Einzigartiger Fall in Baden-Württemberg

Nach Aal-Fund am Stuttgarter Flughafen: Zoll entdeckt erneut Kuriosität

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Vorbereitung für die Besetzung der Glasaale

Beamte vom Zoll trauen ihren Augen kaum, als sie die Koffer zweier Männer am Flughafen Stuttgart kontrollieren. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

  • Am Flughafen Stuttgart hat der Zoll einen irren Fund gemacht
  • Die Beamten fanden bei der Kontrolle 170.000 Glasaale in Koffern
  • Zwei Männer wollten die Fische nach Asien fliegen
  • Nach Tierschmuggel begann Wettlauf mit der Zeit

Update vom 6. März: Nach dem kuriosen Fund der 170.000 Glasaale, werden die Zollbeamten des Stuttgarter Flughafens am Mittwochmorgen erneut bei einer Gepäckkontrolle fündig. Ein 41-jähriger Reisender hat in seinem Korb sieben Orchideen. Allerdings: Für diese hat er keine Einfuhrgenehmigungen. Der Zoll stellt die Pflanzen sicher und übergibt sie einem Spezialisten, um die exakte Bestimmung des Schutzstatus herauszufinden. Der Reisende gibt an, die Orchideen auf einem Markt in Thailand gekauft zu haben. Die widerrechtliche Einfuhr dieser gefährdeten Spezies wird dennoch der 41-Jährige selbst verantworten müssen.

Zollbeamte in Stuttgart beweisen den richtigen Riecher – und machen in einem unerwarteten Versteck einen unglaublichen Fund. 

Bei einem Unfall in Stuttgart starben im März zwei Menschen. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft gegen den 20-jährigen Jaguar-Fahrer Anklage wegen Mordes erhoben.

15.01 Uhr: Der Fall am Stuttgarter Flughafen war der erste entdeckte Fall von Glasaal-Schmuggel in Baden-Württemberg. Das teilt Dr. Frank Hartmann von der Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe auf Anfrage von HEIDELBERG24.de* mit. Der Zoll sei zwar sehr erfahren im Umgang mit Tierschmuggel – doch Glasaale seien bisher noch nicht vorgekommen. Weil sich die Vorkommnisse aber in jüngerer Zeit häufen würden – zum Beispiel in Frankfurt und Zürich, seien den Beamten die Merkmale von Aalschmuggel bekannt.

Die Fälle könnten jetzt besser aufgedeckt werden. Solche Schmuggelaktivitäten würden aber laut Informationen des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) seit Jahren europaweit durchgeführt. „Offensichtlich erfolgt inzwischen eine Verlagerung der Abflugorte nach Asien in Richtung Osteuropa, wo der Aalschmuggel bislang noch nicht so bekannt war und die Aufdeckungsquote noch vergleichsweise gering ist“, erklärt Hartmann.

Der Aal steht auf der CITES Liste besonders bedrohter Tierarten. Auch wenn es für alle Länder, die am Rhein liegen, seit Jahren ein Aalschutzkonzept gibt, ist Baden-Württemberg das einzige Bundesland, das an Rhein und Neckar ein Fangverbot erlassen hat. Mittlerweile sei der Aalbestand laut Frank Hartmann wieder gestiegen.

Einen ungewöhnlichen Fund haben Zollfahnder auch am Flughafen Frankfurt gemacht, wie extratipp.com* berichtet.

Während der Tierschmuggel ganz neue Formen anzunehmen scheint und auf Empörung und Unverständnis stößt, geht derzeit das Selfie eines afrikanischen Tierpflegers um die Welt. Dieses Foto löst allerdings enorme Begeisterungsstürme aus.

Zollbeamte nahmen eine 48-jährige Britin, die gerade aus Bahrain eingereist war, ins Visier – und machten am Flughafen Frankfurt im Gepäck der Frau einen unglaublichen Fund. Darüber berichtet mannheim24.de*.

Update vom 31. Januar 2019 um 8.53 Uhr: Bis die jungen Aale unsere Gewässer erreichen, haben sie übrigens einen langen Weg vor sich. Sie schlüpfen im Atlantik – in der Sargassosee nahe der Bahamas. Als Larven machen sie sich schwimmend auf die Reise zur europäischen Küste. Kurz vor ihrem Ziel wandeln sich die Larven zu den kleinen Glasaalen. An den Küsten wartet die größte Gefahr auf die Jungaale.

Laut WWF besteht bereits seit Langem das Problem von gut organisierten, kriminellen Banden, die vor allem in Südeuropa Wilderei und illegalen Handel mit den Aalen betreiben. Schaffen die Aale ihre Reise allerdings unbeschadet, schwimmen sie in großen Schwärmen von den Küsten in die Gewässer des Landesinneren. Dort wachsen sie zu ihrer vollen Größe heran – Weibchen können sogar bis zu 1,50 Meter lang werden.

