Ein Stückchen Sonne für sich behalten

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Mit diesem Modellhaus haben Luca Elbracht (rechts) und sein Stufenkamerad David Volmer beim Schüler-Wettbewerb „Invent a Chip“ einen ersten Platz gewonnen.

Lippetal - Sonnenenergie speichern und damit ein stückweit autark leben - wie das geht, haben zwei Jungs aus Lippetal gezeigt. Sie haben dafür nun einen Preis bekommen.

Luca Elbracht ist 17 Jahre alt, sein Stufenkamerad David Volmer ist 16. Die beiden bereiten sich auf dem Albertus-Magnus-Gymnasium in Beckum auf das Abitur vor und haben „nebenbei“ einen Technik-Wettbewerb gewonnen. Für den bundesweiten Schüler-Wettbewerb „Invent a Chip“, ausgerichtet vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, haben sich die beiden ein Problem der Solartechnik vorgenommen. 

„Es ist möglich, mithilfe von Photovoltaik-Anlagen unbegrenzte Mengen an elektrischer Energie zu erzeugen, vorausgesetzt die Sonne scheint“, erklärt Luca. „Das Problem ist es, diese Energie zu speichern, damit sie später genutzt werden kann.“ 

Ihre Lösung: Elektrolyse durch Aufspaltung von Wasser. Durch die Solaranlage auf dem Dach wird ein Elektrolyseur mit Energie versorgt, der wiederum destilliertes Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspaltet. Der Wasserstoff kann in Tanks gespeichert werden und jederzeit Brennstoffzellen betreiben. 

„So ist es theoretisch möglich, sich vom öffentlichen Stromnetz loszusagen und autark zu sein“, sagt David. Auch in sonnenlosen Zeiten können die Brennstoffzellen einen Haushalt mit Energie versorgen. Dass der Prozess funktioniert, haben die beiden bewiesen: Für den Wettbewerb bauten sie ein voll funktionsfähiges Modell, das mit Solarpanels, Brennstoffzellen und Elektrolyseur ausgestattet ist. 

Die Haushaltsgeräte stammen aus dem 3D-Drucker. Die technischen Bauteile dafür hatte Luca zuvor bei einem Wettbewerb gewonnen. „Dort hat man einen Mars-Rover konstruiert, der mit diesen Brennstoffzellen angetrieben werden sollte“, berichtet Luca. Die Rover sind ein Rennen gefahren, und Luca machte den zweiten Platz in NRW. Als Preis durfte er die Bauteile behalten. 

Ein halbes Jahr lang haben Luca und David an dem Modellhaus gearbeitet. Ihre gesamte Freizeit und die Sommerferien haben die beiden in das Projekt investiert. Ein Bauunternehmen hat Baupläne für das Haus beigesteuert, und mithilfe einer Tischlerei wurde das Holzhaus gebaut. Den Chip, das Herzstück des „Invent a Chip“-Wettbewerbs, haben sie auch selber programmiert. Er überwacht die Leistung des Anlage und liefert ein Feedback über Auslastung und Leistung auf den PC des Besitzers. 

Die Jury war überzeugt von der Leistung der Nachwuchselektroniker. Sie teilen sich den ersten Platz mit einem weiteren Team. Die Preise wurden beim Bundeskongresses des Verbandes der Elektrotechnik in Mannheim übergeben. Dort war das Modell an zwei Kongresstagen öffentlich ausgestellt. „Das Gute an der Sache ist, dass wir eine eigene Idee umsetzen konnten“, sagt David. Diese Idee spukte den beiden schon seit längerem im Kopf herum. Der Wettbewerb bot ihnen die Möglichkeit, ihre Vorstellung zu verwirklichen. 

Ein Mitarbeiter des Institutes für Mikroelektronik der Universität Hannover, der die Teilnehmer des Wettbewerbs betreute, unterstützte sie intensiv. Mit ihrem autarken Modellhaus haben sich Luca und David schon beim nächsten Wettbewerb angemeldet. Bei „Ideenfang“, unterstützt von der Stiftung Niedersachsenmetall, soll das Projekt weiter entwickelt werden. 

Der Chip soll demnächst weitere Funktionen in der Anlage übernehmen. Unabhängig davon hat Luca Elbracht den bundesweiten Wettbewerb gewonnen, der von der Wochenzeitung „Die Zeit“ und Volkswagen ausgerichtet wurde. Unter dem Motto „Mobilität der Zukunft“ sollten Schüler journalistisch aufarbeiten, welche Möglichkeiten sie dort sehen. Luca entwickelte in einer Analyse ein Verkehrskonzept für den öffentlichen und autonom fahrenden Nahverkehr. In seiner Vision werden Busse und Bahnen vernetzt und bedarfsgerecht gesteuert, so dass zu den verschiedenen Verkehrszeiten stets die passende Anzahl Transportmittel auf den Straßen ist. 

Für seine Analyse wurde er mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Wie es für Luca und David in Zukunft weiter geht, wissen sie noch nicht. Erstmal kommt das Abitur und danach vielleicht ein Studium. Beide haben als Leistungskurse Mathematik und Physik. Eilig haben sie es jedoch nicht. „Bis dahin ist noch viel Zeit“, sagen sie. In der Zwischenzeit können sie bestimmt noch ein paar Wettbewerbe gewinnen.

Info: aesprojekt.wordpress.com/

Quelle: wa.de

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