Neunjährige stirbt nach Wasserfolter: Jugendamt vernichtet Akten

Bonn - Im Fall der getöteten neunjährigen Anna aus Königswinter hat das Jugendamt offensichtlich Teile der Akten vernichtet, bevor sie der Staatsanwaltschaft übergeben wurden.

Die für Anna zuständige Mitarbeiterin teilte das dem Bürgermeister der Stadt, Peter Wirtz (CDU), in einem Schreiben mit. Laut "express.de" wurde sie von einem Vorgesetzten dazu gedrängt. Die Frau habe mittlerweile eine Abmahnung bekommen und arbeite nun in einer anderen Abteilung, sagte Wirtz am Samstag. Inzwischen seien die Akten aber wieder mit Hilfe von Kopien vervollständigt worden.

Wiederholt hatten Nachbarn wegen Annas lauter Schreie die Polizei alarmiert, die dann das Jugendamt verständigte. Am 22. Juli 2010 starb die Neunjährige laut Ralf W., nachdem seine Ehefrau sie in der Badewanne so oft unter Wasser getaucht hatte, bis sie das Bewusstsein verlor. Die 52-jährige Petra W. spricht dagegen von Notwehr. Beide beteuern, sie hätten die kleine Anna geliebt, die damals herbeigerufene Notärztin sagte jedoch vor Gericht aus, sie hätte das Paar als völlig emotionslos nach dem Tod der Neunjährigen erlebt. 

Ihre offensichtlich völlig mit der Erziehung des Kindes überforderten Pflegeeltern stehen seit Januar wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor dem Bonner Landgericht. Sie sollen das Kind in mindestens 55 Fällen misshandelt haben. So wurde Anna laut "express.de" mit Panzerband am Essenstisch gefesselt. Sie musste unter anderem Liegestütze machen und sich auf dem Balkon auf eine Matte knien. Von Pflegevater Ralf W. wurde sie mit einem Kochlöffel verprügelt. Bei Autofahrten setzte er Anna eine Pudelmütze auf, um zu verhindern, dass sie etwas sehen kann.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen das Jugendamt, das für Anna zuständig war. Hauptbeschuldigte in dem Prozess ist die Pflegemutter. Sie schweigt, ihr Ehemann schiebt die Schuld auf sie und aufs Jugendamt.

dpa/tz

Rubriklistenbild: © dpa

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