Neues Album "Mordsmusik"

Naidoo provoziert mit Songs über das Töten

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Xavier Naidoo legt mit dem neuen Album "Mordsmusik" sein Softie-Image ab.

Berlin - Zum Star wurde Xavier Naidoo mit sanftmütigen Soul-Balladen. Jetzt lässt er seine harte Seite auf die Zuhörer los: Er singt über Gewalt und Töten.

Xavier Naidoo wird vom Pop-Prediger zum Provokateur. Sein neues Album heißt „Mordsmusik“, ist voller hämmernder Techno-Beats und handelt von Tod, Rache und Verzweiflung. Er lote schon lange aus, „wann ein normaler Mensch zum Mörder wird, wie überschreitet man diese Grenze?“, sagt Naidoo. Zur besseren Trennung von seinem bisherigen Werk bringt er das Album unter dem Pseudonym „Der Xer“ heraus.

Es ist kein entspanntes Hörerlebnis. Die Musik der Mode-Stilrichtung Dubstep ist hart, durchdringend, rastlos. Die oft kryptischen Texte über Blut und Schuldgefühle sind in Fetzen zwischen die dröhnenden Musik-Blöcke gequetscht. „Also meine Mutter kann diese Musik nicht hören“, sagt der 41-Jährige. Er selbst liebe aber den Sound, seit er in jungen Jahren in einer Diskothek „die Tür gemacht“ habe. „Irgendetwas in mir, irgendein kriegerisches Element, ist aggressiv genug, um das stundenlang auszuhalten.“ Ansonsten nehme er inzwischen wenig Rücksicht darauf, wie seine Musik ankommt: „Du machst es halt, hast deinen Spaß damit und fertig.“

Naidoo - der vor Jahren mit sanftmütigen Melodien und religiösen Texten als Aushängeschild zum deutschen Soul-Star wurde - wagt sich damit zum zweiten Mal in Folge in heikles Terrain. Sein vergangenes Album „Xavas“, eine Kooperation mit dem Rapper Kool Savas, enthielt einen versteckten Song mit einem Text, der nur zu leicht als Aufruf zur Selbstjustiz gegen Pädophile ausgelegt werden konnte. Einige Kritiker entdeckten in den Sätzen sogar eine Gleichstellung von Homosexualität und Pädophilie, was Naidoo zurückweist.

Der provokante Effekt sei aber gewollt gewesen, um auf das Thema Pädophilie aufmerksam zu machen, betont er. „Insgesamt habe ich mir eigentlich erhofft, dass das Lied noch mehr Wellen schlägt, denn ich sehe es als meine Lebensaufgabe, da Licht ins Dunkel zu bringen.“ Wenn er schreibe, versetze er sich in eine Situation hinein, verteidigt er den harten Text. So habe er eine Dokumentation zu dem Thema Pädophilie gesehen, und sei furchtbar wütend gewesen.

Und jetzt also ein Album über das Töten. Der Dubstep-Sound habe den Ausschlag gegeben, sagt Naidoo. „Die Musik ist brutal, die Texte sind brutal.“ Dubstep könne er meistens nur mit „Rache, Mord und Totschlag“ verbinden. Zugleich gehe es hier aber letztlich um Kunst. „Ich rufe ja zu nichts auf, das weise ich weit von mir - aber ich will diese Abgründe erforschen.“ Er habe jedes Thema des Lebens besungen und mache vor keinem Halt. „Ich denke, ich bin auch angstfrei genug, um zu sagen, das ist es mir wert, so ein Album zu veröffentlichen.“ Aber das nächste „reguläre“ Naidoo-Soloalbum werde wieder anders ausfallen.

dpa

Quelle: wa.de

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