iPads im Unterricht? "Kommt auf den Umgang an..."

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HAMM - Einige Schulen haben den Versuch gestartet, mit iPads zu unterrichten. Wird sich diese Idee an allen Schulen in Hamm wie in Deutschland durchsetzen oder wird es ein Versuchsmodell bleiben? Wie ist diese Idee finanziell umsetzbar?

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Unsere yourzz-Reporterin Viktoria Kapteina sprach mit Rainer Comouth, Deutsch- und Pädagogiklehrer am St.-Franziskus-Berufskolleg; in Kollegin Carolin Drees sprach mit Alisha Düsing (18) und Simone Wlotzka (18), beide Schülerinnen des Märkischen Gymnasiums.

Wie stehen Sie, wie steht ihr zur neuen Unterrichtsform?

Rainer Comouth

Rainer Comouth: Schule darf sich nicht vor technischen Neuerungen verschließen. Es kommt jedoch darauf an, wie man diese Medien einsetzt. Ich persönlich bin eher für den Einsatz von mehr Lehrerstellen und Sozialpädagogen an Schulen als für eine technische Überfrachtung. Weder ein Smartboard noch ein iPad kann einen Schüler aufbauen, ihm Mut machen, ihn wertschätzen. Auch sollte man sich grundsätzlich überlegen, ab welchem Alter man diese Medien einsetzt. Grundtechniken wie Kopfrechnen und Handschrift sollten als Kulturtechniken nicht verloren gehen.

Alisha Düsing

Alisha: Ich denke nicht, dass sich diese Idee dauerhaft durchsetzen wird. Natürlich ist es ein Fortschritt. Man soll ja auch mit der Zeit gehen und die Schüler haben den Vorteil, dass sie alle Arbeitsutensilien, die sie im Unterricht benötigen, bei sich haben. Sie müssen keine Bücher mehr schleppen und das ständige Packen der Tasche würde einem auch erspart bleiben.

Simone: Die Idee der deutschlandweiten Modernisierung des Unterrichtsmaterials ist gar nicht mehr weit von uns entfernt ist. Zurzeit kann man sich das allerdings noch nicht vorstellen. Es erscheint einem einfach fremd. Trotzdem entwickelt sich alles stetig weiter und auch die Schulen werden da irgendwann mitmachen.

Bringen iPads in der Schule wirklich den gewünschten Lernerfolg oder liefern sie mehr Ablenkung?

Alisha: Meiner Meinung nach lenkt ein iPad im Unterricht ab. Natürlich hat es Vorteile: Alle Lerninhalte sind gespeichert und an einem Ort. Aber daneben hat man auch noch die Möglichkeit, Spiele zu installieren und ins Internet zu gehen.

Simone Wlotzka

Simone: Natürlich ist es sinnvoll, mit technischen Hilfsmitteln zu arbeiten. Häufig werden die Computerräume genutzt und nicht selten kommt es zu Problemen, was die Textverarbeitung angeht. Bestimmte Dokumente können oft nicht richtig gelesen werden, da die Schule nicht die gleichen Programme verwendet wie die Schüler.

Comouth: In einer Zeit schnelllebigen Wissens kommt es heute auf Soft-Skills an. Diese Kompetenzen lassen sich nicht unterrichten, sondern nur erfahren. Das gilt insbesondere für die sogenannten komplexen Fähigkeiten wie vorausschauend zu denken und zu handeln, komplexe Probleme zu durchschauen sowie die Folgen des eigenen Handelns abzuschätzen und noch viele mehr. Wie gut die Ausformung dieser Kompetenzen gelingt, liegt in der Hand derer, die das Umfeld eines jungen Menschen gestalten. Somit kann der Einsatz des iPads nur ergänzend sein, nie aber Menschen ersetzen.

Wie verändern sich Kindheit und Jugend, wenn man bereits in der Grundschule mit technischen Hilfsmitteln lernt?

Simone: Man sieht Kinder bereits jetzt schon ständig mit ihren riesigen Smartphones spielen, dadurch verlieren viele den Bezug zur Realität. Kinder sollten Anregungen im realen Leben finden und nicht noch mehr in eine virtuelle Welt eingeführt werden.

Comouth: Es kommt immer auf den Umgang mit den Medien an. Setze ich ein Kind vor ein Medium, um menschliche Zuwendung zu ersetzen, dann lässt diese Entwicklung langfristig Kinderseelen emotional verkümmern. Benutze ich die neuen Medien punktuell und gezielt, um neue Zusammenhänge und Fragestellungen zu beleuchten, ist ihr Einsatz legitim. Dass sich die Kindheit durch die neuen Medien verändert, ist offensichtlich.

Alisha: Die Kinder werden so bereits sehr früh an die Technik herangeführt. In einer Zeit, in der wir aufwachsen, ist das bestimmt nicht schlecht. Eine Folge könnte aber sein, dass Kinder gar kein Interesse mehr daran haben, die Natur kennenzulernen oder sich mit Freunden zu treffen und deshalb nur noch selten das Haus verlassen.

Quelle: wa.de

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