Kopfüber aus zehn Metern

Lüdenscheider Manuel Moos (22) und Florian Dicke (26) lieben "Splashdiving"

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Manuel Moos (l.) und Florian Dicke.

Lüdenscheid - Beruflich absolvieren die beiden Jungs eine Ausbildung in Lüdenscheid: Florian Dicke (26) zum Feinwerkmechaniker und Manuel Moos (22) im Bereich der Krankenpflege. Musik, Schwimmen, Radfahren und Fitness sind ihre Hobbys. Doch sobald der Außenbereich des Familienbades Nattenberg öffnet, stehen sie auf den Sprungtürmen. Denn die größte Leidenschaft der beiden Lüdenscheider ist seit einigen Jahren das Splashdiving.

Wie viele Jugendliche bestiegen die beiden Springlustigen schon im Kindheitsalter das erste Mal einen Sprungturm. Nach Arschbomben und Rückwärtssalti vom Ein-Meterbrett im Hallenbad des Nattenbergs wollten beide Jungs dann schnell mehr.

„Jeder fängt mal klein an, dennoch wollten wir schnell noch höher hinaus, denn dann kommt das Bauchkribbeln. Also haben wir die Tricks danach vom Drei-Meter- oder noch höheren Sprungbrettern gemacht. Vor allem wollten wir besondere Drehungen und Tricks beherrschen. Dafür haben wir Mut und Ideenreichtum gebraucht“, erzählen die beiden Sprungverrückten.

Mächtig laut und viele Wasserspritzer

Florian und Manuel schauten anderen Springern zu, guckten Internetvideos: „Unser Hobby geht mehr in die Richtung des ‚Splashdivings’ als in die des klassischen Turmspringens. Eigentlich ist das Ziel, einen komplexen Sprung von einer möglichst großen Höhe mit einer Arschbombe abzuschließen“, erklärt Manuel grinsend.

Florian ergänzt: „Das typische Turmspringen ist viel athletischer. Dabei kommt es darauf an, mit Körperspannung und technisch exakter Ausführung möglichst keine Spritzer beim Eintauchen zu produzieren.“

Manuel und Florian ging es immer schon um das genaue Gegenteil: „Natürlich ist bei uns auch die Körperspannung wichtig, aber was wir erreichen wollen, sind laute Aufschläge und große Wassermengen, die wir beim Eintauchen verspritzen“, erzählt Flo. Bei der Landung auf der Wasseroberfläche gebe es oft eine hohe Wassersäule, die mit verschiedenen Techniken möglichst weit in die Höhe geschossen werden soll.

Das Ziel: pures Bauchkribbeln

Manuel Moos zeigt den Auerbach-Salto. Präzision und auch eine Portion Wagemut gehören beim Splashdiving mit dazu.

Auf die Frage, was am Turmspringen oder Splashdiving so besonders ist, geben Florian und Manuel ganz ähnliche Antworten. „Nehmen wir mal unseren Lieblingssprung, den Auerbach-Salto. Das ist ein Rückwärtssalto aus dem Lauf. Man springt nach vorne ab und dreht sich trotzdem nach hinten. Auch wenn das viel Überwindung kostet, ist das Feeling perfekt – pures Bauchkribbeln”, erklärt Florian. Manuel lacht: „Genau, das ist einfach das geilste Gefühl. Dieses Fliegen in der Höhe – und dann der erfrischende Aufprall auf dem Wasser. Man muss einfach die Hemmungen vor der Höhe und dem Aufprall verlieren, dann traut man sich auch mehr.”

Um neue Sprünge zu kreieren ist Kreativität gefragt – die Manuel und Florian mitbringen. Viele Sprünge schauen sie sich aber auch von anderen Sportlern ab. „Ich glaube, dass es inzwischen keinen gesprungenen Trick mehr gibt, der nicht schon von irgendwem, irgendwann, irgendwo auf der Welt gefilmt und ins Internet gestellt wurde. Trotzdem versuchen wir, die Tricks mit eigenen Variationen und Kombination ganz individuell und unverwechselbar zu machen”, erklärt Manuel.

Inspirationen aus verschiedenen Quellen

Eine weitere Inspirationsquelle sind Turner, Freerunner und Parcourläufer – „von denen kann man im Hinblick auf Ästhetik und Körperhaltung eine Menge lernen.“ Sind die neuen Sprungideen geboren, heißt es: Üben, üben, üben.

Florian: „Oft springen wir neue Tricks aber natürlich aus geringeren Höhen, bis wir die Motorik und das Feingefühl für den jeweiligen Sprung verinnerlicht haben. Je weiter es dann in die Höhe geht, desto einfacher wird die ganze Nummer, denn dann bleibt mehr Zeit zum Rotieren und Austarieren.”

Ist Splashdiving gefährlich? „Natürlich überdreht man mal, sodass man dann falsch mit dem Bauch oder Rücken aufkommt. Schmerzen sind nicht ausgeschlossen, gebrochen haben wir uns aber noch nichts“, können Manuel und Florian berichten. Letztendlich seien die einzigen regelmäßigen Schmerzen das Kribbeln im Hintern, „aber da gibt es ja einen Trick: einfach eine zweite oder sogar dritte Badehose überziehen!”

von Jan Lehmann

Quelle: wa.de

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