45 Prozent bislang ohne Piks

Trotz steigender Inzidenz – Viele Südtiroler gegen die Corona-Impfung

Dass Südtirol im italienischen Vergleich Schlusslicht ist, kommt seltener vor. In Sachen Impfen ist es jedoch genau so. Das sind die Gründe.

Südtirol – Normalerweise ist die autonome Provinz Bozen – Südtirol in vielen Bereichen anderen Regionen Italiens voraus. Beim Thema Corona-Impfung ist das nicht der Fall: „Die Impfbereitschaft der Bevölkerung ist teilweise noch zu gering“, sagt Arno Kompatscher, Landeshauptmann von Südtirol gegenüber der Tagesschau. In der Impfquote schneidet Südtirol im italienischen Vergleich deutlich schlechter ab. 45 Prozent aller Menschen in Südtirol haben noch keine Impfung gegen Corona bekommen. Das dürfte auch daran liegen, das viele schlichtweg nicht wollen. Ähnlich schlecht stehe es um die süditalienischen Regionen Sizilien und Kalabrien.

Unterdessen steigt die Sieben-Tage-Inzidenz in Südtirol weiter. Die Zahl der Neuinfektionen im Zusammenhang mit Covid-19 pro 100.000 Personen binnen sieben Tage liegt am Donnerstag, 29. Juli bei 34.

ProvinzAutonome Provinz Bozen – Südtirol
LandItalien
Fläche7.400 km²
Einwohner520.891

Die Organisation des Impfangebotes in Südtirol sei laut dem Tagesschau-Bericht nicht das Problem. Viele Menschen seien nicht dazu bereit, sich impfen zu lassen. Der Großteil der Impfgegnerinnen und Impfgegner in Südtirol sei deutschsprachig. Die Diskussion um das Impfen werde laut Arno Kompatscher in Deutschland viel intensiver geführt als in Italien. Da viele Südtiroler deutschsprachige Medien konsumieren, sehen sich viele mehr mit dem Thema Impfen konfrontiert als möglicherweise Menschen in anderen italienischen Regionen.

Corona-Inzidenz in Südtirol steigt – Italiens Impfgegner mit Querdenker-Parallele

Bei Kundgebungen gegen die Corona-Maßnahmen waren in keiner anderen italienischen Stadt so viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort wie in Südtirol. Die vorgebrachten Argumente würden sich von denen der Querdenker zwar unterscheiden, dennoch sind ihre Ziele in Bezug auf das Virus gleich: gegen die Corona-Maßnahmen und gegen das Impfen.

Viele Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen lehnen den sogenannten „Green Pass“ ab.

Steht Europa vor einer dramatischen Spaltung?

Die italienische Tageszeitung „Corriere della Sera“ schrieb über die Kundgebungen der Impfverweigerer: „Die Gelben Westen sind zurückgekehrt, und nicht nur in Frankreich. Die Rufe nach ,Freiheit, Freiheit‘ waren in Paris, aber auch in Neapel, Rom, Turin zu hören. In Europa scheint sich eine dramatische gesellschaftliche Spaltung zu reproduzieren. Die Demonstranten fordern die „Freiheit“, sich nicht impfen zu lassen, während sie anderen mit ihrer Ablehnung die Freiheit eines beinahe normalen Lebens verweigern. Zwei Welten, die fortlaufend auseinanderdriften.“

Viele Bürger nehmen an Anti-Corona-Proteste in Italien teil, unter anderem in Südtirol.

Ab dem 6. August ist unter anderem für Restaurantbesuche im Innenbereich, in Museen, Fitnessstudios und Schwimmbädern mindestens ein einfacher Impfnachweis, ein negativer Corona-Test oder ein Genesungsnachweis notwendig. Italienerinnen und Italiener benötigen dafür den sogenannten „Green Pass“. Dies gab der italienische Ministerrat vergangene Woche bekannt. Für Lehrerinnen und Lehrer in Italien könnte bald eine Impfpflicht gelten. Der Notstand wurde einer Mitteilung zufolge bis zum 31. Dezember verlängert. Dagegen protestieren nun auch viele Südtirolerinnen und Südtiroler.

Südtirol setzt gegen das Coronavirus auf Impfbusse

Trotz des großen Widerstandes gegen das Impfen und gegen die Corona-Maßnahmen, versucht Südtirol die Menschen zu erreichen. Dafür würden seit einigen Wochen Impfbusse durch die Region fahren. Als Zielgruppe habe man dabei jedoch nicht die „Hardcore-Verweigerer“, verrät der Organisator der Impfkampagne in Südtirol, Patrick Franzoni gegenüber der Tagesschau. Viel mehr würde man die Zögerer und Bequemen so versuchen zum Impfen zu überzeugen.

In Südtirol sind viele Impfgegner deutschsprachig.

In Italien, einem Land mit rund 60 Millionen Einwohnern, ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen zuletzt wieder gestiegen. Experten zufolge wurden vor allem bei jungen Menschen mehr Ansteckungen registriert. „Die Delta-Variante ist bedrohlich, weil sie sich schnell ausbreitet“, sagte Ministerpräsident Mario Draghi bei einer Pressekonferenz. Gesundheitsminister Roberto Speranza betonte, dass sich die Menschen impfen lassen sollten. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Mauro Scrobogna

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