Cholera auf Haiti: Fragen und Antworten

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Ein wahrscheinlich infiziertes Kind in einem Krankenhaus in Port-au-Prince wird behandelt

Berlin - Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts litten und starben auch in Europa Hunderttausende an der Cholera. Fragen und Antworten zur Krankheit.

Schon indische Schriften aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. beschreiben das Krankheitsbild des “asiatischen Ungeheuers“, das sich in den vergangenen zwei Jahrhunderten aus dem indischen Ganges-Delta auf mehrere Kontinente ausgebreitet hat.

Was genau ist Cholera?

Cholera ist eine Erkrankung der Darmschleimhaut und verursacht Erbrechen und lebensgefährliche Durchfälle. Bakterien (Vibrio Cholerae) lösen die durch mangelnde Hygiene verursachte Infektion aus, die im Extremfall binnen weniger Stunden zum Tod führen kann. Anfang der 1880er Jahre wies Robert Koch ein stäbchenförmiges Bakterium als Cholera-Erreger nach.

Wie kommt es zur Infektion?

Die meisten Menschen infizieren sich über Trinkwasser, das mit Fäkalien verschmutzt ist, oder über verunreinigte Lebensmittel. Die Bakterien setzen sich im Dünndarm fest und sondern ein Gift ab. Die Patienten können mehr als 20 Liter Flüssigkeit am Tag verlieren, auch Mineralien werden ausgeschwemmt. Nierenversagen und Kreislaufkollaps sind die Folge.

Wer ist besonders gefährdet?

Menschen mit geschwächtem Immunsystem wie unterernährte Kinder oder HIV-Infizierte haben auch bei dieser Erkrankung ein höheres Sterberisiko als der Durchschnitt der Bevölkerung. Es gibt Impfungen gegen Cholera, die aber nicht sehr effektiv sind und hohe Nebenwirkungen haben.

Wie sind die Heilungschancen?

Unbehandelt kann die Infektionskrankheit Cholera innerhalb von wenigen Stunden oder Tagen zum Tod führen. Bei schneller Diagnose und Behandlung - vor allem mit sauberem Wasser, lebenswichtigen Salzen (Elektrolyten) und einem Antibiotikum - ist die Prognose aber gut. Bei guter medizinischer Betreuung lässt sich die Todesrate unter den Erkrankten laut Weltgesundheitsorganisation WHO unter ein Prozent senken.

Wann kommt es zu Epidemien?

Die treten vor allem auf, wenn die hygienischen Bedingungen schlecht sind und es keine geregelte Abwasserversorgung gibt - wie zum Beispiel in den Slums in Haiti. Dort steigt die Zahl der Erkrankungen schneller als in den Lagern, die die Hilfsorganisationen nach dem jüngsten Erdbeben eingerichtet haben. Je besser die Abwasserversorgung, desto geringer die Chance zur Verbreitung.

Wurde die Seuche von UN-Truppen nach Haiti eingeschleppt?

Diese Frage ist nicht endgültig geklärt. Nepal wies Gerüchte zurück, wonach UN-Blauhelmsoldaten aus dem Himalaya-Staat Cholera-Erreger nach Haiti gebracht haben sollen. Entsprechende Tests hätten das Gegenteil bewiesen, sagte ein Armeesprecher. Auch die Vereinten Nationen weisen dies zurück. Schwedische Diplomaten allerdings haben jetzt erstmals bestätigt, dass die Erreger von infizierten UN-Soldaten aus Nepal stammten. Die Spur sei zweifelsfrei zurückzuverfolgen. Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes bestätigten, dass es sich bei dem Erreger um einen “asiatischen Stamm“ handele, warnten jedoch vor voreiligen Schlussfolgerungen.

dpa

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