yourzz-Interview

300 Schulverweigerer in Hamm: "Nicht einheitlich"

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Ursula Wolf.

HAMM - Rund 300 Schulverweigerer wurden 2013 im Stadtgebiet Hamm gezählt. Ursula Wolf begleitet inzwischen seit zwei Jahren das Projekt „Return“ der Caritas. „Das Schulverweigern kann man am besten mit den Worten missverstanden, ausgrenzen und Außenseite beschreiben“, erklärt sie. Doch nur, weil man einmal dem Unterricht fern bleibt, ist man noch lange kein Schulverweigerer.

Im yourzz-Interview mit Carolin Drees erzählt Ursula Wolf, an welche Stellen Jugendliche sich wenden können und wie man ihnen helfen kann.

Nicht alle finden Schule einfach doof. Aus welchen Gründen schwänzen die meisten Schüler die Schule?

Wolf:Es gibt kein einheitliches Störungsbild bei Schulverweigerern. Ein Grund kann die Schulphobie sein. Die Caritas hat ein Projekt, das den Namen „Return“ trägt. Dies ist eine präventive Maßnahme. Kindern und Jugendlichen sind wir behilflich, dauerhaft in den Schulalltag zurückzufinden. Die Vorgehensweise wird individuell auf das Kind oder den Jugendlichen abgestimmt.

Es gibt aktive und passive Schulschwänzer. Wo liegt der Unterschied?

Wolf: Passive Schulverweigerer besuchen den Unterricht, folgen dem Unterrichtsverlauf kaum, beteiligen sich weder mündlich noch schriftlich am Unterricht. Aktive Schulverweigerer gehen nicht zur Schule, stören den Unterricht und demonstrieren offen ihre Ablehnung.

Wo können sich Betroffene Hilfe holen und wie kann man ihnen helfen?

Wolf:Die betroffenen Schüler oder Eltern können sich Hilfe bei den Schulsozialarbeitern an den Schulen holen, bei der Familienhilfe des Jugendamtes oder beim Caritas-Verband Hamm, Kontaktstelle „Return - Die 2. Chance“.

Welche Maßnahmen sind erforderlich?

Wolf: Wichtig ist, dass bei dem Projekt Eltern und Schüler bereit zur Veränderung sind. Gemeinsam mit dem Schulsozialarbeiter wird der Bedarf abgestimmt, klare Absprachen und Verbindlichkeiten werden vereinbart. Es können Hilfen wie zum Beispiel morgendlicher Bringdienst befristet auf vier Wochen, schulische Förderung und vieles mehr angewendet werden.

Sie kümmern sich um Schulverweigerer und sind unter diesen wahrscheinlich nicht so beliebt. Gibt es trotzdem auch schöne Momente?

Wolf: Ja, das stimmt. Zu Beginn sind wir für den Jugendlichen ein Störfaktor. Sie merken jedoch recht schnell, dass die Kontinuität und Beziehung in der Betreuung als verlässliche Größe besteht. Wir sind bei Problemen schnell vor Ort und suchen dann gemeinsam nach Lösungen. Schöne Moment gibt es viele. Allein die Entwicklung des Einzelnen. Das Schönste ist natürlich, wenn das Kind oder der Jugendliche in den Schulalltag zurückfindet oder sein gesetztes Ziel, einen Schulabschluss, geschafft hat.

Gibt es eine Situation, die Ihnen nachhaltig in Erinnerung geblieben ist und am meisten beeindruckt hat?

Wolf: Einzelne Situationen kann ich hier eigentlich nicht beschreiben. An jeden Schulverweigerer, bei dem ich einen positiven Werdegang begleiten und unterstützen durfte, habe ich gute Erinnerungen. Zum Beispiel an die Abschlussfeier eines Jugendlichen, dessen Situation so verfahren war, dass an einen Schulabschluss nicht zu denken war. Durch eine enge Zusammenarbeit mit der Jugendwerkstatt schaffte er den Abschluss, entwickelte dort einen guten Teamgeist und hatte für sich Perspektiven entwickelt.

Was würden Sie Schülern gerne mit auf den Weg geben?

Wolf:Hilfen, die ihnen gewährt werden, anzunehmen, in den Schulalltag und vielleicht auch in den Klassenverband zurückzufinden und einen guten Schulabschluss zu schaffen.

Quelle: wa.de

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