Uni-Horror: Zwischen Butterbroten und Prüfungsunordnungen

HAMM - Würde man alle diesjährigen Studienanfänger Nordrhein-Westfalens zusammentrommeln und an einem Ort leben lassen, so gäbe es eine Großstadt mehr auf der Landkarte.

Susanne Romanowski

Nach Angaben des statistischen Landesamtes haben sich rund 109.600 „Erstis“ zum Wintersemester 2013/2014 an den Universitäten eingeschrieben. Und das sind bloß die Neulinge, die zu den Studenten höherer Semester noch dazukommen, Doppeljahrgang sei Dank. Unter den neuen Studenten ist auch der 18-jährige Selmin Bajric aus Hamm, der gerade sein Linguistik-Studium an der Universität Paderborn aufgenommen hat. Trotz seines Abiturs am Märkischen Gymnasium, dessen Schülerzahlen sich stets im vierstelligen Bereich bewegen, war er doch „überrascht von der Größe der Uni und der hohen Anzahl der Studenten dort“.

Seit der Umstellung auf das gestufte Bachelor-Master-System kommen viele Vorwürfe im Bezug auf Einschränkungen und „verschulten Stundenpläne“ auf. Vor allem Studienanfänger der Geisteswissenschaften fühlen sich jedoch oft überfordert von den Freiräumen, die ihnen in der Stundenplangestaltung eingeräumt werden. Freiräume, die stets mit studienrelevanten Konsequenzen verbunden sind. „Die größte Umstellung zur Schule war eindeutig die Selbstständigkeit. Man wird quasi ins kalte Wasser geworfen und muss selbst schauen, dass man klar kommt“, ergänzt Selmin. Auch die gelassenen Studenten, die schon einige Jahre an der Universität verbracht haben, werden sich wohl nur zu gut an die ersten orientierungslosen Wochen auf dem Campus erinnern können. „Die Anonymität an der Uni gefällt mir nicht. Man ist mit so vielen Menschen in einem Hörsaal, aber kennt kaum jemanden. Selbst die Dozenten sind einem unbekannt“, sagt Selmin weiterhin. Im Vergleich zur Klassengemeinschaft an der Schule ist die Anonymität ein zwangsläufig Teil des Campus-Lebens. Vermeidbar hingegen sind die „überfüllten Züge und Bus-Linien, die zur Uni beziehungsweise zum Bahnhof fahren“, unter denen vor allem Pendler wie Selmin leiden. Die Zahl der Studienanfänger wird größer, der Zuwachs betrug in diesem Semester knapp 7,8 Prozent, Tendenz steigend. Dass die Infrastruktur sich dem anpassen muss, steht außer Frage, aber über Nacht ist das nicht möglich.

Sich an die Uni und ihre Eigenheiten zu gewöhnen braucht Zeit. Mehr Zeit, als den „Erstis“ aktuell eingeräumt wird, meint Selmin: „Ich wäre eindeutig für längere Orientierungswochen, die einen besser über das Studium und den Campus aufklären. Es hilft aber sicher auch, sich vorher zu informieren und die Uni vorher anzuschauen.“ Doch Überforderung inmitten von Zugausfällen, Überfüllung und einschüchternden Dozenten schweißt die Studienanfänger zusammen. An eine Situation muss Selmin bereits jetzt mit einem Grinsen denken. „Die Dozentin klärte uns über Prüfungsordnungen auf und darüber, wie man dieses Seminar bestehen kann. Dabei brachte sie diesen Spruch: 'Ich würde euch nicht empfehlen in meinem Seminar eine Klausur zu schreiben, es wird nicht einfach. Aber übrigens, hier schreibt jeder eine.'“

Quelle: wa.de

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