Riskanter Rausch: Offenes Gespräch über Alkohol im Archi

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Niels setzte die Rauschbrille auf und merkte, wie sich der Blick verändert. Gar nicht so einfach, Nathalie auf Anhieb die Hand zu geben und nicht danebenzugreifen. Bianca Möhlmeier (Mitte) und Davina Kodewitz informierten die Archi-Schüler gestern über das Thema Alkohol.

SOEST - Man hört es. Oder man liest es in der Zeitung: Ein Mann ist nachts im Park erfroren. Er hatte getrunken und ist dann eingeschlafen, der Tod kam im Schlaf. „Das alles ist weit weg. Das kann mir nicht pasieren“, wird sich vielleicht mancher der Schüler gedacht haben, die gestern in der Archi-Aula zusammensaßen. Bianca Möhlmeier aber sprach Klartext.

Die Mitarbeiterin der „Tour des Lebens“ kam gemeinsam mit Davina Kodewitz von der AOK zum Gymnasium, um mit den Acht- und Neuntklässlern über das Thema Alkohol zu reden.

Was heißt es, sich ab und zu ein Bierchen zu gönnen? Was bedeutet es, sich eine halbe Pulle Wodka zu genehmigen oder mehrere Lagen Tequilla und Rum zu kippen? Wie reagiert der Körper? Wie tückisch ist Hochprozentiges? Wann verliere ich die Kontrolle? Wie riskant ist es, regelmäßig zur Flasche zu greifen? Macht Schnaps vielleicht mutig? Oder müde?

Wohlige Wärme – aber nur für den Augenblick

Fest steht: In jedem Rausch stecken Gefahren. Bianca Möhlmeier nannte praktische Beispiele aus dem Alltag. Mag sein, dass ein vermeintlich guter Schluck im ersten Momen wohlige innere Wärme bringt. Allerdings nimmt auch die Kälteempfindlichkeit ab. Somit wird klar, dass angebliche „Schauergeschichten“ schnell zur Wirklichkeit werden können. Die Blutgefäße erweitern sich, die äußeren Hautschichten werden stärker durchblutet“, erläuterte Bianca Möhlmeier den kurzfristigen Wärmeschub und die möglicherweise verhängnisvollen Folgen, wenn jemand beispielsweise im Freien einnickt.

Es ging gestern auch um „Sex und Drogen“ – so klar brachte es die Referentin auf den Punkt. Sie ist häufig in Schulen zu Gast, und sie erfährt immer wieder, wie wichtig den Klassen ein offenes Gespräch ist. Häufig hört sie Fragen, die Jugendliche ihren Eltern einfach nicht stellen möchten. Sie trauen sich nicht.

Locker werden, gut drauf sein, den Frust herunterspülen, ein Fest in vollen Zügen genießen: Gründe, das Glas zu heben, gibt’s offenbar viele. „Dass auch Jugendliche im 8., 9. Schuljahr Alkohol ausprobieren möchten, ist eigentlich normal“, schilderte gestern Marcus Roß, stellvertretender Schulleiter des Archi, „doch sie müssen lernen, damit umzugehen.“ Der Unterricht mit Bianca Möhlmeier und Davina Kodewitz ist ein Beitrag zur Prävention.

Der Leitgedanke der „Tour des Lebens“: „Drogen, Gewalt, Alkohol und Sex sind heutzutage Themen, die jedem Schüler bewusst sind, aber zur Überforderung führen.“ Fehlende Erfahrungen und mangelde Informationen führten häufig zu sehr prelären Verhaltensweisen. Aufklärung müsse einfach Spaß machen, meinen die Initiatoren. - Köp.

Quelle: wa.de

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