EHEC-Erreger fordert bereits 14 Todesopfer

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Die Mitarbeiter in Krankenhäusern und Kliniken sind strengen Vorschriften unterworfen.

Berlin/Hamburg - Die Suche nach der Herkunft des EHEC-Erregers hält an. Das Robert-Koch-Institut warnt weiter vor dem Verzehr von rohem Gemüse. Die Zahl der EHEC-Toten steigt auf 14 an.

Wissenschaftler und Ärzte suchen weiterhin fieberhaft nach der Herkunft des EHEC-Erregers. Es sei noch nicht gesichert, dass der Erreger aus Spanien stamme, sagte der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel, am Montag im ZDF-“Morgenmagazin“. “Wir haben zwar jetzt auf Gurken die sogenannten EHEC-Erreger gefunden, das heißt aber nicht, dass die jetzt ursächlich für diesen gesamten Ausbruch verantwortlich sind“, sagte er. Das Robert-Koch-Institut riet erneut, vor allem in Norddeutschland keine rohen Gurken, Tomaten und Salate zu essen.

Nach einem Spitzentreffen von Bund, Ländern und Behörden in Berlin sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP): “Ergebnis ist, dass leider weiter mit einer steigenden Fallzahl zu rechnen ist.“  Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) und  Bahr wollten sich am Nachmittag gemeinsam mit Vertretern der Länder über den Stand der wissenschaftlichen Untersuchungen zu den jüngsten EHEC-Fällen informieren. “Wir müssen davon ausgehen, dass die Infektionsquelle weiter aktiv ist“, erklärte Aigner weiter. An dem Gespräch werden die Präsidenten des Robert- Koch-Instituts, des Bundesinstituts für Risikobewertung wie auch des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zur aktuellen Lage berichten. Eingeladen sind auch die Vorsitzenden der Gesundheits-, Verbraucher- sowie der Agrarministerkonferenz der Länder und die Hamburger Gesundheitssenatorin, da Hamburg als ein Schwerpunkt der Erkrankungen gilt.

RKI warnt Norddeutsche weiter vor Verzehr roher Gemüsesorten

“Wir warnen unverändert davor, in Norddeutschland rohes Gemüse zu verzehren“, sagte RKI-Präsident Reinhard Burger am Montag im Bayerischen Rundfunk. Die Klagen von Bauern über Umsatzeinbrüche könne er verstehen, sagte Burger. Die Gesundheit der Menschen habe aber klar Priorität.

Die hohe Zahl von EHEC-Neuerkrankungen erklärte Burger mit der relativ langen Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Symptome. Die Inkubationszeit betrage etwa eine Woche. Die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen könne daher erst im Laufe dieser Woche beurteilt werden können“. Von Prognosen zur weiteren Entwicklung riet er ab. “Im Moment können wir schlicht noch nicht verlässlich sagen, was die eigentliche Infektionsquelle ist.“

Bundesärztekammer hält EHEC für beherrschbar

Trotz der zunehmenden Erkrankungen durch den gefährlichen Durchfallerreger EHEC hält die Bundesärztekammer die Situation für beherrschbar. “Hier geht es zwar um einen potenziell lebensgefährlichen Erreger, doch ich warne vor Panikmache“, sagte der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, der “Passauer Neuen Presse“. “Jeder kann sich schützen, indem er sich streng an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts hält, häufig die Hände wäscht und vorübergehend auf bestimmtes Gemüse verzichtet.“ Bis zum Wochenende waren in Deutschland zehn Menschen an EHEC-Infektionen gestorben.

Schulklasse wegen EHEC-Erregers von Unterricht befreit

Nach einer Häufung von EHEC-Fällen in einer Klasse eines Hamburger Gymnasiums fällt für die betroffenen Schüler der Unterricht mehrere Tage lang aus. Bei drei Schülern einer 10. Klasse sei der Erreger nachgewiesen worden, bei einem weiteren Fall bestehe der Verdacht einer Infektion mit dem gefährlichen Erreger, sagte Rico Schmidt, Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde, am Montag. Einem Bericht des “Hamburger Abendblatts“ zufolge ist einer der betroffenen Schüler an dem gefährlichen Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) erkrankt.

Die gesamte Klasse sei vorsorglich für kurze Zeit beurlaubt worden, um die Räume zu desinfizieren, sagte Schmidt. Nach Angaben des “Hamburger Abendblatts“ dauert die Beurlaubung eine Woche, weil es zu einer Kontaktinfektion unter den Schülern im Klassenraum gekommen sein könnte. Die Schule wollte sich auf dapd-Anfrage nicht dazu äußern.

Bislang sind in Deutschland zehn Menschen im Zusammenhang mit EHEC-Infektionen gestorben. Hunderte Menschen sind erkrankt. Bis zum Samstag gab es allein in Hamburg 467 EHEC-Erkrankungen, darunter 91 HUS-Fälle. Am Montagmittag wollte die Hamburger Gesundheitsbehörde aktuelle Zahlen zu EHEC-Fällen in der Hansestadt bekannt geben. Dann wurde auch der neue Stand in Schleswig-Holstein und Niedersachsen erwartet.

