Fluglotsen-Streik: Spanien schließt Luftraum bis Sonntag

Madrid - Der spanische Luftraum bleibt wegen des wilden Streiks der Fluglotsen bis Sonntag geschlossen. Zuvor hatte die spanische Regierung den Notstand ausgerufen.

Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba gab die Schließung des Luftraums am Samstag nach einer Krisensitzung der Regierung bekannt. Die Flughafenbehörde AENA hatte den Luftraum am Samstag zunächst bis 12.00 Uhr geschlossen und die Sperre später bis 19 Uhr verlängert.

Von den zum Dienst eingeteilten Fluglotsen war nur ein kleiner Teil in den Kontrolltürmen erschienen. Mehrere Lotsen weigerten sich zudem, die Arbeit aufzunehmen, weil sich “nicht wohl“ fühlten. Am Samstag Nachmittag kehrten jedoch mehr und mehr spanische Fluglotsen an ihre Arbeitsplätze zurück. Sie reagierten damit auf die Erklärung des Alarmzustands durch die Madrider Regierung.

Auf den spanischen Airports waren für Samstag 4300 Flüge vorgesehen gewesen. Am Vortag waren wegen des nicht angemeldeten Lotsenstreiks mehr als 2000 Flüge ausgefallen.

Notstand ausgerufen

Wie Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba am Samstag mitteilte, werden die Lotsen mit der Ausrufung des Notstandes rechtlich mit Soldaten gleichgestellt und dem Militärrecht unterstellt.

Lesen Sie auch:

Spanische Armee übernimmt Luftraum-Kontrolle

Wenn die Streikenden der Anordnung zur Wiederaufnahme der Arbeit nicht Folge leisten, können sie wegen Befehlsverweigerung in Schnellverfahren nach militärischem Recht zu langjährigen Haftstrafen verurteilt werden.

Die großen Flughäfen in Spanien waren am Samstag weiterhin infolge des nicht angemeldeten Streiks gesperrt. Ein Teil der Lotsen erschien zwar zum Dienst, verweigerte aber die Aufnahme der Arbeit.

Auf den Kanarischen Inseln konnte der Luftraum für kurzen Zeit wieder geöffnet werden. Er musste nach Angaben der Flughafenbehörde AENA nach aber bald wieder geschlossen werden. Mehrere Lotsen, die die Arbeit wieder aufgenommen hatten, verließen auf Druck ihrer Kollegen ihre Posten wieder.

Tausende Fluggäste sitzen fest

Mehrere tausend Fluggäste von Deutschland nach Spanien und zurück haben am Samstag Wartezeiten und Ausfälle in Kauf nehmen müssen. Wegen des Streiks der spanischen Fluglotsen konnten allein am Flughafen in München etwa 30 Maschinen nicht starten oder kamen nicht von dort an. Ein Sprecher des Münchner Flughafens schätzte, dass rund 5000 Fluggäste davon betroffen waren. Am Nürnberger Flughafen mussten mehrere hundert Fluggäste zum Teil stundenlang warten.

Der Alarmzustand war in Spanien seit der Wiedereinführung der Demokratie vor 35 Jahren noch nie ausgerufen worden. Er gibt der Regierung besondere Vollmachten und steht von den Auswirkungen her eine Stufe unterhalb des Ausnahmezustands.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare