Am 25. Mai ist Wahltag

Hammer OB-Kandidaten im großen yourzz-Check

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Die OB-Kandidaten: (von links oben nach rechts unten) Amtsinhaber Thomas Hunsteger-Petermann , Dennis Kocker, Volker Burgard, Marion Josten, Dr. Cevdet Gürle und Werner Gudrian.

HAMM - Am 25. Mai könnte sich all das Kreuzchenmachen glatt anfühlen wie Schiffe versenken. Neben der Europa- steht auch die Kommunalwahl an, die streng genommen aus drei unterschiedlichen Wahlen besteht: Gewählt werden die neuen Bezirksvertretungen, ein neuer Stadtrat und auch ein neuer Oberbürgermeister.

Von yourzz-Reporterin Susanne Romanowski

Vor allem die letzte Abstimmung erregt besonders großes Aufsehen. Schließlich geht es darum, welcher Politiker Hamm für die nächsten sechs Jahre repräsentiert. Damit ihr im Mai nicht ewig grübelnd in der Wahlkabine stehen müsst, stellt yourzz euch die Spitzenkandidaten mit ihren wichtigsten Programmpunkten vor.

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Thomas Hunsteger-Petermann: Der amtierende Oberbürgermeister hat seinen Platz im Rathaus bereits seit rund 15 Jahren inne. Thematisch liegen die Schwerpunkte vor allem auf dem Ausbau des Hochschulstandorts Hamm. Auch der Erhalt der vielen Schulformen steht auf dem Programm. Im Internet präsentiert sich Hunsteger-Petermann selbst ausführlich auf seiner eigenen Website. Obwohl diese viele Informationen zu ihm als Politiker und Privatperson bietet, ermöglicht lediglich ein Kontaktformular einen Austausch. Einen Facebook-Auftritt sucht man vergebens und auch das Profil des Kreisverbandes ist von regem Betrieb weit entfernt. Im Straßenwahlkampf zeigt sich die CDU stets präsent, doch gerade im digitalen Zeitalter braucht es andere Kanäle, um vor allem jüngere Wähler für sich zu gewinnen.

Dennis Kocker: Als Spitzenkandidat der SPD bemüht auch er sich um einen Tapetenwechsel – raus aus der Anwaltskanzlei, rein ins Rathaus. Anders als die CDU möchten Dennis Kocker und seine Partei das Schulsystem nicht so lassen, wie es ist. Länger zusammen lernen, mit einem Fokus auf Inklusion und Integration auf allen Ebenen. Aber vor allem das Projekt „Hamm ans Wasser“ erhielt in den vergangenen Wochen große Aufmerksamkeit. Anders als beim gescheiterten Mammutvorhaben Lippesee solle hier der bereits vorhandene Kanal mit kleineren Umgestaltungen als Naherholungsgebiet genutzt werden. Der Grund für die große Bekanntheit dieser Idee ist vor allem die hohe Online-Aktivität von Dennis Kocker und der SPD. Gerade auf Facebook antwortet Kocker direkt auf Anfragen aus der Bevölkerung und hält Interessenten auf dem Laufenden. Der unmittelbare Kontakt ergänzt das Informationsmaterial auf den Websites und macht den Kandidaten zu einem echten Konkurrenten für die anderen Bewerber.

Volker Burgard: Der OB-Anwärter der Grünen macht den Parteinamen zum Programm. Hamm soll lebenswerter werden, in jeder Hinsicht. Mit den Themen Energiepolitik, Umwelt- und Klimaschutz werden die urgrünen Prioritäten aufgegriffen und auf lokale Ebene heruntergebrochen. Doch auch Aspekte wie die Aufnahme von Flüchtlingen und soziale Gerechtigkeit prägen das Arbeitsprogramm der Grünen. Anders als die zuvor genannten Kandidaten lächelt Burgard kaum alleine von einem Plakat. „Nehmen Sie uns beim Wort“ beweist: Wahlkampf funktioniert nicht im Alleingang. Volker Burgard selbst wird nur auf der offiziellen Website des Kreisverbandes porträtiert, das gibt wenig Raum zum Austausch. Auf dem Facebookprofil der hiesigen Grünen dagegen wurde eine Videoreihe ins Leben gerufen: Hammer fragen, Parteimitglieder antworten. Ein einfaches Prinzip mit relevanten Themen, das jedoch noch besser publik gemacht werden könnte. 

Marion Josten: Dass Die Linke sich generell lieber als Impulse setzende, kritische Opposition denn als Kompromissen unterworfene Spitze sieht, ist gemeinhin bekannt. Oberbürgermeisterkandidatin Marion Josten vertritt im Wahlkampf typisch linke Grundsätze: Gerechtigkeit und Solidarität. In diese großen Themen sind viele Elemente eingebettet, die uns im Alltag ständig begegnen: Diskriminierung von Migranten, Abwertung von Arbeit und die Unterdrückung der Frau. Das sind wichtige Themen, die jedoch untergehen in Anbetracht der Diskussionen um Lippesee und Gemeinschaftsschule. Die Persönlichkeiten im Kommunalwahlkampf, darunter auch Marion Josten, treten hinter den Inhalten komplett zurück. Über ihre Person erfährt man online nichts.

Dr. Cevdet Gürle: Dass man nicht zwingend einer Partei angehören muss, um die eigene Stadt zu verändern, beweist der Kandidat der Wählergemeinschaft Pro Hamm. Durch die Wählergemeinschaft soll eine größere Nähe zur Bevölkerung hergestellt werden. Pro Hamm möchte lokal bleiben und hat ihr Programm auf unsere Stadt zugeschnitten: Unter den drei Schlagworten Stadtentwicklung, Integration und Bildung werden konkrete Missstände wie etwa die Wohnsituation im Hammer Westen angesprochen. Die Gemeinschaft tritt zum ersten Mal an und setzt direkt auf das Internet als Kommunikationsplattform. Mit Facebook-Profilen, einer Website und Straßenwahlkampf steht Pro Hamm den großen Parteien in nichts nach.

Werner Gudrian: Ohne eine Organisation im Rücken kandidiert auch der stellvertretende Personalratsvorsitzende der Stadt Hamm. Gudrians Motivation war Medienberichten zufolge die offene Kritik an Thomas Hunsteger-Petermann und Unzufriedenheit im Bezug auf Arbeitsbedingungen. Im Internet finden sich noch keine Informationen zu Gudrian, seiner Strategie und seinen Ambitionen.

Das ist das yourzz-Fazit

Die Ziele der Kandidaten und ihrer lokalen Kreisverbände greifen viele Elemente aus dem Bundestagswahlkampf auf. Themen wie soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz gehören bei den Grünen und der Linken zum Beispiel zum primären Selbstverständnis der Partei. Doch vor allem Projekte mit lokaler Relevanz wie die Umgestaltung der Innenstadt oder „Hamm ans Wasser“ könnten viele Wähler zu einer Entscheidung für oder gegen die jeweiligen Vertreter bringen. Auffällig ist, dass das Internet zwar durchaus zu Wahlkampfzwecken genutzt wird, häufig mit einer sehr professionellen Aufmachung oder kreativen Ideen wie der Videoreihe. Dennoch werden vor allem die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke unterschätzt. Gerade weil Jugendliche in NRW schon ab 16 Jahren wählen dürfen, könnten durch die Vernachlässigung von Facebook und Co. viele Stimmen verloren gehen.

Quelle: wa.de

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