Uniklinik Hannover: Neue EHEC-Therapie scheint erfolgreich

Bei der Behandlung von Patienten, die sich mit dem aggressiven Darmbakterium EHEC infiziert haben, gibt es erste Erfolge mit einem Antikörper. Das neuartige Medikament Eculizumab werde nur bei Patienten mit schwerem EHEC-Verlauf eingesetzt, erläuterte Prof. Hermann Haller, Direktor der MHH-Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen, am Montag in Hannover. Es sei bereits ein Erfolg der am vergangenen Mittwoch begonnenen Therapie sichtbar. “Es nützt etwas, allerdings ist es kein Wundermittel“, betonte der Arzt. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) steigt die Zahl der behandelten EHEC-Patienten. Aktuell versorgt die Klinik 47 EHEC-Patienten, darunter neun Kinder. Derzeit befinde sich aber keiner davon in Lebensgefahr.

Zwei Todesfälle in NRW

Die Darmseuche EHEC hat zum ersten Todesfall außerhalb Norddeutschlands geführt. Im Kreis Paderborn starb am Sonntag eine 91-jährige Frau an den Folgen der gefährlichen Durchfallinfektion. Die Frau habe mehrere schwere Vorerkrankungen gehabt, teilte der Kreis am Montag mit.

Die 91-Jährige aus Bad Lippspringe hatte sich in der vergangenen Woche mit dem gefährlichen Durchfallerreger EHEC infiziert. Bei ihr war auch die schwere Komplikation HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom) eingetreten, die durch EHEC verursacht werden kann.

In Nordrhein-Westfalen starb am Montag auch eine zweite Frau an der gefährlichen Darminfektion, wie die Kreisverwaltung Gütersloh am Montag mitteilte. Es handele sich dabei um eine Patientin zwischen 40 und 50 Jahren. Auch diese Frau litt am sogenannten Hämolytisch-Urämisches Syndrom (HUS), das durch EHEC verursacht wird und schlimmstenfalls zu Blutveränderungen und Nierenversagen führt.

Der Kreis Paderborn ist der Schwerpunkt der Erkrankungen in Nordrhein-Westfalen. Bislang waren im Kreis Paderborn 13 Menschen - neun Frauen, vier Männer - im Alter zwischen 11 und 91 Jahren mit HUS gezählt worden.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern Todesfall

Auch in Mecklenburg-Vorpommern hat es einen ersten Todesfall durch den Darmkeim EHEC gegeben. Wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales am Montag berichtete, starb eine 87-jährige Frau aus dem Landkreis Parchim.

Schleswig-Holstein meldet weiteren EHEC-Toten

In Schleswig-Holstein ist am Wochenende ein 75-jähriger Mann an den Folgen der EHEC-Infektion gestorben. Damit steigt die Zahl der EHEC-Toten in Deustschland auf 14. Der Mann war Patient im Rendsburger Krankenhaus, wie das Kieler Gesundheitsministerium am Montagnachmittag mitteilte. Er ist das fünfte Todesopfer des aktuellen Ausbruchs in Schleswig-Holstein und bundesweit der zweite Mann, der an dem gefährlichen Darmkeim gestorben ist.

Warten auf spanische EHEC-Proben - Mehr Erkrankte in Europa

Warten auf EHEC-Proben: Die EU-Kommission rechnet spätestens am Mittwoch mit Ergebnissen aus den unter EHEC-Verdacht stehenden Agrarbetrieben in Almeria und Malaga. Dort waren bereits am Freitag Boden-, Wasser und Produktproben entnommen worden. Die Betriebe sollen für die Verbreitung der mit den gefährlichen Keimen befallenen Gurken in Deutschland verantwortlich sein. “Keine Gurken verlassen die Gewächshauser“, sagte ein EU-Experte am Montag in Brüssel mit Blick auf die beiden südspanischen Betriebe. Spanische Behörden hatten zuvor die Aussage der EU-Kommission dementiert, wonach die beiden Betriebe geschlossen worden seien. Natürlich liefen dort die nötigen Alltagsarbeiten weiter, räumte der EU-Experte ein.

Der gefährliche EHEC-Keim breitet sich auch außerhalb Deutschlands und sogar außerhalb Europas weiter aus. Mindestens drei Amerikaner, die zuvor in Deutschland waren, seien erkrankt. In Schweden hat es nach Angaben der EU-Kommission bisher 30 nachgewiesene EHEC-Fälle gegeben, bei 13 davon handele es sich um schwererkrankte HUS-Patienten. Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) kann zu schweren Komplikation bei einer EHEC-Infektion führen. In Dänemark gebe es elf EHEC-Erkrankungen, daraus fünf HUS-Fälle, in Großbritannien drei EHEC- und zwei HUS-Fälle, in Österreich zwei EHEC-Patienten und in den Niederlanden einen HUS-Fall.

Eine Lieferung spanischer Gurken, die mit dem riskanten EHEC-Erreger befallen sein könnte, war nach Angaben der EU-Kommission in den vergangenen Tagen aus Deutschland nach Dänemark gegangen. Dänemark habe die Gurken vom Markt genommen, hieß es. Auch in Ungarn, Österreich, Frankreich, Luxemburg, Tschechien und den Niederlanden seien verdächtige spanische Gurken angekommen. Noch sei aber nicht nachgewiesen, ob sie tatsächlich mit dem EHEC-Keim befallen sind. Dem werde nachgegangen, hieß es.

dapd/dpa

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