Schüler diskutieren: Handyverbot sinnvoll?

HAMM - Seit Jahren gibt es an vielen Schulen ein generelles Handyverbot. Die Schüler sind damit nicht zufrieden, ihr Handy wollen sie keineswegs zu Hause lassen. Vor allem in Zeiten, in denen immer mehr Schulen darum bemüht sind, den Schülern den richtigen Umgang mit Medien beizubringen, könnte das Verbot als Widerspruch aufgefasst werden.

Wann und unter welchen Voraussetzungen Handys erlaubt sein sollten, erzählten Joanna Grodon (14), Schülerin der Marienschule, Nick Kusch (17), Schüler der Friedensschule, und Yigithan Küllü (19), Schüler des Märkischen Gymnasiums, im Interview mit den yourzz-Reportern Tim Mielke, Andreas Grabowski und Carolin Drees.

An den meisten Schulen herrscht ein generelles Handyverbot. Wie sinnvoll ist das? 

Nick: Ich finde das Verbot bizarr und unverständlich. Es wird immer wieder der Umgang geprägt und in manchen Schulen sind sogar Lücken in der Schulordnung. Dass das Handy im Unterricht nicht zu benutzen ist, ist verständlich, aber in der Freizeit beziehungsweise in der Pause ist das Verbot ziemlich unverständlich. Es sollte eine einheitliche Regelung beschlossen werden, womit alle zufrieden gestellt werden.

Joanna Grodon.

Joana: Ich finde es nicht sinnvoll, ein solches Verbot zu haben, da der Umgang, wie es in der Frage bereits erwähnt wurde, mit Medien an Schulen immer weiter gestärkt wird. Nur im Unterricht finde ich ein Verbot jedoch sinnvoll, das Handy kann dann ganz schön vom Lerninhalt ablenken. In den Pausen, die ja auch quasi „Freizeit“ sind, verstehe ich ein Handyverbot nicht. Es wäre schon allein ein Vorteil, das Handy in der Pause nutzen zu können, um fehlende Mitschüler über den Inhalt der letzten Stunde zu informieren, damit sie das schnellstmöglich nachholen können.

Yigithan: Ich halte nichts von einem generellen Handyverbot. Es muss klare Anweisungen geben, wann das Handy genutzt werden darf und welche Konsequenzen bei Nichtbeachten folgen. Dann steht der Handynutzung in der Schule meiner Meinung nach nichts mehr im Weg.

Wie könnte man das Handy in den Schulalltag einbauen? Wann sollte man Handys nutzen können und welche Regeln sollte man aufstellen, damit dies realisierbar ist? 

Joana: Auf jeden Fall sollte man das Handy nur im Unterricht benutzen dürfen, wenn der Fachlehrer dies auch erlaubt. Man könnte das Handy dann zum Beispiel für Recherchezwecke benutzen, wenn nicht genug Schulcomputer zur Verfügung stehen. Das würde zum Erstellen eines Referats beitragen. Zu Hause informiert man sich ja auch größtenteils über das Internet. Außerdem sollte, wie bereits erwähnt, das Handy in der Pause zur Verfügung stehen und wichtige Telefonate, zum Beispiel bei familiären Angelegenheiten, sollte man empfangen dürfen.

Yigithan Küllü.

Yigithan: Die Nutzung im Unterricht sollte man eigentlich unterlassen. In Fächern wie Mathe bringt das Handy allgemein eh wenig. Bei Fremdsprachen kann das Smartphone jedoch durchaus sinnvoll sein. Man kann viel einfacher Wörter nachschlagen und käme so schneller durch den Unterricht. Pflicht sollte es jedoch sein, den Lehrer vorher um Erlaubnis zu bitten.

Nick: Handy im Schulalltag klingt mehr oder weniger sinnvoll. Medienkompetenz ist ein wichtiger Bestandteil in unserer heutigen Gesellschaft. Aber nicht jedes Handy erfüllt gleiche Ansprüche, so sollte man lieber eine einheitliche Tablet-Klasse einrichten.

Welche Konsequenzen wären bei einem Verstoß sinnvoll? 

Yigithan: Das Handy muss bei Verstößen bis zum Ende der Stunde einkassiert werden. Bei Wiederholungstätern sollen Lehrer die Eltern informieren. Im Allgemeinen können die dann härter durchgreifen und ihre Kinder da bestrafen, wo es wirklich was bringt.

Nick Kusch.

Nick: Bei einem Verstoß ist die Wegnahme eine heikle Sache, da die Schüler ihr Handy meistens nur ungern in andere Hände geben. Am sinnvollsten fände ich einen Schrank, in dem man sein Handy für die Stunde, in der man erwischt wurde, hineinlegt, um es nach der Stunde wieder herausholen zu dürfen. Somit gibt es weniger Komplikationen und Konfliktpotenzial.

Joana: Es ist, meiner Meinung nach, nicht akzeptabel, dass Handys einkassiert werden. Es trägt nicht zum Besserungsprozess bei und die Tat wird wiederholt. Wenn man gegen eine Regel verstößt, sollte man etwas Gemeinnütziges leisten, davon hätte dann jeder was und der „Täter“ hätte auch eine gerechte Strafe.

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa-tmn

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