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Corona im Herbst: Expertenrat fordert „effektive Vorbereitungen“

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Von: Tanja Koch

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Womöglich wird bei neuen Coronavirus-Wellen im Herbst erneut die Maskenpflicht in Kraft treten.
Womöglich wird bei neuen Coronavirus-Wellen im Herbst erneut die Maskenpflicht in Kraft treten. © Felix Kästle/dpa/Symbolbild

Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung hat sich im Hinblick auf den weiteren Pandemieverlauf im Herbst geäußert. Neue Wellen müsse man bremsen.

Berlin – Bund und Länder sollen früh und ausführlich Maßnahmen gegen neue Coronavirus-Wellen im Herbst und Winter vorbereiten. Darauf drängt der Corona-Expertenrat der Bundesregierung. „Eine vorausschauende Vorbereitung mit kurzen Reaktionszeiten auf veränderte Infektionslagen reduziert die pandemiebedingten (Sekundär-) Schäden und hat die höchste Effektivität, um die Morbidität und Mortalität zu verringern“, heißt es in einer Stellungnahme des Gremiums, die am Mittwoch (8. Juni) veröffentlicht wurde.

„Daher sollten alle präventiven, therapeutischen und anderen Maßnahmen auf den Beginn einer erneuten Infektionswelle im Herbst gerichtet sein, um diese möglichst frühzeitig zu dämpfen“, schreiben die Expertinnen und Experten. Besonders wenn eine Überlastung des Gesundheitswesens drohe und eine neue besorgniserregende Virusvariante auftrete, sei eine schnelle Reaktion notwendig.

Eine vorübergehende Maskenpflicht „kann ein wirksames und schnelles Instrument zur Infektionskontrolle darstellen“, führt das Gremium aus. „Sie bietet vor allem in Innenräumen den höchsten Selbst- und Fremdschutz bei geringer individueller Einschränkung und ist unmittelbar einsetzbar.“

Corona im Herbst und Winter: Bevölkerung erwarte „effektive Vorbereitungen“

Generell solle die Bevölkerung „bei einer hohen Last respiratorischer Erkrankungen in den Wintermonaten verstärkt darüber aufgeklärt werden, wie sinnvoll ein möglichst hoher Eigen- und Fremdschutz ist, und zu einem solchen motiviert werden“. Dieses Vorgehen werde „Morbidität, Mortalität und Arbeitsausfälle durch Atemwegsinfektionen reduzieren“.

Der Expertenrat verweist auch auf die Erwartungshaltung der Menschen: „Die Bevölkerung ist durch zwei Jahre Pandemie geprägt“, heißt es in der Stellungnahme. „Es besteht eine nachvollziehbar hohe Erwartungshaltung an die Politik, im dritten Jahr der Pandemie effektive Vorbereitungen für Herbst und Winter zu treffen.“

Nötig sei die „Etablierung einer handlungs- und nutzerorientierten, zwischen Bund und Ländern abgestimmten Kommunikations- und Verhaltensmanagementstrategie, die auch eine Intensivierung der Impfkampagne umfasst, insbesondere unter Berücksichtigung niederschwellig agierender, aufsuchender Impfteams und Impfzentren sowie einer Aufklärungskampagne für alle Personen ab fünf Jahren“, schreiben die Expertinnen und Experten. Dazu gehöre auch die „Kommunikation der Bewertung des Echtzeitlagebildes im Sinne einer Risikoeinstufung für die Bevölkerung, zum Beispiel in einem Ampelsystem“.

Corona-Tests bei Kindern und Jugendlichen „auf symptomatische Fälle“ beschränken

Zu Kindern und Jugendlichen erklärt das 19-köpfige Gremium, die „Sicherung der sozialen Teilhabe durch Schul- und Kitabesuch sowie sportliche und kulturelle Aktivitäten muss weiterhin höchste Priorität genießen; dies gilt für Kinder und Jugendliche mit und ohne Vorerkrankungen gleichermaßen, muss aber Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen besonders berücksichtigen.“

Notwendig sei eine Strategie „zur Planung von Unterrichts-, Organisations- und Betreuungsformen in Schulen und Kitas unter Pandemiebedingungen“. Die Testung von Kindern und Jugendlichen solle „auf symptomatische Corona-Fälle“ beschränkt und nur bei akuten Ausbrüchen sowie dem Auftreten gefährlicher Virusvarianten ausgeweitet werden. „CO2-Messung in Klassenräumen sollte verpflichtend eingeführt werden, um den Zeitpunkt notwendiger Frischluftzufuhr anzuzeigen. Das regelmäßige Lüften sollte auch im Winter selbstverständlich sein.“

Corona: Lauterbach spricht sich für gründliche Vorbereitungen aus

Der Expertenrat fordert außerdem, die Datenerhebung und -auswertung rund um die Pandemie zu verbessern. Systematisch beobachtet werden sollen demnach „Infektionsdynamik, Krankheitsschwere, Vulnerabilität verschiedener Bevölkerungsgruppen und Belastung des Gesundheitswesens“.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) äußerte sich positiv über die Handlungsempfehlungen. Der Expertenrat habe „exzellente Arbeit geleistet“, erklärte er. „Erneut hat der Rat wichtige wissenschaftliche Empfehlungen für politische Entscheidungen gegeben. Das wird Basis für den Corona-Herbstplan der Bundesregierung.“

Wie hoch die Corona-Welle werden wird, könne aber auch der Expertenrat nicht sagen. „Aber dass selbst im günstigsten Fall das Gesundheitswesen stark belastet sein wird, ist relativ sicher. Auf alle Szenarien müssen und werden wir vorbereitet sein: mit angepassten Test-, Impf- und Behandlungsstrategien sowie mit einem soliden gesetzlichen Rahmen“, warnte Lauterbach. (tk/afp)

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