„Milchprodukte nicht einfach weglassen“

Hammer Oecotrophologin erklärt Laktose-Intoleranz

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HAMM - Laktose-Intoleranz liegt zurzeit voll im Trend. Immer mehr Menschen entdecken ihre Unverträglichkeit zu Milchprodukten, doch die Ursache des Wachstums ist immer noch ungeklärt. Über die Ursachen, Symptome sowie viele hilfreiche Ratschläge sprach yourzz-Reporterin Fidan Kalach mit der Oecotrophologin Barbara Claesberg-Wawerka.

Was ist eine Laktoseintoleranz?

Barbara Claesberg-Wawerka: Bevor wir klären, was die Laktoseintoleranz ist, klären wir zunächst, was Laktose überhaupt ist. Laktose heißt Milchzucker, ist ein Zweifachzucker und besteht aus den Zuckermolekülen Glucose, also Traubenzucker, und Galaktose, dem Schleimzucker, welche einigen Formen der Kohlenhydrate zuzurechnen sind. Laktose befindet sich besonders in Milch und Milcherzeugnissen, aber auch in der Muttermilch. Laktose-Intoleranz ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Wenn Menschen diese Unverträglichkeit haben, fehlt ihnen das Laktose spaltende Enzym Laktase, welches entweder nicht ausreichend oder gar nicht in den Schleimzellen des Dünndarms gebildet wird.

Was sind die Ursachen und Auswirkungen dieser Unverträglichkeit?

Claesberg-Wawerka: Produziert der Organismus nicht ausreichend oder gar nicht das Enzym Laktase, kann der Milchzucker nicht im Dünndarm aufgenommen werden und gelangt ungespalten in den Dickdarm. Im Dickdarm spalten die vorhandenen Darmbakterien die Laktose, es entstehen Ergänzungsprodukte wie Säuren und Gase. Dadurch kommt es zu den typischen Symptomen wie krampfartigen Bauchschmerzen, Blähungen, Flatulenzen und Durchfall. Dieser ist eine Folge der Erhöhung des osmotischen Drucks im Darm, weil dann Wasser in den Darm einströmt, um den Druck auszugleichen.

Worauf muss man bei der Ernährung achten?

Oecotrophologin Barbara Claesberg-Wawerka.

Claesberg-Wawerka: Eine gute Alternative, um sich laktosefrei zu ernähren, ist die große Vielfalt an laktosefreien Produkten, die alle Lebensmittelgeschäfte inzwischen anbieten. Das war vor zehn Jahren nicht der Fall. Dabei sind die Produkte keine Milchersatzprodukte, sondern normale Kuhmilch, in welcher der Milchzucker schon in seiner gespaltenen Form vorhanden ist. Für die meisten laktoseintoleranten Menschen sind manche normale Käsesorten und gesäuerte Milchprodukte gut verträglich, weil durch den Reifeprozess der Milchzucker größtenteils abgebaut wird. Jedoch muss man auch wissen, dass Laktose in versteckter Form zum Beispiel in Fertiglebensmitteln, fettreduzierten Lebensmitteln, Backwaren, Süßigkeiten, Wurstwaren, Gewürzmischungen und Medikamenten vorkommen kann.

Wie erklären Sie sich den raschen Wachstum von Laktoseintoleranz?

Claesberg-Wawerka: Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zunächst kann mit steigendem Alter die Produktion von Laktase abnehmen. Zudem kann es durch eine Erkrankung des Magen-Darm-Traktes zu einer Störung der Laktaseproduktion kommen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Leute früher öfter mit unspezifischen Bauchschmerzen gequält haben, die Milch unbewusst aus ihrem Speiseplan entfernten, weil sie merkten, dass es ihnen nach der Milch nicht gut ging. Bemerkenswert ist schon, dass die Anzahl der Patienten mit Laktoseunverträglichkeit steigt. Dafür könnte der steigende Konsum von Milchprodukten sowie ein erhöhter Verzehr von Fertigprodukten verantwortlich sein. Es gibt auch genetisch bedingte Ursachen.

Wie kann man testen, ob man eine Laktoseintoleranz hat?

Claesberg-Wawerka: Wenn man sein Ernährungsverhalten einige Zeit aufmerksam beobachtet, dann kann man mit gutem Gespür relativ schnell herausfiltern, dass es die Milch sein könnte, die einem Probleme bereitet. Aber für eine hundertprozentige Sicherheit sollte der Betroffene seinen Arzt aufsuchen, der den H2-Atemtest anordnet. Dabei handelt es sich um eine laktosehaltige Flüssigkeit, die getrunken werden muss. In den nächsten Stunden wird mehrfach die Atemluft nach dem Gehalt von H2, also Wasserstoff, gemessen.

Was müssen Jugendliche beachten, die eine Milchzuckerunverträglichkeit haben?

Claesberg-Wawerka: Wichtig ist, dass man trotz der Unverträglichkeit Milchprodukte zu sich nimmt, weil sie eine gute Quelle sind für Kalzium. Dieser Mineralstoff ist wichtig für den Aufbau von Knochen und Zähnen sowie Muskeln und Nervenleitung. Um Kalziummangel zu vermeiden, sollten keinesfalls Milchprodukte einfach vermieden oder die Laktoseunverträglichkeit ignoriert werden. Immer wiederkehrende Verdauungsbeschwerden schädigen die Darmschleimhaut in ihren Funktionen, zum Beispiel die Abwehrfunktion.

Quelle: wa.de

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