Maren Göckler betreibt Work-and-Travel in Australien

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Warnung vor Dromedaren, Wombats und Kängurus: Maren Göckler und eine Freundin schossen ein Erinnerungsfoto.

HAMLEY BRIDGE - Acht Stunden Zeitunterschied, etwa 15.700 Kilometer Luftlinie und 35 Grad im Schatten: Das trennt die 19-jährige Abiturientin Maren Göckler momentan von ihrer Heimat Hamm. Seit Oktober 2013 macht sie ein Work-and-Travel in Australien, im Juni kommt sie wieder.

Über ihre Jobs und warum Stiere und Schafe für Irritation sorgen können sprach sie mit yourzz-Reporterin Ina Paulfeuerborn.

Warum bist du nach der Schule ins Ausland gegangen?

Maren Göckler: Eigentlich wollte ich direkt studieren, aber es gab da den Doppeljahrgang und ich konnte mich auch nicht zwischen Biologie und Biologie-Ingenieurswissenschaften entscheiden. Work-and-Travel hat mich schon immer interessiert, daher war ich im Mai auch bei einem zwanglosen Vortreffen einer Organisation, die einem dabei hilft. Für das Work-and-Travel-Jahr habe ich mich aber erst sechs Wochen vor Abflug entschieden.

Sechs Wochen sind ja ganz schön knapp, um alles Notwendige noch zu organisieren. Hat das denn alles geklappt?

Maren: Das gute war, dass ich das über eine Organisation gemacht habe. Die haben alles für mich erledigt, zum Beispiel haben sie das Visum beantragt und meinen Flug gebucht. Ich selbst musste dann nur noch für Australien einkaufen und habe ein paar Bücher über das Land verschlungen. Aber hätte ich alles selbst organisieren müssen, hätte das nicht geklappt. Da muss man dann eher anfangen.

Warum hast du ein Work-and-Travel einem Auslandspraktikum oder Au-pair-Jahr vorgezogen?

Zusammen mit Larissa Torney aus Salzgitter, die sie über eine Internetseite für Mitfahrgesuche kennengelernt hat, machte Maren Göckler einen Roadtrip an der Westküste entlang von Adelaide nach Perth. 145 Kilometer ging es nur geradeaus, begegnet sind sie nur wenigten Leuten.

Maren: Ich hatte erst überlegt, Work-and-Travel mit einem Praktikum zu verbinden. Aber Praktika sind in Australien nur schwer zu finden und man verdient wenig bis gar kein Geld. Und ich wollte gerne reisen. Viele Backpacker enden hinterher doch als Au-pair, weil sie keinen Job hier finden. Das hätte ich zur Not auch gemacht, aber dafür hätte ich nicht nach Australien gehen müssen. Australien bedeutet für mich Farmarbeit, das wollte ich auch erleben.

Wie war dein Start in Australien? Hattest du Schwierigkeiten?

Maren: Das erste Problem war der Jetlag nach 28 Stunden Flug. Wir kamen früh morgens in Sydney an, konnten aber vor Mittag nicht in das Hostel. Mit der Sprache lief eigentlich alles, man kommt da leicht rein. Und wenn nicht, fragt man eben nach. Die Aussies fragen auch mal: „Was wolltest du mir jetzt gerade sagen?“. Mit dem Klima gab es erst an Weihnachten Probleme. Wir lagen bei 35 Grad im Pool und die Weihnachtsbäume waren alle aus Plastik. Das richtige Feeling kam da nicht auf. Das größte Problem war dann tatsächlich, einen Job zu finden. Es gibt einfach zu viele Backpacker in Australien.

Welche Jobs hast du bisher gemacht?

Maren: Zu Beginn gab es erst einmal einen zweiwöchigen Sprachkurs. Danach habe ich dann versucht, einen Fruitpicking-Job zu bekommen, also Früchte auf Farmen pflücken. Leider lief die Saison schlecht, Arbeit wurde also nicht gebraucht. Ein Working Hostel hat mir schließlich einen Tagesjob als Unkrautjäter verschafft, der wurde aber sehr schlecht bezahlt. Vor Weihnachten habe ich dann eineinhalb Wochen bei einem älteren Ehepaar Kirschen gepflückt. Die haben mir auch meinen letzten Job auf einer Eierfarm in Südaustralien vermittelt.

