Aktenzeichen XY Preis

„Das war ein stummer Hilfeschrei“: Mann findet Mädchen in Schulbus - und rettet es vor Missbrauch

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Auszeichnung für einen Retter: Moderator Rudi Cerne, Bundesinnenminister Horst Seehofer und Schauspielerin Amy Mußul dankten Georg Köttner (2. von links) für seine Zivilcourage. Er erhielt den XY-Preis.

Georg Köttner hat keinen Moment gezögert, als ihm ein verdächtiger Kleinbus aufgefallen war. Er konnte verhindern, dass eine Zehnjährige missbraucht wurde. Nun hat er einen Preis bekommen.

  • Georg Köttner verhinderte 2017 mit beherztem Eingreifen, dass ein Mädchen vergewaltigt wurde.
  • Er sah ein Mädchen in der Nähe von Freising in einem Kleinbus und zögerte nicht.
  • Nun wird er mit einem Preis ausgezeichnet.

Paunzhausen – Diesen Blick wird Georg Köttner sein Leben lang nicht vergessen. Als er zum dritten Mal innerhalb von zwei Stunden an einem am Straßenrand geparkten Kleinbus bei Paunzhausen (Kreis Freising) vorbeifährt, sieht er ein Mädchen auf dem Beifahrersitz. Ihre Blicke treffen sich – nur eine Sekunde. „Das war ein stummer Hilfeschrei“, sagt Köttner. In diesem Moment ist für ihn klar, dass er nicht einfach weiterfahren kann. Schon zweimal hatte er das geparkte Fahrzeug mit dem Schulbus-Emblem am Straßenrand gesehen und ein seltsames Gefühl gehabt. Er hat einen Freund, der in der Nähe wohnt. Ein pensionierter Polizist. Köttner holt ihn ab, es dauert keine zehn Minuten, bis die beiden zurück sind. Er parkt neben dem Kleinbus, blickt durchs Beifahrerfenster – und sieht, dass das Mädchen keine Hose trägt.

„Ich habe laut geschrien“, erinnert er sich. Beide Männer reißen die Autotüren auf. Köttner kümmert sich um das total verängstigte, weinende Mädchen. Während er die Kleine in sein Auto setzt, ruft sein Freund die Polizei. Der 71-Jährige am Steuer beteuert, er habe nichts getan, was das Mädchen nicht gewollt habe.

Freising: Mann rettet Mädchen vor sexuellem Missbrauch

Erst später erfährt Köttner, dass der Mann Schulbusfahrer war und die Familie des Mädchens kannte. Seit Monaten hatte er sie missbraucht und nackt fotografiert. Er wurde zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Wie es dem Mädchen heute geht, weiß Köttner nicht. Jener Dezember-Nachmittag liegt knapp zwei Jahre zurück. „Ich hatte seitdem keinen Kontakt mehr zu dem Mädchen oder zu der Familie.“ Aber natürlich hat er noch oft an sie gedacht, sagt er. Und sich gefragt, wie es ihr heute geht.

„Damals ging alles so schnell, ich habe nicht viel nachgedacht“, sagt Köttner. „Was ich getan habe, ist doch eigentlich nichts Besonderes.“ Ganz so selbstverständlich ist Köttners aufmerksames und reflektiertes Verhalten jedoch nicht. Er ist einer von drei Menschen in Deutschland, die am Mittwoch von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) den XY-Preis „Gemeinsam gegen das Verbrechen“ verliehen bekommen haben.

Video: Immer wieder werden Verdächtige über Aktenzeichen XY gefunden 

Freising: Aktenzeichen XY verleiht Preis an Retter

Der Preis wird seit 2002 an Menschen verliehen, die sich mutig und wohlüberlegt für ihre Mitmenschen eingesetzt haben. Gemeinsam mit den beiden anderen Preisträgern wird der Paunzhausener am Mittwoch, 11. Dezember, um 20.15 Uhr in der Live-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ zu Gast sein und mit Moderator Rudi Cerne sprechen.

„Der Preis ist eine sehr schöne Anerkennung“, sagt Georg Köttner am Tag nach der Verleihung. „Ich habe mich wirklich darüber gefreut – und war erstaunlich wenig aufgeregt.“ Doch als Held fühlt er sich nicht. Was er an diesem 19. Dezember 2017 getan hat, war das, was jeder tun sollte, wenn ihm etwas merkwürdig vorkommt, findet er. „Hätte mich mein Bauchgefühl getäuscht, hätte ich mich einfach bei dem Fahrer entschuldigt.“ Trotzdem, eine Kleinigkeit hat sich für ihn seit dem Vorfall damals doch verändert: „Inzwischen schaue ich noch intensiver hin, wenn mir etwas merkwürdig vorkommt.“

Bei einem Unfall mit einem Schulbus wurden am Dienstagvormittag mehrere Menschen verletzt. Ein Großaufgebot der Feuerwehr war vor Ort.

Ein 14-Jähriger hat sich Anfang August in einer Umkleidekabine des Münchner Westbades an einer 13-Jährigen vergangen. Nun steht fest, welche Strafe ihm blüht.

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