Die jungen Glasaale sind gerade einmal so groß wie eine Handfläche.

Meldung vom 30. Januar 2019: Stuttgart/Karlsruhe - Zollbeamte des Stuttgarter Flughafens kontrollieren am Montag (28. Januar) zwei verdächtige Männer, als diese gerade nach Asien fliegen wollen und trauen ihren Augen kaum: In vier gewöhnlichen Koffern finden sie fein säuberlich verpackt insgesamt 170.000 lebende Jungaale! In den vier Koffern befinden sich 48 Pakete mit jeweils einem Kilo Aale – rund 3.500 Tiere pro Stück.

In dem frühen Stadium ähneln die Glasaale einer Glasnudel und die Beamten können durch die durchsichtige Haut sogar das winzige Herz schlagen sehen. Doch der Europäische Aal ist vom Aussterben bedroht und unterliegt dem Washingtoner Artenschutzabkommen – und hat damit den gleichen Schutzstatus wie zum Beispiel ein Afrikanischer Elefant! Der Handel wird überwacht, hat strenge Vorgaben und ist außerhalb Europas ganz untersagt. Die Männer versuchten sie nach Asien schmuggeln, da sie dort als Delikatesse gelten. Das Kilo bringt dort bis zu 4.000 Euro! 

Im Dezember 2018 hat ein Mann am Frankfurter Flughafen auch versucht, 100.000 Glasaale in Koffern zu schmuggeln. Daher sind die Zollbehörden vorbereitet und können im Stuttgarter Fall schnell reagieren. Denn es ist ein Wettlauf mit der Zeit: Die Tiere können in Transporttüten nicht lange überleben!

Glasaale am Stuttgarter Flughafen entdeckt: Komplizierte Rettung

Doch bevor die Aale gerettet werden können, gilt es, einige Hürden zu überwinden: Es braucht Genehmigungen, um die Tiere auszuwildern! Erst danach wird ein geeigneter Ort gesucht – und das ist bei dem Europäischen Aal der Rhein bei Karlsruhe. Die Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe ist seit Jahrzehnten für den Schutz des Aals aktiv und für Noteinsätze wie diesem bestens vorbereitet und ausgerüstet.

Die Zeit wird immer knapper, denn niemand weiß, wie lange die Tiere bereits unterwegs sind: Gegen 13 Uhr machen sich Zollmitarbeiter auf dem Weg von Stuttgart nach Karlsruhe. Dort angekommen hat die Fischereibehörde das Boot für den Aalbesatz schon vorbereitet und die Wasserschutzpolizei um Unterstützung gebeten. Alles steht also bereit, als die Aale um 14 Uhr am Pionierhafen in Karlsruhe eintreffen.

Die Glasaale auf dem Weg in neues Gewässer

Es kommt nicht selten vor, dass Menschen versuchen Tiere per Flugzeug zu schmuggeln: In Berlin kontrollieren Zollbeamte einen Mann. Doch als er einen Beutel aus seiner Hose zieht, kommt der Schock.

Zoll findet 170.00 Aale in Koffern: Schmuggler keine Amateure

Als die Fachleute den ersten Koffer öffnen, die Erleichterung: Die Tiere sind noch quicklebendig und in guter Verfassung! Die Schmuggler sind keine Amateure und haben zumindest auf den ‚richtigen‘ Transport geachtet. Sie haben in die Behälter reinen Sauerstoff hinzugefügt, damit die Aale die Reise nach Asien überleben. Nach Einschätzung der Fischereibehörde ist hier ein Spezialist für Fischtransport am Werk gewesen, denn exakt auf diese Weise werden auch in der kommerziellen Fischerei lebende Fische transportiert. 

Glasaale werden in den Rhein besetzt

Gegen 16 Uhr zählt die Fischfamilie des Rheins dank des beherzten Eingreifens der Zollverwaltung rund 170.000 Mitglieder mehr! Nun besteht die Hoffnung, dass sich in einigen Jahren ein großer Teil dieser Schmuggelware stromab auf den Weg in Richtung Sargassosee machen kann, um für weiteren Nachwuchs zu sorgen. Mit dieser gemeinsamen Aktion wurde ein bedeutender Beitrag zum Aalschutz geleistet, damit der viele Jahrmillionen währende, beeindruckende und sensible Lebenszyklus einer ganz besonderen Fischart niemals unterbrochen wird.

*HEIDELBERG24.de und extratipp.com sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

jab/pm

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