50 000 Wörter sind ein Roman

ALTENA - „Es ist idiotisch, sieben oder acht Monate an einem Roman zu schreiben, wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann.“ Meinte mal Mark Twain. Ob Katja Salewski diesen Satz des Autors der Bücher über die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn kennt?

Tatsächlich hat das Mädchen nämlich keine Zeit verschwendet. In einem Monat – vom 1. bis zum 30. November – hat sie einen Roman verfasst.

„The Zantorian“ heißt ihr Werk, das in einer Fantasiewelt mit Drachen spielt. Hauptperson ist ein 17-jähriger Junge namens Aidan, der besondere Fähigkeiten hat. „Er ist ein bisschen wie Superman, aber die Magie ist in dieser Welt die Religion“, erzählt Katja Salewski, die beim „National Novel Writing Month“ mitgemacht hat.

Im Rahmen dieses Schreibprojektes, das 1999 von dem Amerikaner Chris Baty ins Leben gerufen wurde, versuchen jedes Jahr tausende von Menschen, innerhalb von 30 Tagen einen Roman mit mindestens 50 000 Wörtern zu verfassen. Manche geben auf, andere schaffen es tatsächlich – wie Katja Salewski. Und: Sie hat „The Zantorian“ in Englisch geschrieben. Sie liebt die Sprache und findet, dass es im Englischen viel mehr Wörter gibt, um Situationen genauer zu beschreiben. „Manche Wörter musste ich aber auch nachschlagen“, erzählt die Altenaerin lachend. Schon immer hat sie geschrieben: kleine Geschichten, Gedichte. „Aber ich habe die Sachen eigentlich nie zu Ende gebracht“, so die 17-jährige Gymnasiastin des Burggymnasiums Altena. Entdeckt hat Katja Salewski das Schreibprojekt bei einem England-Aufenthalt, als sie sich in einem Buchladen das Buch „Ready. Set. Novel“ kaufte – eine Art Arbeitsmappe und Hilfe, wie man eine Geschichte aufbaut, die Spannung hält, wichtige Passagen einsetzt. „Und hinten war ein kleiner Stempel mit dem Logo vom ‘National Novel Writing Month’ drauf“, erinnert sich die Schülerin, die den Druck, jeden Tag zu schreiben, eher positiv als belastend empfand. Manchmal hat sie früh morgens vor der Schule geschrieben – und konnte mit Hilfe einer Balkenstatistik genau nachvollziehen, wie viele Wörter sie wann geschrieben hatte. „In den ersten acht Tagen hatte ich die Hälfte schon geschafft“, schmunzelt die junge Autorin, die sich dadurch auch Luft für kleine Päuschen schaffte. „Es ging ja auch nicht darum, einen Bestseller zu schreiben, sondern die Geschichte tatsächlich fertig zu kriegen.“ Drachen spielen in „The Zantorian“ eine große Rolle. Sie halten die Balance zwischen guter und böser Magie. Und es gibt kein Happy End. „Das Ende bleibt offen“, verrät Katja Salewski, die mit einer Urkunde für ihr Durchhaltevermögen belohnt wurde. Veröffentlichen will Katja Salewski „The Zantorian“ übrigens nicht. „Im Moment liest es meine Familie. Das Feedback ist ganz gut, obwohl es wohl doch ein paar Logiklöcher gibt, die ich wohl noch mal überarbeite“, lacht das sympathische Mädchen, das durch den „National Novel Writing Month“ auch viel Kontakt zu anderen Schreibern hatte, diskutieren und sich austauschen konnte. „Es ist ein schönes Projekt

Quelle: wa.de

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