"Mit Kühen erlebt man eine Menge verrückter Sachen"

Hammerin Annkathrin Huffelmann (18) züchtet Kühe

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Die 18-jährige Hammerin Annkathrin Huffelmann ist Jungzüchterin.

HAMM - Leidenschaft, Verantwortung und Teamgeist: Das sind die ersten drei Worte, die der 18-jährigen Annkathrin Huffelmann aus Hamm einfallen, wenn sie über ihr Leben als Jungzüchterin nachdenkt. Auf dem Hof ihrer Eltern werden Milchkühe, hauptsächlich die Rasse Holstein, gezüchtet und die Abiturientin ist mitten drin.

Über Wettbewerbe, verrückte Ereignisse und Lieblingskühe sprach sie im Interview mit yourzz-Reporterin Carolin Drees.

Wie kann man sich das Jungzüchterleben vorstellen?

Annkathrin: Auf der einen Seite nimmt man an vielen Wettbewerben teil, ist deutschlandweit unterwegs, trifft viele Menschen und arbeitet eng mit den Tieren zusammen. Auf der anderen Seite steht die Zucht aber im Vordergrund. Die Kälber bleiben zuerst bei der Mutter. Danach kommen sie in eine Kälberbox und man muss sie „mit der Hand“ großziehen. Manchmal kommt es vor, dass Kälber viel zu früh kommen, dann steht man alle paar Stunden vor der Box und versucht sie zu füttern und hofft, dass sie überleben. Wenn sie es dann schaffen, ist die Freude natürlich riesig und alle Mühen waren es wert. Aber Aufgaben wie Ställe ausmisten gehören natürlich auch dazu. Auf Schauen bereiten wir die Kühe vor und errichten ihnen so genannte „Betten“, damit sie sich wohlfühlen.

Kann man es als Hobby bezeichnen oder möchtest du später auch beruflich in die Richtung gehen?

Annkathirn: Man kann sagen, dass ich mein Hobby zum Beruf mache. Ich bin in die Rinderzucht rein gewachsen und mit Kühen groß geworden. Sobald ich laufen konnte, war ich im Stall unterwegs. Nach meinem Agrarwirtschaftsstudium möchte ich den Hof meiner Eltern übernehmen. Das bedeutet Milchproduktion und Ackerbau. Die Teilnahme an den Wettbewerben macht natürlich Spaß, aber im ersten Moment ist das eher eine Möglichkeit, um den Namen der Zuchtstätte zu pushen.

Worauf kommt es bei den Wettbewerben an und was muss man dort machen?

Annkathrin: Bei den Typtierwettbewerben muss man sein Tier vorstellen, es gut präsentieren und das Augenmerk der Preisrichter auf die besonderen Vorzüge lenken. Bei den Vorführwettbewerben wird die Vorführleistung bewertet, wie man das Tier führt, wie es auf einen hört. Und das sowohl innerhalb als auch außerhalb Deutschlands. Diese Wettbewerbe finden nämlich auch in den angrenzenden Ländern wie Luxemburg oder Belgien statt.

Hat dich jemand an die Hand genommen oder bist du alleine dazu gekommen? Hast du Vorbilder?

Annkathrin: Das erste Mal habe ich mit sechs Jahren an einem Wettbewerb teilgenommen. Wobei das damals noch wenig Wettbewerbscharakter hatte: Es gab einen ersten Platz und die anderen haben alle den zweiten Platz bekommen. Mit 13 Jahren fängt das so richtig an. Man guckt natürlich bei den „Großen“ und will sich mit denen messen, genauso gut und am besten noch besser als die sein. Aber trotz Konkurrenz im Vorführring ist Freundschaft und Fairness oberstes Gebot.

Hast du schon Preise bekommen?

Annkathrin: Im Jahr 2013 gehörte ich zu den acht Jungzüchtern, die das Team der Rinder-Union-West e.G. bei der europäischen Jungzüchterschulung in Belgien vertreten durften. Im Januar dieses Jahres hat mein Tier eine 1B-Typtierplatzierung auf dem Wettbewerb in Hamm gemacht. Das ist praktisch der zweite Platz.

Wie ist die Beziehung zu den Tieren? Gibt man ihnen Namen oder hat man sogar eine Lieblingskuh?

Annkathrin: Man baut auf jeden Fall eine Beziehung zu den Tieren auf und gibt ihnen Namen. Das ist einfach persönlicher als eine Nummer. Annika guckt sogar, wenn man sie ruft und mit etwas Glück kommt sie sogar zu einem. Und da wären wir auch schon bei der Lieblingskuh. Obwohl ich alle Kühe mag, ist immer eine dabei, die man ganz besonders mag. Meine ist letztes Jahr leider gestorben. Das fiel mir ziemlich schwer, weil ich mit ihr aufgewachsen bin und sie irgendwie etwas Besonderes war. Aber wenn man mit Tieren arbeitet, weiß man, dass sie irgendwann sterben und muss lernen, damit umzugehen.

Was sagen deine Freunde und Bekannten zu diesem Hobby?

Annkathrin: Es ist ein außergewöhnliches und zeitintensives Hobby und man muss auch mal zurückstecken können. Ich kann zum Beispiel nicht alle Ausflüge mit meinen Freunden mitmachen. Bis jetzt habe ich aber noch keine negativen Erfahrungen gemacht und bin immer auf Verständnis gestoßen. Die Meisten finden es sogar ziemlich cool.

Was bedeutet es dir, Jungzüchterin zu sein? Kannst du dir vorstellen, irgendwann damit aufzuhören? Würde dir etwas fehlen?

Annkathrin: Mir bedeutet das sehr viel und ich glaube, ich werde auch mein Leben lang Jungzüchterin sein, selbst wenn ich mit 28 Jahren nicht mehr an Wettbewerben teilnehmen kann. Mir würde der intensive Umgang mit den Tieren und das Treffen mit den anderen Jungzüchtern besonders fehlen, aber man fährt ja weiterhin zu den Tierschauen und präsentiert seine Tiere.

Was war das verrückteste, das du bis jetzt erlebt hast?

Annkathrin: Also mit Kühen erlebt man eine Menge verrückter Sachen, muss ich zugeben. Bei uns sind die Kühe einmal „ausgebrochen“. Ich muss zugeben, dass es menschliche Schuld war. Es gab einfach ein kleines Missverständnis, wer das Tor zu machen sollte. Letzten Endes hat niemand das Tor zu und die Kühe sich dafür selbstständig gemacht. Sie haben sich am Maissilo versammelt und es sich gut gehen lassen, bis wir sie wieder eingefangen hatten.

Quelle: wa.de

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