Hui oder pfui? Schulessen im Quali-Preis-Test

+
Friedensschule: Zwischen Salatbar, Nudelstand und Nachtisch findet sich für muslimische Schüler eine Mahlzeit ohne Schweinefleisch. Bezahlt wird mit Essensmarken. Das Bild zeigt die dort servierten Köttbullar.

HAMM - Die Mensa - einst Universitäten, Unternehmen und Internaten vorbehalten - hält Einzug in den Schulalltag. Durch die große Verbreitung offener Ganztagsschulen verbringt mittlerweile eine Mehrheit der Schülerschaft den Nachmittag im Klassenraum. Und die ist hungrig.

Von yourzz-Reporterin Susanne Romanowski

Märkisches Gymnasium: In der Mensa, die sich das MGH mit der Friedrich-Ebert-Realschule teilt, gibt es jeden Tag eine kleine Auswahl an warmen Mahlzeiten. Snacks für zwischendurch gibt es am Kiosk.

„Vor Ort bietet jede Offene Ganztagsschule (OGS) und jede weiterführende Schule mit Nachmittagsbetrieb ein warmes Mittagessen an“, sagt Christian Strasen, Pressesprecher der Stadt Hamm. Die Auswahl in den Schulen ist unterschiedlich. Die Mensa im Schulzentrum West versorgt die Schüler des Märkischen Gymnasiums, der Friedrich-Ebert-Realschule und des Elisabeth-Lüders-Berufskollegs seit Januar 2012 mit kalten und warmen Speisen.

An den Schulen wird das unterschiedliche Essverhalten der Schüler ebenfalls berücksichtigt – eine vegetarische Mahlzeit und ein Gericht ohne Schweinefleisch stehen immer auf dem Speiseplan. Ein Getränk und ein kleiner Nachtisch gehören für gewöhnlich ebenfalls zur Hauptmahlzeit dazu. In immer mehr Mensen gibt es einen Stand, an dem sich Schüler selbst einen Salat zusammenstellen können. Das Klischee der reinen Pommes-Schnitzel-Kantinen hat ausgedient. Oder?

Gymnasium Hammonense: Das Kantinenessen des Hammonense Gymnasiums sieht nicht nur vollkommen zufriedenstellend aus, sondern es schmeckt auch. Außerdem ist es preiswert und so für jeden Schüler bezahlbar.

Der Fokus auf gesunde, möglichst saisonale und regionale Zutaten findet sich auch in den Qualitätsstandards für die Schulernährung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung wieder. Die Idealvorstellung von der nahrhaften Bio-Mahlzeit zu erfüllen, stellt die Schulen jedoch vor große Herausforderungen. Der Spagat zwischen Qualität und niedrigen Preisen ist kaum zu schaffen. „In OGS-Einrichtungen kostet das Essen in Hamm nicht mehr als drei Euro, an weiterführenden Schulen kann der Preis auch leicht darüber liegen, je nach Art der Anlieferung und Verarbeitung der Speisen“, so Christian Strasen weiter.

Freiherr-vom-Stein-Gymnasium: An Tagen mit Nachmittagsunterricht gibt es für die betroffenen Schüler eine Auswahl an warmen Mittagessen. In der Cafeteria gibt es täglich neben belegten Brötchen auch warme Snacks für die Pause.

2013 führte der WDR bei Lehrern und Schülern eine Umfrage zur Qualität des Schulessens durch – mit zum Teil erschreckenden Ergebnissen. Gesunde, selbst zubereitete Mahlzeiten in den Mensen NRWs sind noch lange keine Selbstverständlichkeit. Nur in knapp 17 Prozent der befragten Schulen wird mit frischen Zutaten gekocht, andernorts werden die Gerichte aus gut 50 bis 100 Kilometern Entfernung hergefahren und oft über Stunden warm gehalten.

Landschulheim Schloss Heessen: Der Speiseplan wird zusammen mit einer Ökotrophologin erstellt: Neben Salatbar, vegetarischem Menü und Fleischgericht gibt es einmal pro Woche auch Fisch.

Eine solche Handhabung der Speisen schlägt sich auch im Urteil der Schüler wieder. Rund 60 Prozent gaben an, dass ihnen das Essen schlichtweg nicht schmeckt.

Die Hammer Schüler berichten jedoch nicht nur von negativen Meinungen. Das Essen sei jeden Tag unterschiedlich gut – und das liegt nicht bloß an der Wertigkeit des Essens, sondern einfach auch am persönlichen Geschmack.

Serviert an der Friedensschule: „Fisch mit Reis und Remoulade“.

Um die Qualität der Mahlzeiten und die Zufriedenheit der Mensabesucher zu steigern, ergreift das Landschulheim Schloss Heessen ganz eigene Maßnahmen. Der Speiseplan wird dort gemeinsam mit einer Ernährungswissenschaftlerin beraten und zusammengestellt.

Neben den Mensen macht beispielsweise die Caféteria des Märkischen Gymnasiums einen guten Eindruck. Immer häufiger gehen dort belegte Vollkornbrötchen und frisches Obst über die Theke. Ist gesunde Ernährung zwischen Mathe und Englisch doch keine Utopie? Es bleibt abzuwarten, der tägliche Mensabetrieb an den Hammer Schulen hat schließlich gerade erst begonnen.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare