Ted Sarandos äußert sich

Verschärfte Regelungen: Darum verbannt Cannes Netflix aus dem Wettbewerb

Bei den Filmfestspielen in Cannes 2018 wird Netflix nicht vertreten sein. Nach verschärften Regelungen darf der Streamingdienst nicht mehr am Wettbewerb teilnehmen.

Cannes - Frankreich gilt nicht zuletzt wegen der „Filmfestspiele von Cannes“ als Aushängeschild der internationalen Film-Szene. Besinnt man sich auf die Anfänge des europäischen Kinos zurück, kann man Frankreich sogar als Pioniernation dieser Branche betiteln, denn 1895 fand dort die weltweit erste öffentliche Filmvorführung statt. Möglicherweise ist das Huldigen dieser Wurzeln auch der Grund dafür, dass Cannes dieses Jahr eine neue Regelung eingeführt hat, die es dem Streamingdienst Netflix untersagt mit seinen filmischen Eigenproduktionen am Wettbewerb teilzunehmen. 

Das Glaubensbekenntnis der Filmfestspiele von Cannes

Mehr denn je kommt Cannes also seiner tradierten Mission nach. Auf der Webseite lassen die Veranstalter verlauten, dass man, um das Fortbestehen des Festivals zu gewährleisten, dessen Gründungsbestimmungen treu bleiben müsse. Darunter fällt auch Qualitätswerke hervorzuheben, um einen Beitrag zur Entwicklung des Kinos zu leisten und die Entwicklung der Filmindustrie in der Welt zu unterstützen. Denn bis heute bilde dieses Glaubensbekenntnis den ersten Artikel des Festival-Reglements. 

Regeländerung bezweckt Wettbewerbs-Ausschluss von Netflix

Die diesjährige Neuerung in Cannes, die erst Ende März offiziell mitgeteilt wurde, zielt hierbei direkt auf den Schwachpunkt von Netflix ab. Denn mit der Regeländerung, dass die Teilnahme am Wettbewerb einen Kinostart in Frankreich voraussetzt, hatten die Veranstalter den Streamingdienst per se ins Wettbewerbs-Aus katapultiert. Ted Sarandos (53), der Chief Content Officer von Netflix, teilte daraufhin in einem Interview mit dem US-Branchenblatt Variety mit, dass die Amerikaner nicht auf den Filmfestspielen von Cannes vertreten sein werden. 

Das versöhnende Angebot, dass Netflix dennoch Filme auf dem Festival an der Côte d‘Azur zeigen dürfe, nur eben außerhalb der Konkurrenz, nahm Sarandos nicht an. Für ihn stand fest: „Wir wollen, dass unsere Filme nach den gleichen Kriterien beurteilt werden, wie die der anderen Filmemacher. Wenn wir diesen Weg gehen würden, bestünde die Gefahr, dass unsere Filme und Filmemacher respektlos auf dem Festival behandelt werden könnten.“ Seiner Meinung nach sei es nicht gut für sie, dort unter diesen Umständen anwesend zu sein. 

Ist Cannes nur um seinen guten Ruf bekümmert?

Im vergangenen Jahr hatte Netflix sich für die Teilnahme an den Filmfestspielen qualifiziert, indem sie die Filme für knapp eine Woche ab dem Tag der Online-Veröffentlichung in wenigen französischen Kinos zeigten. Dieses „Schlupfloch“ hat Cannes in diesem Jahr nun versiegelt.

Möglicherweise geht es den Veranstaltern um den guten Ruf des internationalen Film-Festivals, denn durch die Zulassung zweier Netflix-Produktionen bei der Preisverleihung im Jahr 2017, hatten die Filmfestspiele harte Kritik einstecken müssen. Diese brachten vor allem französische Kino-Betreiber und Gewerkschaften hervor. Auch Produzenten wie Steven Spielberg engagierten sich dafür, dass „Fernseh-Prdouktionen“ bei Film-Festivals nicht zugelassen werden sollten. 

Buh-Rufe für Netflix bei den Filmfestspielen 2017

Neben „The Meyerowitz Stories“ von Noah Baumbach, war im vergangenen Jahr auch der Film „Okja“ von Regisseur Bong Joon-ho vertreten gewesen. Als es bei der Premiere des Zweitgenannten zu technischen Problemen kam, waren böse Buhrufe zu vernehmen, die sich wohl explizit gegen das im Vorspann gezeigte Logo von Netflix richteten. 

Doch in einer Hinsicht lässt Netflix sich dann doch nicht vom Festival ausschließen: „Einige unserer Angestellten, die in Film-Akquise tätig sind, werden vor Ort sein, da viele Film dort gezeigt werden, die noch keinen Vertrieb haben“, so das Netflix-Oberhaupt Ted Sarandos.

Filmbranche unterliegt dem Wandel - Das erhöht auch den Druck auf Cannes

Obwohl Cannes Netflix in diesem Jahr in die Flucht geschlagen hat, kann auch das nichts am rasanten Aufschwung des Streaming-Anbieters verändern. Die Zeiten, in denen alleine Hollywood-Filmproduktionen den Markt bestimmt haben, sind längst vorbei. Und war nicht auch die Unterstützung der Filmindustrie eines der Ziele, die Cannes als Teil der Mission ihrer Filmfestspiele niedergeschrieben hat? 

Dies scheint wohl nur unter bestimmten Bedingungen zuzutreffen, wie die Regeländerung jetzt bewies. Eines ist aber gewiss: Die Branche wird auch künftig wesentlichen Veränderungen unterlegen sein, was auch das konservative Filmfestival in Cannes noch zu spüren bekommen wird. Wandel ist nun einmal die einzige Konstante - wer also nicht offen für Veränderungen bleibt, wird es in Zukunft schwer haben zu bestehen.

Das könnte Sie auch interessieren: „Bei diesem Serien-Blockbuster sticht das ZDF den Streaming-Dienst Netflix aus

ang

Rubriklistenbild: © dpa / Bernd von Jutrczenka

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare