Nach zwei Todesfällen

Ermittler finden toxischen Stoff in Kölner Apotheke

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Eine schwangere Frau und ihr Kind waren in der vergangenen Woche nach der Einnahme eines in einer Kölner Apotheke hergestellten Glukosemittels gestorben. Foto: Oliver Berg

Eine junge Mutter und ihr Säugling sterben nach einem Routine-Test. Schuld ist ein Gift, das in das Mittel aus einer Kölner Apotheke gelangt war.

Köln (dpa) - Bei der Untersuchung zweier Todesfälle in Köln, die auf ein Glukosemittel aus einer Apotheke zurückgehen sollen, sind die Ermittler auf einen toxischen Stoff gestoßen.

Dieser Stoff sei in einem Glukosebehältnis in der Apotheke festgestellt worden, teilte die Polizei am Dienstag mit. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren gegen Unbekannt eingeleitet.

Eine junge Frau und ihr Kind, das Ärzte noch per Kaiserschnitt retten wollten, waren in der vergangenen Woche nach der Einnahme eines in der Kölner Apotheke hergestellten Glukosemittels gestorben. Die 28-Jährige starb laut Obduktion an multiplem Organversagen.

Die Glukoselösung war nach Angaben der Polizei für einen standardmäßigen Test, mit dem Diabeteserkrankungen ausgeschlossen werden können. Dass Apotheken die Mittel selbst anrühren, ist nach Angaben des Gesundheitsamts gängige Praxis.

Ob es sich um fahrlässige Tötung oder ob jemand aus Vorsatz handelte, muss eine Mordkommission klären. "Das kann man in der Tat nicht ausschließen", sagte der Kölner Staatsanwalt Ulrich Bremer am Dienstag. Es seien viele Beweismittel sichergestellt und bereits einige Zeugen befragt worden.

Der giftige Stoff wurde nach Angaben der Ermittler in einem Behälter festgestellt, aus dem die Mischung in kleine Tütchen umgefüllt wird. Die Ermittler können nach Angaben eines Sprechers nicht ausschließen, dass weitere giftige Mischungen im Umlauf sind und haben sich deshalb für den Schritt in die Öffentlichkeit entschieden - allerdings erst am Montag nach den Todesfällen am Freitag. Bis zum Montag sei nicht bewiesen gewesen, dass ein giftiger Stoff die Ursache für die Todesfälle sei, erklärte der Leiter der Kriminalinspektion, Andreas Koch.

Ein Arzt hatte am Donnerstag die Behörden eingeschaltet. Bei einer anderen Frau, die das gleiche Mittel eingenommen habe, seien auch Komplikationen aufgetreten. Sie habe die Einnahme abgebrochen.

Polizei und Stadt hatten am Montagabend ausdrücklich davor gewarnt, Mittel mit Glukose einzunehmen, die in der Heilig-Geist-Apotheke in Köln-Longerich zusammengestellt wurden. Patienten, die glukosehaltige Präparate dieser Apotheke besitzen, sollten sie nicht einnehmen und umgehend bei der nächsten Polizeiwache abgeben. Bis zum Dienstag habe sich aber noch niemand gemeldet, der Glukose aus der betroffenen Apotheke zu Hause habe, sagte ein Sprecher der Polizei. Die Stadt hat der Apotheke vorerst untersagt, selbst produzierte Medikamente zu verkaufen.

Die Todesfälle stellen den Inhaber der Apotheke nach eigenen Angaben vor ein Rätsel. "Ich bin fassungslos, ich kann es mir nicht erklären", sagte der Apothekeninhaber Till Fuxius der Deutschen Presse-Agentur. Er vertraue auf die Ermittlungen der Polizei. "Dabei bin ich Zeuge, nicht Beschuldigter", betonte der Apotheker.

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