Nur 23 Prozent in NRW besitzen Organspendeausweis

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Beate Hanak von der Techniker Krankenkasse.

HAMM - 10.656 Menschen warten derzeit auf ein Organ, ohne das sie nicht weiterleben können. Organspende ist ein wichtiges Thema, mit dem sich noch immer viel zu wenig Menschen auseinandersetzen. Das findet auch Beate Hanak, Pressereferentin der Techniker Krankenkasse.

Im Gespräch erzählte sie yourzz-Reporterin Carolin Drees, was man über Organspende wissen muss und warum auch Jugendliche eine Entscheidung treffen sollten.

Wer kommt als Spender in Frage?

Hanak: Grundsätzlich kommt jede Person für eine Organ- oder Gewebespende in Frage. Eine feste Altersgrenze gibt es nicht, weder nach oben noch nach unten. Entscheidend ist das biologische Alter und nicht das kalendarische. Es kommt hauptsächlich auf den allgemeinen Gesundheitszustand des Spenders an. Es gibt aber gewisse Krankheiten, die die Spendefähigkeit beeinflussen oder gar ausschließen, zum Beispiel eine nachgewiesene HIV-Infektion, andere, nicht behandelbare Infektionskrankheiten oder Tumorerkrankungen.

Welche Organe können gespendet werden?

Hanak: Organe, die man spenden kann, sind das Herz, die Lunge, die Leber, die Nieren, die Bauchspeicheldrüse und der Dünndarm. Es ist aber auch wichtig zu wissen, dass man Gewebe spenden kann. Darunter fallen Herzklappen und -gefäße, die Augenhornhaut, Sehnen, Knochen, Haut und Bindegewebe.

Wer ist der Empfänger der gespendeten Organe?

Hanak: Wenn ein Mensch seine Organe spendet, gibt es nicht nur einen Empfänger. Ein Spender kann bis zu sieben schwer kranken Menschen die Chance auf ein neues, gesundes Leben schenken. Im Durchschnitt sind es allerdings drei. Grundsätzlich sind die Empfänger Menschen, die eine Erkrankung haben, die zum Organversagen und somit zum Tod führt. Eine Gewebetransplantation bekommen Menschen, deren eigenes Gewebe einen Defekt hat, der nur durch eine Transplantation beseitigt werden kann.

Muss man alle seine Organe spenden oder kann man die Spende einschränken?

Hanak: Im Organspendeausweis kann festgelegt werden, welche einzelnen Organe und Gewebe im Falle des eigenen Todes entnommen werden dürfen.

Wie viele Menschen sind im Durchschnitt bereit, ihre Organe zu spenden und wie viele Menschen brauchen dringend ein neues Organ, um zu überleben?

Hanak: Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse stehen 74 Prozent der Menschen in NRW dem Thema positiv gegenüber. Es haben aber lediglich 23 Prozent einen Organspendeausweis, bundesweit sind es sogar nur 21 Prozent. Viele Menschen wissen einfach zu wenig, um sich für eine Organspende zu entscheiden. Außerdem haben wir mit den Wartelistenskandalen zu kämpfen. Diese führen nämlich dazu, dass sich viele Menschen gegen eine Spende im Falle ihres Todes entscheiden. Dabei warten bundesweit 10 656 Menschen auf ein lebensrettendes Organ. Davon sind 139 Patienten noch jugendlich, also noch unter 18 Jahre.

Warum ist es auch für Jugendliche wichtig, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen?

Hanak: Jugendliche denken verständlicherweise noch nicht über den Tod nach und haben sich deshalb auch meistens noch nicht mit dem Thema „Organspende“ beschäftigt. Kaum ein Jugendlicher weiß, dass dies auch ihn plötzlich betreffen kann und dass es möglich ist, sich bereits mit 14 Jahren verbindlich gegen und mit 16 Jahren für eine Organ- und Gewebespende auszusprechen. Als Organspender kann man Leben retten, deshalb ist es wichtig, sich schon so früh wie möglich eine eigene Meinung zu bilden. Darüber hinaus entlastet man seine Angehörigen, die im Todesfall über eine Organspende entscheiden müssen, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten keine Entscheidung getroffen hat.

Was haben Sie abschließend zur „Organspende“ zu sagen?

Hanak: Man sollte sich vor der Entscheidung umfassend mit dem Thema auseinandersetzen, denn je umfassender man informiert ist, desto fundierter kann man sich eine Meinung bilden. Außerdem beeinflussen Ängste und Zweifel die Entscheidung weniger. Die Bereitschaft zur Organspende ist eine ganz persönliche Angelegenheit, deshalb gibt es auch kein „richtig“ oder „falsch“. Man kann zu jeder Zeit einen Ausweis ausfüllen und seine Meinung auch zu jeder Zeit wieder ändern. Es ist aber wichtig, immer einen ausgefüllten Organspenderausweis bei sich zu haben, da es keine Datenbank gibt, in der spendenwillige Personen aufgenommen werden. Einen Ausweis kann man kostenlos im Internet downloaden. Häufig findet man sie aber auch bei seinem Arzt oder in der Apotheke.

Quelle: wa.de

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