Seit 1852 verschollen

Auf der Suche nach der versunkenen Lok: Sensationelle Bergungsaktion nach 166 Jahren

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Seit Anfang September ist eine Plattform im Rhein verankert, auf der ein Spezialbagger stehen kann.

Seit 166 Jahren liegt die Lok „Der Rhein“ versunken und begraben im gleichnamigen Fluss. In einer spektakulären Bergungsaktion soll die Dampflok nun wieder an die Oberfläche geholt werden.

Germersheim - Viele haben es versucht – alle sind sie dabei gescheitert: Die Rede ist von der Bergung der ältesten Dampflokomotive Deutschlands. Am 14. Februar 1852 soll der Eisengigant "Der Rhein" von der Maschinenfabrik Emil Kessler von Maxau nach Düsseldorf-Elberfelder ausgeliefert werden. Doch dort kommt die Dampflok nie an.

Der Lastensegler, der die Dampflok transportiert, gerät in ein Unwetter. Vor den Augen vieler Zuschauern am Ufer stürzt die 20 Tonnen schwere Lok in den Rhein und versinkt sofort. Es werden mehrere Bergungsversuche unternommen – ob mit 400 Helfern oder extra dafür engagierten englischen Tauchern. Sie alle schlagen fehl und die Lok gerät in Vergessenheit. Im 20. Jahrhundert weiß niemand mehr, wo die Lok verborgen liegt – denn der Rhein wird Jahre nach dem Unglück auf Geheiß von Johann Gottfried Tulla, einem Karlsruher Wasserbauingenieur, begradigt. 

Eine „Schatzkarte“ gibt den entscheidenden Hinweis

Nur durch einen Zufall gelingt es Horst Müller, einem ehemaligen Lokführer, nach 25 Jahren den Lageort der Eisenbahn zu finden: Eines Tages fährt Müller zum Landesarchiv nach Speyer, in der Hoffnung dort Hinweise auf den genauen Ort des Unglücks zu finden. Er durchforstet die pfälzische Staatsakte und plötzlich entdeckt er den entscheidenden Hinweis: Dort sei von einer Kiesbank die Rede gewesen, erzählt er in einem Interview gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Horst Müller, Pensionierter Lokführer, sucht seit 25 Jahren nach der versunkenen Dampflok.

Er begutachtet nochmals die Karte und siehe da: Es gibt nur eine Kiesbank. Also weiß Müller genau, wo die Lok nun liegt. „Sie liegt vor einer naturgeschützten Rheininsel, die zu Germersheim gehört, gegenüber der Gemeinde Philippsburg-Rheinsheim“, erklärt Charlotte Bieger, Pressesprecherin des Projektbüros „Jäger der versunkenen Lok“, gegenüber HEIDELBERG24*.

Die Lok liegt vor einer naturgeschützten Rheininsel, die zu Germersheim gehört.

Die gesamte Bergung inklusive aller vorbereitenden Maßnahmen wird etwa sieben Wochen dauern. Am 21. Oktober soll zwischen 13 und 17 Uhr die tatsächliche Hebung der versunkenen Lok stattfinden. Die Bergungsarbeiten laufen bereits seit Anfang September, so Bieger weiter.

3.000 Tonnen Material bedecken die Lok

Anfang September wurde eine Plattform im Rhein verankert. Auf dieser steht der Spezialbagger, der die Aushubarbeiten vornimmt und die Spundwände in den Flussboden geschlagen hat. Dafür muss eine Spezialfirma 21 Meter lange Eisenbalken in den Boden rammen und anschließend die 30 Meter langen Wände errichten. Damit wird der Fundort vor der Strömung geschützt, damit die Kiesmassen nach dem Aushub nicht wieder zurückgespült werden. Es sollen rund 3.000 Tonnen Kies, Sand und Geröll die Lok bedecken. Mitte September sollen die Baggerarbeiten dann eine Tiefe von vier Metern erreicht haben. „Wir wissen noch nicht, was wir bei den Baggerarbeiten genau finden. Es besteht die Gefahr, dass große Steine, Bäume oder Ähnliches das Vordringen zur Lok erschweren, sagt Wolfhard Neu vom Bergungsunternehmen.

Mit riesigen Greifzangen schaufeln die Bagger den Weg bis zur Dampflok frei.

Ende September geht es dann an die Feinarbeit: Industrietaucher legen die Lok behutsam frei, um sie nicht zu beschädigen und werden so rund 2.000 Tonnen Material mit Saugern entfernen. Danach fängt der spektakuläre und spannendste Teil an.

Die Schaufel leert vier Tonnen Kies aus, die vom Grund des Rheins gehoben wurden. Daneben liegen die Steine von der bereits abgetragenen Buhne.

Ob es sich tatsächlich um die Lok „Der Rhein“ handelt, wird man erst wissen, wenn der erste Sichtkontakt da ist. „Aktuell basiert die Annahme, dass es sich tatsächlich um die Lok ‚Rhein‘ handelt, allein auf den Magnetresonanzbildern. Eine Überraschung beim Freilegen ist also noch möglich, sagt Tobias Bartenbach, Leiter des Projektbüros „Jäger der versunkenen Lok“.

Wenn es also die richtige Eisenbahn ist, die die „Jäger der versunkenen Lok“ entdeckt haben, wird entschieden, wie der massige Metallkörper unbeschädigt aus dem Fluss geholt werden kann. „Wir werden die Lok mit Gurten heben oder eine Palette darunter schieben. Dabei müssen wir beachten, dass die Lok nicht abrutschen und zurück in den Rhein fallen kann“, sagt Neu. Es bleibt also spannend in den nächsten Tagen bis zur Bergung der ältesten im Original erhaltenen Dampflok Deutschlands.

>>> Den neuesten Stand der Bergungsarbeiten findest Du auf der Facebook-Seite der „Jäger der versunkenen Lok“.

Wer finanziert die Bergung der Dampflok?

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, sollen für die Bergung Kosten in Höhe von etwa einer halben Million Euro anfallen. Diese sollen teilweise vom Mainzer Unternehmen Bartenbach, die auch das Projektbüro „Jäger der versunkenen Lok“ gegründet hat, und teilweise durch Sponsoren finanziert werden.

*HEIDELBERG24 ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

jab

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