf die höchste Alarmstufe 4 ausgerufen werden muss. Dasselbe gilt für das Hochwasser an der Neiße am Pegel Klein Bademeusel an der Grenze zu Sachsen.

dpa

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