Dördelmann-Brüder: Bäcker ist „Beruf mit Zukunft“

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Kevin (links) und Philipp Dördelmann suchen neue Mitarbeiter nicht in sozialen Netzwerken.

HAMM - Bereits im Kindesalter standen Kevin und Philipp Dördelmann in der gleichnamigen Bäckerstube ihrer Eltern. Mit dem Spülen von Körben haben sie ihr erstes Geld verdient. Nach der Firmenteilung der Bäckerei in Produktion und Vertrieb im Jahr 2010 ist der 27-jährige Philipp heute geschäftsführender Gesellschafter.

Rein rechtlich gesehen unterscheidet ihn das von seinem fünf Jahre jüngeren Bruder, der bereits mit 21 Jahren als jüngster Mensch in Nordrhein-Westfalen seinen Bäckermeister gemacht hat. „Trotzdem hat er genauso viel zu sagen wie ich“, sagt Philipp.

Einen solchen Karriereweg einschlagen zu können, davon träumen vermutlich viele. Doch den Beruf „in die Wiege gelegt bekommen“ haben die Brüder ganz bestimmt nicht. „Wir haben uns sehr viel erarbeitet und sehr früh angefangen, selbst unser Geld zu verdienen“, erzählt Philipp, der versucht hat, seine Eltern, die täglich zwischen zwölf und 14 Stunden für die Bäckerei geschuftet haben, zu entlasten. Dass die beiden Hammer das Unternehmen im Sinne ihres Vaters weiterführen, war jedoch „nicht von vornherein klar“, so Philipp.

Seit einem Jahr sind die Brüder Mitglied im Bund Junger Unternehmer (BJU), ein Verband für junge Familien- und Eigentümerunternehmer, in dem sich die Hammerin Marie-Christine Ostermann bis Ende 2012 als Bundesvorsitzende engagierte. „Im BJU sind super nette Leute. Auf Bundesebene geht es vor allem darum, tatsächlich in politische Entscheidungen eingreifen zu können und bei Gesetzesänderungen mitzumischen. In den Regionalkreisen wie Hamm und Dortmund versuchen wir, Netzwerke aufzubauen und Kontakte zu knüpfen, um Partnerschaften ins Leben zu rufen oder Aufträge zu generieren“, erklärt Philipp, der aus den dort angebotenen Fachseminaren und Vorträgen viel gelernt habe. Das helfe ihm auch, wenn es darum gehe, das traditionelle Bäckerhandwerk modern zu interpretieren, sei es mit neuen Backwaren oder modernen Anlagen in der Produktion.

Gerade auch deshalb sei Bäcker ein „Beruf mit Zukunft“, auch wenn in Hamm in den vergangenen Jahren mehrere Bäckereien von einer Insolvenz betroffen waren, weiß der Hammer: „Das Bäckersterben geht zwar weiter, aber wer einen guten Job macht und gut aufgestellt ist, für den wird es auch erfolgreich weitergehen. Und da wird es immer Arbeitsplätze geben und Leute, die gesucht werden. Das Problem ist einfach, tatsächlich vernünftiges Fachpersonal zu finden.“

Wenn es um solche Personal- und Standortentscheidungen geht, entscheidet die Familie immer gemeinsam: „Da gibt jeder seinen Senf dazu“, sagt der 27-Jährige, „Wenn es darum geht, einen Bäcker oder einen Verkäufer einzustellen, greifen wir nicht auf soziale Netzwerke zurück. Es ist auch nicht entscheidend, ob der Bewerber eine super schöne Bewerbungsmappe oder ein schönes Passbild hat. Auch kommt es nicht darauf an, ob er in der Schule hervorragend abgeschnitten hat. In unserer Branche sind die Erfahrungswerte und fachlichen Kenntnisse ausschlaggebend.“

In seinem jungen Leben hat der Unternehmer aber vor allem eines gelernt: „Man muss Einsatzbereitschaft und Ehrgeiz zeigen und darf sich nicht unterkriegen lassen. Ich denke, man sollte sich Ziele setzen, darauf hinarbeiten, Engagement zeigen und sich nicht gehen lassen. Wer Gas gibt, der wird Erfolg haben, ganz unabhängig davon, ob als Selbstständiger oder Arbeitnehmer. Manchmal gehört auch eine Portion Glück dazu.“

Quelle: wa.de

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