„Schreckliche Kombination“

Corona in den USA: Hurrikan-Saison trifft auf Pandemie - Experten befürchten das Schlimmste

In den USA kommt zur Corona-Pandemie bald die Unwetter-Saison. Katastrophenhelfer planen nun neu - die alten Strategien dürften nicht mehr greifen.

  • Die USA werden neben der Corona-Pandemie* auch von Unruhen nach dem Tod von George Floyd erschüttert.
  • Im Juni beginnt in dem Land zudem die Hurrikan-Saison - sie soll dieses Jahr schwer ausfallen. 
  • US-Katastrophenschützer überarbeiten unter Hochdruck ihre Notfall-Pläne - und kritisieren die Trump*-Regierung.

Die USA haben kürzlich bei der Zahl der Toten in Zusammenhang mit Covid-19* die Marke von 100.000 gerissen. In den Polizeigewalt-Protesten nach dem Tod des Schwarzen George Floyd sehen manche potenzielle „Super-Spreading“-Events. Und jetzt könnte auch das Wetter die Pandemie in den USA verschlimmern: Am 1. Juni beginnt in dem Land offiziell die Hurrikan-Saison.

Jerome Adams, Sanitätsinspekteur der Vereinigten Staaten, warnte auf Twitter: „Bereiten Sie sich während der Pandemie ausführlicher auf diese Jahreszeit vor.“

Corona und Unwetter: US-Feuerwehr warnt vor „schrecklicher Kombination“

US-Behörden fürchten, dass es in den Notunterkünften - meist Sportstadien oder Schul-Turnhallen - für die von den tropischen Wirbelstürmen Betroffenen verstärkt zu Sars-CoV-2-Infektionen kommen wird. Die Stadt New York investiert dem US-Magazin Politico zufolge nun 55 Millionen US-Dollar in Klimaanlagen für geringverdienende Senioren - um sie von öffentlichen klimatisierten Räumen fernzuhalten, die eigentlich speziell für die in den USA üblichen Hitzewellen eingerichtet wurden. Aber in der Pandemie ist vieles anders.

Die Feuerwehr im US-Bundesstaat Colorado überarbeitet dem Bericht zufolge ihre Strategie für Buschbrände - sie fürchtet eine „schreckliche Kombination“ aus zwei Naturgewalten: Unwetter und Virus.  

Corona in den USA: Katastrophenschutzbehörde wendet sich an Präsident Trump

Den lokalen US-Behörden bereitet es demnach auch Sorge, dass die US-Katastrophenschutzbehörde FEMA sowie die Nationalgarde aktuell stark von der landesweiten Gesundheitskrise in Anspruch genommen sind.

Meteorologen der Colorado State University (CSU) rechnen für den Sommer 2020 mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, dass der US-Bundesstaat Florida von mindestens einem starken Hurrikan getroffen wird. FEMA-Chef Peter Gaynor informierte US-Präsident Donald Trump* vergangene Woche, dass sich seine Behörde dieses Jahr bereits mit einer „historischen“ Anzahl von Katastrophen konfrontiert sah, so Politico.

Pandemie in den USA: Helfer proben für den Hurrikan-Corona-Ernstfall

Weitere Sorgen der Katastrophenschützer und kommunalen Verwaltungen: Freiwillige Helfer könnten, aus Angst vor Ansteckung beim Einsatz, massiv ausbleiben. Lokalpolitiker fürchten, keine Hilfe von  Nachbarstaaten zu erhalten, die selbst komplett von der Pandemie-Bekämpfung beansprucht sind.

Die Notfallvorbereitung frage sich auch, wie sie der Öffentlichkeit das richtige Verhalten bei einer Evakuierung in Pandemie-Zeiten kommunizieren kann. „Wir sorgen uns, dass Menschen aus Furcht vor einer Infektion zögern, sich umsiedelnd zu lassen“, zitiert Politico den Präsidenten der Katastrophenhilfe des amerikanischen Roten Kreuzes, Trevor Riggen.

Die FEMA veröffentlichte vergangene Woche Richtlinien für das Verhalten während Unwetters in einer Pandemie; eine Checkliste, die an Bundesstaaten und Kommunalbehörden ging. Ein FEMA-Sprecher sagte dem Bericht zufolge, die Behörde habe bundesweit Lebensmittel-Rationen und medizinische Hilfsgüter aufgestockt. Mehr als 3100 Mitarbeiter würden gerade für den Hurrikan-Corona-Ernstfall gebrieft. 

Corona in den USA - Gesundheitsexperten: „Unsere Regierungsbehörden sind...“

Es sind viele Bemühungen, aber Mitglieder des öffentlichen Gesundheitswesens zeigen sich auch kritisch. Irwin Redlener von der Columbia-Universität in New York sagte Politico: „Unsere Regierungsbehörden sind nicht annähernd so kooperativ, wie die Leute glauben.“ 

Andere Betroffene sehen die drohenden Unwetter pragmatisch, etwa eine Frau aus Colorado, die mit ihrem Ehemann gerade Vorbereitungen für die Hurrikan-Saison trifft. „Man muss sich zuerst vor der unmittelbaren Gefahr retten, und die ist das Wetter“, sagte sie dem US-Radiosender NPR. „Mit der Corona-Pandemie kann man sich anschließend herumschlagen.“ 

Zudem sind in den USA Unruhen nach dem Tod eines Afroamerikaners ausgebrochen -eine Autopsie bestätigt jetzt die schweren Gewaltvorwürfe gegen Polizisten.

frs

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © AFP / ALEX EDELMA N

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