Hammer Oberarzt im Interview

Shisha-Rauchen: ungesunder Trend unter Jugendlichen

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Shisha-Rauchen ist nicht gesünder als das Rauchen von Zigaretten, erklärt Dr. Brunnberg.

HAMM - Man geht davon aus, dass bis zu 40 Prozent aller Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren schon einmal eine Wasserpfeife geraucht haben. Man könnte schon bald von einem Trend sprechen. Dabei ist dieser nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

„Der Mythos, dass das Shisharauchen gesünder sei als das normale Rauchen, ist ein Trugschluss“, erklärt Dr. Stefan Brunnberg (37), Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im EVK Hamm. Im Interview mit yourzz -Reporterin Carolin Drees klärt der Mediziner auf.

Immer häufiger sieht man Jugendliche in verqualmten Shisha-Bars, sie finden das also offensichtlich cool. Was könnte der Grund dafür sein?

Dr. Brunnberg: Das Rauchen einer Shisha scheint momentan „trendy“ zu sein und einer gewissen Gruppendynamik zu unterliegen. Auch weil unter den Jugendlichen die Schädlichkeit des Shisharauchens fälschlicherweise als gering eingeschätzt wird, nimmt der Wasserpfeifenkonsum auf der Beliebtheitsskala stark zu. Dazu tragen nicht zuletzt auch die Arten der angebotenen Fruchttabake bei. Geschmacksrichtungen wie Apfel, Cola oder Erdbeere suggerieren eine scheinbare Unbedenklichkeit im Konsum.

Es gibt den Mythos, dass das Rauchen einer Wasserpfeife gesünder sei als das normale Rauchen. Trifft das zu?

Dr. Stefan Brunnberg

Dr. Brunnberg: Dies ist ein Trugschluss. Allerdings sind beide Arten des Tabakkonsums hinsichtlich der gesundheitlichen Gefährdung nicht ganz einfach zu vergleichen. Grundsätzlich enthalten der Wasserpfeifen- und der Zigarettenrauch die gleichen suchtgefährdenden und gesundheitsschädlichen Substanzen. Die Höhe einer Dosis beim Rauchen der Wasserpfeife hängt von der Art, Dauer und Häufigkeit des Konsums ab. Shisha wird in der Regel nicht so häufig geraucht wie Zigaretten, dafür aber sehr lange und intensiver. Obwohl Fruchttabake weniger Nikotin enthalten, wurde nach dem Rauchen der Fruchttabake eine höhere Nikotinkonzentration im Blut gemessen als nach Zigarettenkonsum.

Was ist der Unterschied zwischen dem Rauchen einer Shisha und dem einer Zigarette?

Dr. Brunnberg: Das Rauchen einer Zigarette dauert etwa fünf bis zehn Minuten. Das Rauchen einer Wasserpfeife dauert durchschnittlich 50 Minuten. Eine Shisha wird nicht so häufig wie eine Zigarette geraucht, dafür wird beim Shishakonsum wesentlich tiefer inhaliert. Grund dafür ist die unterschiedliche Temperatur in der Glutzone: etwa 800 bis 900 Grad Celsius bei der Zigarette und etwa 400 Grad Celsius bei der Wasserpfeife. Sowohl der Zigarettenrauch als auch der Rauch aus der Wasserpfeife beinhalten prinzipiell die gleichen suchtgefährdenden und gesundheitsschädlichen Substanzen Nikotin, Teer und Kohlenmonoxid. Einige Schadstoffe, beispielsweise Nikotin oder Kohlenmonoxid, kommen im Wasserpfeifenrauch in größeren Mengen vor als im Zigarettenrauch. Shishatabak enthält über 4000 verschiedene Bestandteile, von denen 69 als krebsauslösend gelten. Ein erheblicher Teil der giftigen Verbindungen entsteht erst während des Verbrennungsprozesses. Zudem unterscheiden sich Zigaretten- und Shisharauch stark in ihrem Gehalt an Arsen, Chrom, Kobalt, Blei und Nickel. Im Shisharauch wurden um vielfach höhere Werte gemessen.

Was sind die gesundheitlichen Folgen? Begleiten sie einen ein Leben lang?

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Dr. Brunnberg: Ein langjähriger Wasserpfeifenkonsum kann die Lungenfunktionen verschlechtern und erhöht das Risiko, an Tumoren zu erkranken. Mit dem Shisharauchen können tiefere Lungenbereiche erreicht und geschädigt werden. Die Schädlichkeit ist wie bei allen Giften dosisabhängig. Frauen, die während der Schwangerschaft Wasserpfeife rauchen, gefährden die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes erheblich. Ein erhöhtes Tumorrisiko trägt jeder Raucher über viele Jahrzehnte in sich. Eine weitere potenzielle Gefahr für die Gesundheit besteht in der gemeinsamen Nutzung des Schlauches. Hierdurch könnten Infektionskrankheiten wie Hepatitis oder Herpes übertragen werden.

Was kann man gegen diesen Trend tun?

Dr. Brunnberg: In Bezug auf den Gebrauch der Wasserpfeife und deren gesundheitliche Folgen besteht in der Bevölkerung ein großes Aufklärungsdefizit. Generell sollte angestrebt werden, den Erstkontakt mit der Shisha möglichst lange hinauszuzögern, da ein früher Einstieg das Suchtpotential erheblich erhöht. Wenn ohnehin schon konsumiert wird, ist es empfehlenswert, genussvoll und mit großen Abständen zu konsumieren und tiefes Inhalieren zu vermeiden. Eltern und andere Bezugspersonen sollten sich mit den Jugendlichen über die Konsummotive des Shisharauchens unterhalten und ihnen die oben genannten Risiken verdeutlichen. Es sollte gemeinsam versucht werden, Regeln für einen maßvollen Konsum zu finden.

Was würden Sie als Mediziner Jugendlichen, die Wasserpfeife oder Zigaretten rauchen, gerne mit auf den Weg geben?

Dr. Brunnberg: Erfahrungsgemäß ist es oft wenig erfolgversprechend, Dinge zu verbieten. Aus diesem Grund würde ich mir wünschen, dass möglichst viele Jugendliche zu der Einsicht kommen, dass sie mit dem Nikotin und Tabakkonsum sich und ihrem Körper keinen Gefallen tun. Ein junger, gesunder Körper kann viele schädigende Einflüsse über einen langen Zeitraum kompensieren. Unabhängig von dem hohen Suchtrisiko treten viele der gesundheitlichen Probleme oft erst nach Jahren auf, sind dann unumkehrbar und im schlimmsten Fall existenzgefährdend.

Quelle: wa.de

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