Ihre Namen stehen auf der Passagierliste

Flugzeugabsturz im Iran: Familie aus Nordrhein-Westfalen unter den Opfern

Beim Absturz eines Flugzeugs im Iran sind 176 Menschen ums Leben gekommen. Unter ihnen waren auch eine Mutter und zwei Kinder aus Werl (NRW). 

  • 176 Menschen sterben bei einem Flugzeugabsturz im Iran.
  • Unter den Opfern ist auch eine Familie aus Werl.
  • In der NRW-Stadt herrscht tiefe Betroffenheit.

Werl - Beim Absturz des ukrainischen Flugzeugs im Iran kam am Mittwochmorgen nach Informationen des Soester Anzeigers* auch eine junge Mutter aus dem nordrhein-westfälischen Werl mit ihren beiden Kindern ums Leben. Die Betroffenheit in der Wallfahrtsstadt ist groß.Auch eine Mainzer Forscherin ist unter den Todesopfern.

Bei den Opfern handelt es sich um eine 30-jährige Frau, ihre achtjährige Tochter und ihren fünfjährigen Sohn. Ihre Namen stehen auf der Passagierliste von Flug PS752 der ukrainischen Fluggesellschaft Ukraine International Airlines.

Nach dem Absturz war zunächst von drei deutschen Todesopfern die Rede gewesen. Kurz darauf dementierte das Auswärtige Amt diese Meldung jedoch. Auf Anfrage des Soester Anzeigers hieß es auch am Donnerstag: "Es liegen uns keine Erkenntnisse vor, nach denen sich deutsche Staatsangehörige unter den Opfern befinden." Weitere Angaben machte das Ministerium nicht.

Flugzeugabsturz im Iran: Mutter kam 2017 mit ihren Kindern nach Werl

Tatsächlich besaßen die Opfer die afghanische Staatsbürgerschaft. Werls Bürgermeister Michael Grossmann bestätigte auf Anfrage, dass die Familie in Werl gewohnt hat. Bei der jungen Frau handele es sich um eine anerkannte Asylbewerberin, die 2017 nach Werl kam, nachdem sie einige Jahre zuvor mit ihren beiden Kindern aus dem Iran eingereist sei. Ihr Bruder habe in Werl gelebt, deswegen zog sie in die Wallfahrtsstadt. Es habe sich also um eine Familienzusammenführung gehandelt. In den Iran sei sie jetzt offenbar geflogen, um dort lebende Familienmitglieder zu besuchen.

Flugzeugabsturz im Iran: Werls Bürgermeister zeigt sich tief betroffen

Bürgermeister Grossmann zeigte sich tief betroffen. Er habe mehrfach persönlich mit der Familie Kontakt gehabt. „Man nimmt jeden Tag Katastrophen zur Kenntnis und dann erlebt man hautnah, dass Menschen betroffen sind, die man gut kennt. Plötzlich bekommt die Katastrophe ein Gesicht. Das geht mir sehr nah."

Er habe die junge Frau als "selbstbewusst, sympathisch und aufgeschlossen" erlebt. Sehr aktiv habe sie sich in das Integrationsprojekt "Garten der Kulturen" eingebracht. Sie habe sehr gut Deutsch und fließend Englisch gesprochen und in ihrer Heimat früher als Lehrerin gearbeitet. In Werl machte sie gerade eine Ausbildung zur Arzthelferin. In der Praxis herrschte am Donnerstag große Betroffenheit

Auch ihr Bruder habe sich gut integriert und absolviere eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker. "Die Familie hat von Anfang an gezeigt, dass sie sich hier etwas aufbauen will." Mit ihrem Partner hatte sie eine eigene Wohnung in Werl bezogen.

Flugzeugabsturz im Iran: Trauerarbeit in Kita und Grundschule

Den Hinterbliebenen werde die Stadt ihre Hilfe anbieten, so Grossmann. Wie diese Hilfe aussehen kann, sei noch völlig offen. Das werde man nun mit den Betroffenen besprechen.

Der Kindergarten, den der fünfjährige Sohn der Familie besuchte, hat behutsam mit der Trauerarbeit begonnen. Eine Kerze leuchtet für das verloschene Leben, ein Karton ist aufgestellt mit Platz für Bilder oder Nachrichten der Kinder, die sich dem Thema langsam nähern sollen, bevor die Kita den konkreten Verlust in den eigenen Reihen ansprechen wird. Die Grundschule, deren zweite Klasse die verunglückte Tochter besuchte, hat die Kinder vor Öffentlichkeit und Medien abgeschottet. Seelsorger sind eingeschaltet, auch der Schulpsychologische Dienst des Landkreises steht bereit. Die Schule ist im Krisenmanagement ausgebildet, zügig wurden nach Bekanntwerden des Unglücks alle nötigen Schritte eingeleitet.

Flugzeugabsturz im Iran: Große Betroffenheit auch an Soester Schule

Große Betroffenheit herrschte am Donnerstag auch im Hubertus-Schwartz-Berufskolleg in Soest, das die junge Frau im Rahmen ihrer Ausbildung besuchte.

Bei dem Absturz am Mittwochmorgen kamen alle 176 Insassen ums Leben. Noch sind die Untersuchungen zum Absturz der ukrainischen Passagiermaschine im Iran nicht abgeschlossen. Teheran hat sich in Sachen Ursache bereits festgelegt. Die Ukraine ist zurückhaltender. Der Iran weist Abschuss-Spekulation zurück

Jedoch gab es bereits am Mittwoch Hinweise, dass die Absturzursache kein „technischer Defekt“, war, wie die iranischen Luftfahrtbehörde noch vor der Unfalluntersuchung verlauten ließen. Experten halten eine Attacke für möglich.

*soester-anzeiger.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa

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