Yourzz-Interview

Ungarin Julianna Siman über ihr Studium in Hamm

+
Julianna Siman ist für den Masterstudiengang nach Hamm gekommen.

HAMM – Mit der Abschlussnote 1,0 hat die gebürtige Ungarin Julianna Siman ihr BWL-Studium in ihrer Heimat abgeschlossen. Weil sie zu einer der besten Studentinnen des Landes gehörte, erhielt sie ein goldenes Ehrenzeichen. Heute studiert die 25-Jährige Management Energiewirtschaft an der SRH Hochschule für Logistik und Wirtschaft.

Im Interview mit Marc Borgmann erklärt sie, warum sie bereits nach einem Jahr fast perfekt Deutsch spricht und welche Punkte ihrer Meinung nach für ein Studium in Deutschland sprechen.

Warum hast du dich dafür entschieden, dein Masterstudium in Hamm zu machen?

Julianna: Vor sechs Jahren habe ich in Ungarn meinen heutigen Freund kennengelernt, der gebürtig aus Hamm kommt. Er hat in Budapest seine medizinische Ausbildung gemacht. Nach seiner Abschlussprüfung mussten wir uns überlegen, ob wir unser Leben in Ungarn oder in Deutschland fortsetzen wollen. Die Entscheidung war fast eindeutig. In Deutschland haben wir beide einfach viel mehr Möglichkeiten. Ich wusste aber auch, dass ich hier zu Beginn viele Schwierigkeiten haben würde, allein wegen der Sprachkenntnisse.

Du sprichst fast perfekt Deutsch. Wie hast du dich auf dein Leben in Deutschland vorbereitet?

Julianna: Als mir klar geworden ist, dass ich meine Zukunft in Deutschland verbringen möchte, habe ich die Sprache autodidaktisch, also eigenständig zu Hause, gelernt. Ich wollte mein Sprachniveau schnell verbessern, um neue Freunde kennenzulernen und mich in der Gruppe integrieren zu können. Der größte Schritt war, als ich mein Studium angefangen habe und dort jeden Tag Deutsch sprechen musste. Aber ich lese zu Hause viele Bücher – das hilft mir sehr.

Welche Punkte sprechen deiner Meinung nach für ein Studium in Deutschland?

Julianna: Ein Studium öffnet dem Menschen immer neue Tore. Man lernt viele neue Menschen kennen, eine neue Sprache und eine andere Kultur. Hier in Deutschland sind die Zukunftsperspektiven, die Weiterbildungsmöglichkeiten und auch die Arbeitsqualität und das Gehalt deutlich besser. In Ungarn haben Akademiker aufgrund der wirtschaftlichen Situation momentan kaum Möglichkeiten, einen guten Job mit guten Perspektiven zu bekommen. An der SRH gibt es außerdem viele Möglichkeiten, Praktika zu absolvieren, um Berufserfahrung zu sammeln. Ich habe bereits ein dreimonatiges Praktikum bei einem Energieversorger in Beckum gemacht, wo ich das ganze Unternehmen kennenlernen durfte.

Warum hast du dich nach deinem BWL-Studium für ein Studium in der Energiewirtschaft entschieden?

Julianna: Den Energiebereich fand ich schon immer sehr interessant, aber in Ungarn gibt es keine Universitäten oder andere Hochschulen, an denen man die Möglichkeit hat, in diesem Bereich zu studieren. Es gibt nur kurze Ausbildungen, die etwa ein Jahr dauern. Deshalb habe ich ein Bachelorstudium in BWL mit den Schwerpunkten Handel und Marketing gemacht. Bevor ich mein Studium an der SRH anfangen konnte, musste ich dann aber noch Prüfungen im Bereich der Energie- und Versorgungswirtschaft nachholen.

Kann man das ungarische Studium mit dem deutschen vergleichen? Wie verhält sich das mit dem Schwierigkeitsgrad?

Julianna: In Ungarn habe ich mit 200 Kommilitonen in meiner Muttersprache beziehungsweise auf Englisch studiert. Deswegen war es für mich einfacher. Der Vorteil hier in Hamm ist der der kleinen Gruppen. Die Professoren sind sehr aufmerksam. Wenn wir etwas nicht verstehen, können wir sofort nachfragen oder es auch nach der Vorlesung mit ihnen besprechen. Auch müssen wir sehr viele Vorträge halten, wodurch wir auf das spätere Berufsleben optimal vorbereitet werden. In Ungarn dagegen hatte ich im Bachelor in manchen Fächern auch zwei oder drei Klausuren, dafür musste ich aber nur selten präsentieren oder Seminararbeiten schreiben. Insgesamt ist das sehr schwierig zu vergleichen, weil die Fächer damals eher wirtschaftsspezifisch waren und jetzt energiespezifisch sind. Außerdem kann man in kleineren Gruppen einfach viel besser und schneller lernen. Da wird jeder gefordert.

Abschließend: Was vermisst du an deiner Heimat?

Julianna: Das gute Wetter. Hier regnet es leider sehr oft. Ich hatte in Ungarn keinen Regenmantel - hier habe ich schon zwei.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare