Deutschland: Kinderarmut immer noch dramatisch

Weimar - Auch in Deutschland ist die Anzahl der Kinder, die in Armut leben, erschreckend hoch. Kinderärzte bekommen das Leiden oft hautnah mit.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sieht bei Kinderarmut in Deutschland keinen Anlass zur Entwarnung. Daten belegten, dass nach wie vor etwa jedes siebente Kind als arm zu bezeichnen sei, sagte Verbandspräsident Wolfram Hartmann am Freitag in Weimar. Kinderärzte seien in ihrem Praxisalltag häufig mit der Problematik konfrontiert, sie bekämen es etwa mit nicht ausreichend ernährten oder mangelhaft geförderten Kindern zu tun. Folge sei beispielsweise eine steigende Zahl von Heilmittelverordnungen wie Sprachtherapie. “Kinderärzte sind aber nicht der Reparaturbetrieb der Gesellschaft“, warnte Hartmann.

In Weimar begann am Freitag ein Kongress für Jugendmedizin, zu dem bis Sonntag rund 500 Teilnehmer erwartet werden. Nach Beobachtung der Weimarer Kinderärztin Monika Niehaus bekommen Kinder aus armen Familien oft nicht die notwendigen Medikamente, weil ihre Eltern sich diese nicht leisten können. Die Krankenkassen übernehmen diese Kosten in der Regel nur bei Kindern unter 12 Jahren.

Einer der Schwerpunkte des Jugendmedizin-Kongresses sind Früherkennungsuntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen, bei denen aus Verbandssicht dringender Überarbeitungsbedarf besteht. Kongresspräsident Uwe Büsching stellte dafür neue inhaltliche Kriterien vor, mit denen die Mediziner besser auf gesundheitliche Risiken für Teenager, etwa Online-Sucht, reagieren wollen. “Die ist heutzutage das große Thema“, sagte Büsching.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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