Wer steckt hinter der Umweltkatastrophe?

Emotionales Foto eines ölverschmierten Jungen entsetzt: „Eine beispiellose Tragödie“

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Dieses Foto von einer Küste in Brasilien macht die Welt gerade wütend.

Ein Bild eines Jungen aus Brasilien geht derzeit um die Welt. In einem Plastiksack steht er ölverschmiert im Meer. Wer steckt hinter der Katastrophe?

  • Über 2000 Kilometer von Brasiliens Stränden sind von einer Ölpest betroffen.
  • Ein Fotograf nahm bewegende Szenen von den Aufräumaktionen der Bevölkerung auf.
  • Die Fotos haben Konsequenzen im südamerikanischen Land - die Regierung wütet derweil gegen Umweltschützer.

Brasilien - Über dieses Foto spricht die Welt. Ein Junge steht bis zum Bauch im Wasser, sein vor Erschöpfung verzerrtes Gesicht umspielt seine geschlossenen Augen. Nur ein schwarzer Plastiksack bedeckt seinen Körper, seine Arme sind voll schwarzem Öl. Was zeigt diese erschütternde Aufnahme des nur 13-jährigen Jungen?

Öl an Brasiliens Küste: Bevölkerung will immense Schäden beseitigen

Statt Strandparadies und Meeresromantik zeigen diese Szenen die traurige Realität in Südamerika. Denn sage und schreibe 2250 Kilometer Küste sind von einem Ölteppich überzogen, vor allem Brasilien kämpft gegen den zähen Strom des fossilen Brennstoffs. Das Foto von dem Jungen im Wasser entstand am 21. Oktober und ist nur eines von vielen Bildern, die am Strand von Itapuama in der nordostbrasilianischen Stadt Cabo de Santo Agostinho aufgenommen wurde.

Und doch ist das Foto vom 13-jährigen Everton Miguel dos Anjos eines der ausdrucksstärksten im Kampf gegen das Öl. Gemeinsam mit seinen Brüdern und 500 weiteren Freiwilligen hatte er sich an den Strand begeben, um Ölklumpen und Schlick aufzuräumen. 

Von seiner eigenen Mutter gab es für diesen Körpereinsatz allerdings Schelte - denn sie hatte ihm nur erlaubt, bei der Aufräumaktion teilzunehmen, wenn er sich nicht dreckig mache. Das T-Shirt, welches Everton Miguel dos Anjos ursprünglich trug, war aber schnell verschmutzt, woraufhin er es gegen den in der Situation wohl praktischeren Müllsack tauschte.

Reaktionen auf Foto des ölverschmierten Jungen: Nutzer schockiert über Ausmaß

Die Agentur, für die der Fotograf arbeitet, hat das ausdrucksstarke Foto veröffentlicht. Die Reaktionen spiegeln die Verzweiflung des 13-Jährigen wider: „Das ist ein schreckliches Foto“, schreibt eine Twitter-Nutzerin, ein anderer bezeichnet das Foto als „dramatisch“. Ein weiterer User beschreibt seine Eindrücke der Szene: „Ich wohne nebenan. Die Situation ist katastrophal. Eine beispiellose Tragödie.“ Viele traurige Emojis begleiten die Reaktionen der Welt auf die Katastrophe.

Brasilien: Öl trifft eine arme Region, die von Tourismus lebt

Am 7. Oktober sprach der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro noch von 132 versuchten Stränden im Nordosten des Landes. Laut dem Energiekonzern Petrobras stammt das Öl nicht aus Brasilien und kommt aus einer einzigen Quelle aus Venezuela. Der Verursacher ist auch weiterhin nicht offiziell bekannt. Doch so oder so: Das Öl war nun da und verpestete die Strände in einer Region, die von Tourismus lebt und durchaus nicht zu den reichsten Ecken der Erde gehört.

Die Bevölkerung in Brasilien versuchte dem Öl Herr zu werden.

Strände voll Öl: Foto des brasilianischen Jungen hat Konsequenzen

Seit der Veröffentlichung der Fotos am 21. Oktober von Leo Malafaia ist allerdings viel passiert. Schon vier Tage nachdem der Fotograf die Szenen geknipst hatte, war der betroffene Strand so gut wie ölfrei. Das brasilianische Militär beseitigte die Verschmutzung, in Zukunft sollen Kinder sich nicht mehr an solchen Aktionen beteiligen. Insgesamt 1000 Tonnen Ölrückstände sollen laut Militär bereits beseitigt worden sein.

Nach den verheerenden Amazonas-Feuern trifft Brasilien mit dem Öl die nächste schwere Katastrophe. Laut Spiegel steht fest, dass das Öl von einem 600 Kilometer von der Küste entfernten Schiff stammt. Satelliten konnten die Spur allerdings nicht zurückverfolgen.

Video: Öl an Brasiliens Stränden - Bolsonaro verdächtigt Ausland

Der Umweltminister Ricardo Salles lenkt derweil die Aufmerksamkeit von Brasilien ausgerechnet auf die Umweltorganisation Greenpeace und stellt in einigen Tweets einen Zusammenhang zwischen der Ölkatastrophe und den Aktivisten her. Die Regierung stilisiert sich als Opfer von „Ökoterroristen“ und lenkt so von den eigenen Versäumnissen in Sachen Umweltschutz ab.

In diesem Jahr stand Brasilien bereits mit dem großflächigen Brand des Regenwalds im Amazonas in den Schlagzeilen. Es handelte sich um die schwersten Waldbrände seit Jahren, erneut stellte Brasiliens Regierung Umweltschützer an den Pranger. Ein weiteres Unglück in Brasilien hatte derweil unter Umständen Verbindungen nach Deutschland: Im Januar starben bei einem Dammbruch 270 Menschen, Angehörige erstatteten Anzeige gegen einen Manager des TÜV Süd.

jw/mit afp

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