"Es hätte jeden von uns treffen können"

Karlsruher Geiseldrama: Gedenken an Opfer

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Mehrere hundert Menschen waren in die Stadtkirche in Karlsruhe gekommen.

Karlsruhe - Mit einer Schweigeminute und einer Gedenkveranstaltung haben mehrere hundert Karlsruher am Mittwoch der Opfer der Geiselnahme vom 4. Juli gedacht.

Um 9.00 Uhr wurde in der Stadt eine Gedenkminute eingelegt. Zum Gedenkgottesdienst für die Opfer der Bluttat kamen mehrere hundert Menschen in die Stadtkirche, darunter Angehörige und Politiker.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sprach im Namen der Landesregierung den Angehörigen der Getöteten sein Beileid aus. “Das ganze Land Baden-Württemberg trauert mit Ihnen“, sagte der Grünen-Politiker. Die Tat mache in ihrer Tragik und Brutalität sprachlos. Kretschmann dankte den Einsatzkräften und mahnte, sich auf allen Ebenen der Gesellschaft aktiv gegen Gewalt einzusetzen.

Bilder von der Gedenkfeier

Gedenken an Opfer des Karlsruher Geiseldramas

Am 4. Juli hatte ein 53-Jähriger bei einer Zwangsräumung im Norden der Stadt einen Gerichtsvollzieher, einen Schlosser, den neuen Wohnungsbesitzer und seine eigene Lebensgefährtin getötet, bevor er sich selbst richtete. Der Mann, der aus dem Elsass stammte, hatte mehrere Waffen in der Wohnung. Die Ermittler gehen davon aus, dass er die Tat geplant hatte. Das Motiv ist unklar.

Fenrich: Es hätte jeden von uns treffen können

Der Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe, Heinz Fenrich, sagte bei dem Gedenkgottesdienst, die Geiselnahme habe Lebensplanungen und Lebensglück zerstört. Die Frage nach dem Warum könne vermutlich nie beantwortet werden. “Es hätte jeden von uns treffen können - das macht unsere Ohnmacht noch größer“, betonte der CDU-Politiker. Er forderte dazu auf, nicht nebeneinander, sondern miteinander zu leben. “Es geht um das Wir und es gibt ein Wir, zum Beispiel heute hier in der Stadtkirche, in der Mitte unserer Stadt, in der Mitte unserer Gemeinschaft.“

Unter den Opfern war auch ein türkischer Staatsangehöriger, der als Schlosser mit zur Zwangsräumung gekommen war. Für ihn und seine Familie nahmen zwei Imame sowie der Generalkonsul der Republik Türkei, Serhat Aksen, am Gottesdienst teil. Aksen dankte den Behörden für die schnelle Abwicklung der Formalitäten und für ihre Hilfsbereitschaft. Dadurch sei es möglich gewesen, dem muslimischen Ritus gerecht zu werden und den Toten in seiner türkischen Heimat zu beerdigen. Das Schicksal des 33-Jährigen hatte besonders berührt. Seine Frau war zur Zeit des Geiseldramas mit dem dritten Kind schwanger; es kam kurz danach zur Welt.

dapd

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