Yourzz-Interview zum Tierpark: "Trubel gewohnt"

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Wiebke Holtmann (20) und Jan Richter (19) lieben ihre Arbeit im Hammer Tierpark. Verbesserungsvorschläge hören sie selten.

HAMM - Die Tierpark Hamm gGmbH musste vor dem Jahreswechsel den Tatsachen ins Auge blicken: Es ist einiges im Park zu machen. Nicht nur Gebäudemängel müssen beseitigt werden, auch die Auflagen der Amtstierärztin müssen erfüllt werden.

Warum der Tierpark trotzdem wichtig für Hamm ist und wie das Personal mit der Situation umgeht, erzählten die Auszubildenden Wiebke Holtmann (20) und Jan Richter (19) yourzz-Reporterin Carolin Drees im Gespräch.

Mit welchen Problemen hat der Tierpark Hamm derzeit zu kämpfen? Wie kann man diese beheben?

Wiebke: Wir haben vor allem mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Die Gebäude sind alt und müssen dringend renoviert werden. Das kostet natürlich eine Menge Geld. Außerdem haben wir Auflagen von der Amtstierärztin bekommen, die wir erfüllen müssen.

Jan: Wir sind bereits dabei, alles auf den neuesten Stand zu bringen. In den letzten Jahren hat sich einiges geändert. Die Tiere müssen heute anders gehalten werden als vor zehn Jahren. Da müssen wir einiges nachholen und das machen wir auch. Langsam fühlt sich auch die Stadt verantwortlich und will uns unterstützen.

Wie geht ihr mit der derzeitigen Situation um?

Jan: Ich nehme es so wie es kommt. Ich versuche, nicht viel darüber nachzudenken. Meine Ausbildung werde ich hier auf jeden Fall beenden. Danach muss ich gucken, was passiert und ob mir das neue Konzept überhaupt noch gefällt.

Wiebke: Dem kann ich nur zustimmen. Ich lasse mich überraschen und gucke, was die Zukunft mit sich bringt.

Was könnte man eurer Meinung nach verbessern und wie könnte man diese Ideen umsetzten?

Jan: Ganz klar ist, dass die Baumängel beseitigt werden müssen. Aber ansonsten habe ich an dem Tierpark Hamm nichts auszusetzen. Die Haltung der Tiere ist prima, wir haben einen engen Kontakt zu den Tieren und dadurch auch ein sehr gutes Verhältnis. Für uns ist es kein Problem, neben einem Tier im Gehege zu stehen und dieses einfach anzufassen. Dadurch werden auch Untersuchungen leichter. Wenn ein Tier zum Beispiel transportiert werden muss, ist es bei uns nicht nötig, dieses vorher zu sedieren. Die Tiere kennen das und sind Trubel gewöhnt, gerade auch, weil die Besucher sehr nah an die Gehege kommen.

Kommt es häufig vor, dass Besucher Kritik üben und zeitgleich auch Verbesserungsvorschläge liefern?

Wiebke: Viele Besucher denken, dass die Gehege für die Tiere zu klein sein. Das ist aber nicht der Fall. Es ist so, dass das Gehege für jedes Tier eine gewisse Mindestgröße haben muss. Das ist bei uns immer gegeben. Meistens sind sie sogar größer. Die meisten Besucher kritisieren den Park einfach nur, aber geben uns keine Ideen, wie wir es besser machen könnten. Jan: Bei uns ist es einfach so, dass die Gehege geschlossen sind. Dadurch wirken sie kleiner. Ein Gehege, das offen gestaltet wurde, wirkt einfach größer. Außerdem interpretieren die Besucher häufig das Verhalten der Tiere falsch und werfen uns vor, dass die Tier leiden würden oder Schmerzen hätten. Ein konkretes Beispiel ist unser, inzwischen leider verstorbenes Löwenweibchen. Bei den Löwen ist es üblich, dass das Männchen sein Revier durch Brüllen markiert. Nach dem Tod des Männchens hat das Weibchen dies übernommen. Einige unserer Besucher dachten, dass es dem Tier schlecht gehe, was natürlich nicht der Fall war. Es hat lediglich das gemacht, was es in freier Wildbahn auch gemacht hätte.

Warum findet ihr, dass der Tierpark für Hamm wichtig ist?

Wiebke: Zum einen ist es so, dass der Tierpark dieses Jahr 80 Jahre alt wird und somit die älteste Freizeiteinrichtung unserer Stadt ist. Außerdem kann man den Menschen hier die Tiere und den Artenschutz näher bringen. Einige haben wirklich gar keine Ahnung und sind total erstaunt, wenn sie einige Tiere hier sehen und diese gar nicht ihren Vorstellungen entsprechen.

Jan: Zu uns kommen viele Familien mit kleinen Kindern. Ich finde, dass für den Anfang ein kleiner Park ausreicht. Wer fährt schon mit seinem dreijährigen Kind zig Kilometer Auto, um einen Zoo zu besuchen? Aber wir haben auch viele Senioren, die hier her kommen, um zu entspannen und die sich hier wohl fühlen. Man ist in einer anderen Umgebung und kann den Alltag einfach mal vergessen.

Quelle: wa.de

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