Wunsch nach Anerkennung

Karl-Heinz Rhode über Diskriminierung: "Konzentration auf Stärken"

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HAMM - In einer Gesellschaft treffen die verschiedensten Charaktere und Kulturen aufeinander. Auf der einen Seite ist das sehr interessant, auf der anderen Seite trifft man aber auch auf Menschen, die einen diskriminieren. Im schlimmsten Fall wird man selber diskriminiert: wegen seines Alters, seiner Haarfarbe oder seiner Herkunft.

Karl-Heinz Rohde ist Vorsitzender des Förderkreises Bildung und Integration gem.e.V. im Hammer Norden. Im Interview mit yourzz-Reporterin Carolin Drees erzählt er, was seiner Meinung nach der Grund für Diskriminierung ist.

Was denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort Diskriminierung hören?

Karl-Heinz Rohde: Unter Diskriminierung verstehe ich die Benachteiligung von einzelnen Menschen und Gruppen. Diese findet auf allen Ebenen statt, in der Menschen miteinander umgehen.

Wie lässt sich Diskriminierung definieren?

Rohde: Hier lässt sich eine Vielzahl von Merkmalen zusammenfassen. Besonders auffällig empfinde ich Kriterien wie Nichtbeachtung, Herabsetzung, geringe Wertschätzung und ungleiche Behandlung von Menschen. Unser Grundgesetz schließt zwar Diskriminierung aus, aber im Alltag machen wir andere Erfahrungen. Den Medien entnehmen wir jeden Tag, dass die Verfassungsnorm von der Realität abweicht. Sowohl Behinderungen, Herkunft, Religion, soziale Gruppenzugehörigkeit, Aussehen, Neid, das soziale Umfeld, besondere Fähigkeiten und Kenntnisse als auch das Alter sind oft Kriterien, diskriminiert zu werden.

Man denkt häufig an ausländische Mitbürger, die wegen ihrer Herkunft diskriminiert werden. Wo begegnet uns Diskriminierung im Alltag noch?

Rohde: Wie bereits dargestellt, findet dieser Sachverhalt schon bei unterschiedlicher Bezahlung von Männern und Frauen, bei Zeitarbeit, Anteilnahme in öffentlichen Bereichen, also im gesellschaftlichen Rahmen statt. Was mir spontan einfällt, ist der Wunsch von Kindern und Jugendlichen, modisch und kommunikationstechnisch auch auf dem aktuellsten Stand zu sein, ansonsten ist man nicht „in“, sondern „uncool“.

Diskriminierung ist eigentlich vollkommen unnötig. Jeder sollte so akzeptiert werden, wie er ist. Warum kommt es trotzdem zu Diskriminierung?

Rohde: Menschen haben den Wunsch nach Anerkennung. Erfahren sie diese nicht, suchen sie oft in ihrem sozialen Umfeld, zum Beispiel im Stadtteil, in Gruppen, im Verein, in der Familie danach. Finden sie hier keinen Rückhalt, grenzen sie sich durch ihr Verhalten ab und werden nicht mehr akzeptiert. Es entsteht umgehend ein negativer Eindruck, der zur Diskriminierung führen kann.

Wie sollte man sich verhalten, wenn man diskriminiert wird, und wie kann man als Außenstehender Betroffenen helfen?

Rohde: Ich glaube, es ist ein Unterschied, ob ich eine Diskriminierung wahrnehme oder um Hilfe gebeten werde. Es gehört Mut und Umsicht dazu, aktiv in eine gerade stattfindende Diskriminierung einzugreifen. Man sollte sich nicht in Aggressionen einmischen und dabei selbst gegebenenfalls ein hohes Verletzungsrisiko eingehen. Es ist hier besser, Öffentlichkeit zu erzeugen. Bei Kontaktierung durch Betroffene sollte umgehend Verbindung mit einer professionellen Beratung aufgenommen werden. Begleitend ist es wichtig, dem Betroffenen aktiv zuzuhören, ihn zu stärken und zu unterstützen. In diesen Fällen bieten die Familie, Freunde, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen die ideale Basis.

Diskriminierung verletzt. Was würden Sie sowohl Betroffenen als auch Tätern gerne sagen?

Rohde: Es gibt ein altes deutsches Sprichwort, das diesem Sachverhalt gerecht wird: „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg’ auch keinem andern zu“. Die Konzentration auf Stärken und nicht auf Schwächen sollte im Vordergrund stehen!

Quelle: wa.de

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