Zehnstündiges Drama Frankfurt

Motiv nach Geiseldrama weiter unklar

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Rettungs- und Einsatzkräfte verlassen den Tatort in Frankfurt.

Frankfurt/Main -Nach dem Nervenkrieg bei einer Geiselnahme in Frankfurt sind noch viele Fragen offen. Der Mann hatte seine Ex-Freundin mit einer Waffe bedroht. Scharf war die Pistole nicht.

Ein gut zehnstündiges Geiseldrama in Frankfurt gibt den Ermittlern Rätsel über die Beweggründe des Täters auf. Der 25-Jährige hatte seine Ex-Freundin in seiner Gewalt gehalten, bis ein Spezialeinsatzkommando den Mann donnerstagfrüh überwältigen und dem Nervenkrieg ein glimpfliches Ende setzen konnte. „Das Grundmotiv des Mannes, in die Wohnung einzudringen, ist noch nicht einschätzbar“, sagte Polizeipräsident Achim Thiel.

„Es gibt eine Vorgeschichte zwischen den Personen“, ergänzte Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu. Einzelheiten nannte sie aber nicht. Der Geiselnehmer war ersten Ermittlungen zufolge am Mittwochnachmittag gegen den Willen seiner 18 Jahre alten Ex-Freundin in deren Wohnung im Stadtteil Sachsenhausen eingedrungen.

Der Täter bedrohte sein Opfer mehr als zehn Stunden mit einer Waffe. Allerdings war diese - anders als vorgetäuscht - keine scharfe Schusswaffe, sondern eine Soft-Air-Pistole. Er habe im Laufe der Geiselnahme einige Böller gezündet und diese als Schüsse ausgegeben, berichtete die Polizei.

Ein Spezialeinsatzkommando hatte den Mann am Donnerstag gegen 1.45 Uhr überwältigt und festgenommen. Täter und Opfer waren unverletzt. Die junge Frau stand aber unter Schock. Der 25-Jährige sollte noch am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Eine Geiselnahme wird laut Strafgesetzbuch mit Haft nicht unter fünf Jahren bestraft.

Bewaffneter Mann verschanzt sich mit Geisel

Bewaffneter Mann verschanzt sich mit Geisel

Die Mutter der Geisel hatte gegen 15.20 Uhr die Polizei verständigt und gesagt, sie komme nicht in die Wohnung, weil der Ex-Freund ihrer Tochter diese von innen barrikadiert habe, berichtete Einsatzleiter Michael Hallstein. Als Beamte in der Hochparterre-Wohnung in dem Mehrfamilienhaus eintrafen, hielt der Mann der 18-Jährigen eine Pistole an den Kopf und drohte durch einen Türspalt zu schießen. Die Polizei sei dann mit dem Täter in einen rund sieben Stunden langen Verhandlungsmarathon getreten. Der Mann habe vier Ultimaten gestellt und dabei auch gedroht, die junge Frau zu erschießen. Er gab an, neben einer scharfen Pistole Salzsäure und eine Armbrust bei sich zu haben.

Als ein schussähnliches Geräusch zu hören war, drangen die Polizisten gegen 23 Uhr in die Wohnung ein. Der Täter saß auf dem Bett seiner Geisel, das Opfer kniete vor ihm, die Waffe am Kopf. Daraufhin habe sich die Polizei in einen anderen Raum der Drei-Zimmer-Wohnung zurückgezogen und noch einmal fast drei Stunden mit ihm verhandelt. Als er sich gegen 1.45 Uhr an der halb geöffneten Zimmertür zeigte, griffen die Beamten zu.

„Es war kein roter Faden in den Forderungen“, sagte Hallstein über die Verhandlungen. „Er war phasenweise ruhig und entspannt, dann wieder hoch aggressiv und hat gedroht, dann wieder lethargisch.“ Die Polizisten hätten vor dem Eindringen in die Wohnung auch einige Male mit der Geisel sprechen können, die einen gefassten Eindruck auf sie gemacht habe.

Am Donnerstag hatte war zudem Frankfurter Gallusviertel ein Beziehungstreit eskaliert. Die Polizei nahm einen Mann fest, der sich mit einer 32-jährigen Frau in einer Wohnung verschanzt hatte. Beide seien unverletzt, sagte ein Polizeisprecher. Nähere Einzelheiten zum Ende des Einsatzes wurden zunächst nicht bekannt.

dpa

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