Zeitzeugin erzählt Schülern vom DDR-Lager Torgau

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Die Schüler hörten gebannt zu, als Kerstin Gueffroy vom Lager Torgau erzählte.

Soest - Kerstin Gueffroy hat in ihrer Jugend viel durchstehen müssen. Während ihrer Zeit in der berüchtigten Disziplinareinrichtung Torgau wurde sie Opfer von drakonischen Sportstrafen, Spitzelei und seelischer Grausamkeit. Nun hat sie ihre Erfahrungen mit den Schülern der Christian-Rohlfs-Realschule geteilt.

Grit Poppes Buch „Weggesperrt“ wird von den Deutsch-Kursen der Realschule regelmäßig gelesen. Für die Lehrerin Susanne Gasse ist das Buch ein wichtiges Mittel, um den Jugendlichen einen Einblick in die Geschichte und Realität der zwei geteilten deutschen Staaten zu geben. 

„Vielen fehlt heute der Bezug zur DDR“, so die Lehrerin. „Weggesperrt“ erzählt die Geschichte von Kerstin Gueffroy und dem Lager Torgau. Jetzt wurde die Frau, die selbst bereits ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben hat, zu einem Vortrag eingeladen. „Viele Schüler fragten, ob das was im Buch steht, wirklich passiert sei und konnten es gar nicht glauben“, berichtet Susanne Gasse. 

Gueffroy, die von ihrer Mutter dem Staat übergeben wurde, kam mit 14 nach Torgau. In Torgau landeten jene Kinder, die unbequem waren und dort gebrochen werden sollten. Eine umfangreiche und grausame Auswahl an Strafmaßnahmen sorgte dafür, dass die Kinder gehorsam blieben. 

Um die Kontrolle zu behalten, installierte die Heimleitung ein Netzwerk von Spitzeln unter den Schülern, die jeden Regelverstoß sofort meldeten. Jugendliche, die erwischt wurden, mussten zur Strafe in Dunkelhaft oder Strafsport betreiben. 

Der Strafsport umfasste unter anderem den „Torgauer Dreier“. Eine Kombination aus Kniebeuge, Liegestütze und Strecksprung, die von den Jugendlichen bis zu 50 Mal ausgeführt werden musste. Auch das stundenlange Treppensteigen in der Hocke stand auf dem Strafprogramm.

Nicht wenige Insassen nahmen sich das Leben, die übrigen plagen bis heute oftmals seelische und körperliche Schäden. Kerstin Gueffroys Biographie heißt „Die Hölle von Torgau“. Den Realschülern wurde ein sehr persönlicher, aber auch erschreckender Einblick in die deutsche Geschichte gewährt. 

Quelle: wa.de

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