Lehrerin Helga Behrens gibt Tipps zum richtigen Lernen

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Helga Behrens ist Lehrerin am Stein-Gymnasium.

HAMM - Lernen ist lästig, aber notwendig. Und das das ganze Leben. Ob in der Schule, der Uni, während der Ausbildung oder im Beruf: Es wird einen immer begleiten. Vor allem Lehrer kennen sich damit aus, immerhin haben sie täglich mit Schülern zu tun, die viel lieber etwas anderes machen wollen.

Helga Behrens unterrichtet seit 20 Jahren Mathe und Biologie am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Seit inzwischen 15 Jahren koordiniert sie das Projekt „Lernen des Lernens“. Im Interview mit yourzz-Reporterin Carolin Drees erklärt sie, welche Lernmethoden effektiv sind und warum man nie ausgelernt hat.

Wie lernt man am effektivsten?

Behrens: Am effektivsten lernt man, indem man sich konzentriert und möglichst ohne Ablenkung, intensiv und regelmäßig mit dem Lernstoff auseinandersetzt. Man muss ihn aktiv für sich selbst sozusagen neu konstruieren. Zum Glück ist unser Gehirn als Lernorgan angelegt. Das kann genutzt werden durch intensives Mitdenken und Mitarbeiten im Unterricht, durch Anfertigen der Hausaufgaben, durch Arbeit in Lerngruppen und so weiter.

Welche Lernmethoden gibt es? Welche würden Sie empfehlen?

Behrens: Eine Aufzählung würde hier den Rahmen sprengen. Nicht umsonst gibt es ganze Bücher zum Thema „Lernmethoden“. Für grundlegend wichtig halte ich allerdings Methoden und Techniken zur Erschließung von Texten. Ein vielen vielleicht bekanntes Beispiel ist die sogenannte „Fünf-Schritt-Lesemethode“. Beispielhaft kann man hier in jedem Schritt eine aktive Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand sehen. Durch Fragen, Zusammenfassen und Wiederholen konstruiert man den Inhalt des Textes für sich nach und eignet ihn sich so an.

Hat man irgendwann ausgelernt oder wird man von diesen Methoden sein ganzes Leben begleitet?

Behrens: Da das Gehirn ein Lernorgan ist, hat man natürlich nie ausgelernt. Das ist in einer sich ständig ändernden Welt voller Informationen, die kein Mensch alle wissen kann, auch gut so! Geradezu erfreulich dabei ist, dass das Erlernen neuer Dinge sogar mit dem Belohnungssystem des Gehirns gekoppelt ist! Und wenn man das Lernen gelernt hat, dann kann man davon lebenslang profitieren, weil man mit System an neu zu erlernende Inhalte herangehen kann.

Gibt es eine Lernmethode, die für jeden perfekt ist, oder muss jeder seine eigene Arbeitsweise finden?

Behrens: Jeder und jede muss die eigene Arbeitsweise entwickeln, die zu den individuellen Stärken und Schwächen, also letztendlich zu den individuellen Gehirnstrukturen passt. Viele lernen sehr gut in Gruppen, nicht zuletzt weil das Gehirn auch ein soziales Organ ist. Das Formulieren von Fragen und das Wiedergeben gelernter Dinge sind effiziente Formen der aktiven Auseinandersetzung mit Lerninhalten. Viele machen beim Lernen auch gute Erfahrungen mit Visualisierungstechniken, zum Beispiel Skizzen, Flussdiagrammen und Mindmaps.

Gibt es Projekte oder sogar Fächer, in denen das Lernen gelernt beziehungsweise vermittelt wird? Wie wichtig sind diese?

Behrens: Da das Lernen nicht ohne Inhalte gelernt werden kann, ist es wichtig, das Einführen der Lernmethoden an Fachinhalte anzukoppeln. Die beispielhaft genannte Fünf-Schritt-Lesemethode kann man nicht nur im Fach Deutsch, sondern eigentlich in jedem Fach einführen und auch immer wieder trainieren. Dieses regelmäßige Einüben und Wieder-Aufgreifen ist an vielen Schulen in Form von Projekten und/oder eines Methodencurriculums festgeschrieben. Am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium haben wir ein Methodencurriculum entwickelt, das über die Jahrgänge fünf bis neun jedes Fach einbezieht. Alle Inhalte des Methodencurriculums stehen unseren Schülerinnen und Schülern online zur Verfügung. Zusätzlich werden in Klasse fünf allgemeine Lern- und Arbeitsmethoden zum Beispiel zur Heftführung, zur Organisation von Hausaufgaben und zur Vorbereitung von Klassenarbeiten erarbeitet.

Was wollen Sie Schülern mit auf den Weg geben, wenn es um das Lernen geht?

Behrens: Einen Gedanken des Gehirnforschers Manfred Spitzer: Gehirne bekommen nichts vermittelt. Lernen produziert sich jeder selbst!

Quelle: wa.de

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