Jan Niklas Schwabecher: Auf Komfort lässt sich gut verzichten

Jan Niklas Schwabecher (4. von links) inmitten der DRK-Gruppe in Managua. Der 18-jährige Lüdenscheider absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in Nicaragua.

LÜDENSCHEID/CORINTO -  Der Lüdenscheider Jan Niklas Schwabecher (18) lebt seit August im zentralamerikanischen Staat Nicaragua.

Dort absolviert er im Rahmen des Freiwilligenprogramms „Weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein Freiwilliges Soziales Jahr. Für yourzz berichtet er über sein Auslandsjahr.

TEIL II: Die Arbeit in der Organisation ist abwechslungsreich und ich fühle mich im Team gut aufgenommen. Ich kann jederzeit eigene Ideen und Erfahrungen aus der Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland einfließen lassen.

Für die Freizeit am Wochenende habe ich mir ein Hobby gesucht. Da ich in Deutschland ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz gearbeitet habe und es in Corinto auch ein Rotes Kreuz gibt, bin ich nun sonntags freiwillig im Rettungsdienst tätig.

Auch wenn es hier einsatzmäßig nicht so viel zu tun gibt, sind die Kameraden sehr nett und interessiert an der Rotkreuz-Arbeit in Deutschland. Die ist im Vergleich sehr unterschiedlich, da es in Nicaragua an Materialien, Ausstattung und Fahrzeugen fehlt.

Wenn ich gerade mal nicht am Arbeiten bin, verbringe ich viel Zeit mit den anderen deutschen Freiwilligen, um Land und Kultur kennenzulernen. So haben wir ein Wochenende genutzt, um die alte Kolonialstadt Granada am Nicaraguasee, dem größten See Mittelamerikas, zu erkunden.

Überlandbusse sind in Nicaragua das fast einzige und wichtigste Verkehrsmittel, denn es gibt keine Eisenbahn. Diese Busse sind alte amerikanische Schulbusse und daher in einem eher bedenklichen Zustand. Dennoch liebe ich das Reisen damit, weil jede Fahrt ein Abenteuer ist. Es gibt auch keinen wirklichen Fahrplan. Die Busse fahren quasi immer dann, wenn sie voll sind. Doch vor der Abfahrt betreten erstmal geschätzte 25 Verkäuferinnenden Bus, um mit Straßenessen und Getränken ein bisschen Geld zu verdienen.

Während der Fahrt lässt sich dann die einzigartige Natur mit Palmen, Vulkanen und Seen bewundern. Dazu gibt es meistens Musik oder auch mal einen Film.

Als wir in Granada ankamen, waren wir von den verhältnismäßig vielen Touristen überrascht. Denn der Tourismus steckt in Nicaragua noch in Kinderschuhen und ist daher besonders für abenteuerlustige Reisende interessant und empfehlenswert.

An jeder Straßenecke der alten Kolonialstadt gibt es Restaurants und Bars und man kann bei tropischen Temperaturen und Musikparaden die Kultur und das Leben in Zentralamerika hautnah miterleben. Wirklich einzigartig.

Als Abschluss unternahmen wir eine Bootstour zu den ungefähr 300 vorgelagerten Mini-Inseln im Nicaraguasee, bei der wir Flora und Fauna bewundern konnten. Ab und zu sahen wir einige Kapuzineraffen zwischen den Bäumen und natürlich im Hintergrund immer einen der vielen noch aktiven Vulkane. Nicht umsonst wird Nicaragua als das Land der tausend Vulkane und Seen bezeichnet.

Ich bin sehr begeistert von meinem neuen Zuhause und fühle mich bereits sehr wohl. Das Leben hier ist mit weniger Stress verbunden als in Deutschland. Es gibt in der breiten Bevölkerung kein wirkliches Streben nach Reichtum und Macht. Die Familie und die Gesundheit stehen an oberster Stelle. Auch auf den Komfort in Deutschland kann man gut verzichten.

Auf der anderen Seite ist es nicht immer einfach für mich und auch ich hatte am Anfang mit einem Kulturschock zu kämpfen. Meine Heimatstadt Lüdenscheid und damit auch Familie und Freunde sind für lange Zeit weit entfernt. Trotzdem stelle ich mich den Herausforderungen und freue mich über die vielen neuen Erlebnissen und Erfahrungen, die fürs Leben prägend sind.

Weitere Informationen zum Freiwilligendienst von Jan Niklas Schwabecher gibt es unter www.jan-niklas-schwabecher.blogspot.de.

Quelle: wa.de

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