Wie sah deine Arbeit auf der Eierfarm aus?

Pro Tag werden etwa 22.000 Eier von den Farmhühnern gelegt, die alle eingesammelt, aussortiert und in den Kühlraum gebracht werden müssen.

Maren: Ich habe da drei Monate bis letzte Woche gearbeitet. Die Farm hat 16 Ställe mit je etwa 2.500 Hühnern, die pro Tag zusammen 22.000 Eier legen. Die musste ich dann auf Risse überprüfen und aussortieren. Eigentlich sollen die Hühner ihre Eier in Nestboxen legen, die mit einem Fließband verbunden sind. Das machen sie natürlich nicht immer, also musste ich auch durch die Ställe gehen und dort suchen. Das war ein eintöniger Job, aber auch eine sehr gute Erfahrung. Und jetzt geht das Reisen los.

Bringst du den Australiern auch die deutsche Kultur näher?

Maren: Ja, auf jeden Fall. Meine Eltern haben mir zum Beispiel Eierfarben geschickt, dann habe ich zu Ostern mit den Kindern von Bekannten Eier gefärbt. Die hatten auch großen Spaß daran, aber sie trauen sich nicht, die Eier zu essen. Zum Abschied haben sie von mir auch typisch deutsche Süßigkeiten bekommen, davon waren sie ganz begeistert.

Was war dein schönstes beziehungsweise kuriosestes Erlebnis in „Down Under“?

Maren Göckler.

Maren: Zu sagen was das schönste war, ist schwierig, da gibt es viele Momente. Die richtig tollen Momente kommen jetzt bestimmt erst noch beim Reisen. Ich werde mir den Ayers Rock ansehen, durch den Regenwald wandern und tauchen ausprobieren. Kuriose Momente hatte ich allerdings einige. Die ersten zwei Monate auf der Eierfarm habe ich in einem Zelt gelebt, weil es keine Unterkunft für mich gab und eine Hütte auf einem Campingplatz zu teuer war. Da hat mir ein heftiger Regenguss das Zelt durchlöchert. Dann konnte ich zum Glück bei einer Kollegin schlafen. Einmal bin ich auch mit dem Auto von der Eierfarm zum Zeltplatz gefahren, da stand auf der menschen- und autoleeren Straße ein Auto mit Warnblinklicht am Rand. Ich bin dann mit 100 Stundenkilometer weitergefahren, um dann zu sehen, dass hinter dem Auto ein großer Stier stand. Dann bin ich auf die Bremsen gestiegen. Wäre der losgelaufen, als ich an ihm vorbeigefahren bin, wäre es das gewesen. Es kommt auch vor, dass ein Farmer seine Schafherde über die Straße treibt, da guckt man beim ersten Mal auch etwas doof, wenn der Schäfer sagt: „Fahr einfach langsam durch.“

Wie würdest du Australien in vier Stichworten beschreiben?

Maren: Groß, multikulti, heiß und viele Strände.

Hast du Heimweh? Was vermisst du am meisten?

Maren: Am meisten vermisse ich tatsächlich Brötchen und Brot. Die Aussies haben nur Toastbrot. Und Quark haben sie auch nicht. Heimweh habe ich nicht wirklich, nur kurz, als ich am Anfang keine Ahnung hatte, ob ich noch mal irgendwann einen Job finde. Aber so langsam freut man sich schon auf die Familie und Freunde, auf sein eigenes Bett und das Gefühl, zu Hause zu sein.

Was steht für dich nach deinem Work-and-Travel-Abenteuer an?

Maren: Ich muss mich entscheiden, was ich dann studieren möchte. Damit ist dann vielleicht auch ein Umzug in eine andere Stadt verbunden. Sobald ich wieder in Deutschland bin, kann ich eigentlich direkt mit den Uni-Bewerbungen anfangen.

Quelle: wa.de

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